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25.11.13

6 Tipps, wie Du der Perfektionsfalle entgehst: Hör auf, Dir selbst im Weg zu stehen!

Der Wunsch, alles gut und richtig zu machen, ist nichts Schlechtes. Wer allerdings übertreibt, steht sich schnell selbst im Weg. 6 Tipps gegen übertriebenen Perfektionismus.

Andrew King bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)Letzte Woche ist mir wieder ein schönes Beispiel über den Weg gelaufen, wie sich jemand mit zu hohen Anforderungen an sich selbst im Weg steht: «Wenn ich etwas mache, dann will ich es auch wirklich perfekt machen», sagte mein Bekannter mit inbrünstiger Überzeugung. Dagegen ist auch nichts einzuwenden; im Gegenteil, das Ziel ist hehr und wichtig.

Allerdings war das Vorhaben, um dessen Planung es ging, schon einmal gescheitert. Und der zweite Versuch war gerade auf dem besten Weg, wieder zu scheitern, lange bevor er überhaupt angegangen wurde. Grund: Wie der Bekannte zugab, führte sein Wunsch, alles perfekt zu machen, zu einem unglaublichen Aufwand: Denn um die angestrebte Perfektion zu erreichen, wurde ein simples Projekt durch Einbezug verschiedener Faktoren und Personen immer größer und komplexer gemacht - bis es sich schließlich als kaum noch bewältigbar entpuppte.

Perfektion ist allgegenwärtig

Keine Frage: In unserer Gesellschaft regiert die Perfektion. Man braucht nur den Fernseher einzuschalten oder Zeitschriften aufzuschlagen, schon springen uns scheinbar perfekt aussehende, gesunde und vor allem stets unsagbar gut gelaunte, glückliche Menschen entgegen. Und es gibt Berge von Ratgeberliteratur, die Dir zeigen will, wie Du genau so wirst; wie Du also vollkommen zufrieden und glücklich lebst, den perfekten Traumjob findest oder völlig nebenwirkungsfrei Karriere machst und dabei auch noch mit links reich wirst.

Doch das Phänomen beschränkt sich nicht auf unsere persönlichen Befindlichkeiten. Gerade im Berufsalltag ist Perfektion allgegenwärtig: Arbeitnehmer sollen perfekt in das Unternehmen passen und ihre Arbeit möglichst fehlerlos erledigen. Es zählen vor allem Stärke und Kompetenz, die durch vermeintliche Fehlerlosigkeit und den perfekten Auftritt suggeriert werden. Jeder spielt seine Rolle so gut wie möglich. Der schöne Schein zählt oft mehr als die tatsächlichen Inhalte. Dass wahre Kompetenz darin besteht, auch Fehler und Nicht-Wissen zugeben zu können, um daraus zu lernen, wird dabei gerne übersehen.

Wohin das führen kann, hat kürzlich der ehemalige Telekom-Personal-Vorstand Thomas Sattelberger in einem Interview mit dem Tagesspiegel etwas plakativ beschrieben:

«Die gefönten Kens und Barbies im Business-Outfit werden nur auf ökonomische Effizienz getrimmt, nicht zu Innovationen animiert. Die Manager in spe denken einzig in der Kategorie 'höher, schneller, weiter'. Business Schools und Wirtschaftsfakultäten sind deshalb signifikant verantwortlich für missratene Führung im Management.»

Tipps für den Weg aus der Perfektionsfalle

Doch wie entgeht man, eingedenk der ganzen Einflüsse aus Umfeld und Medien, dieser Perfektionsfalle? Die folgenden Verhaltensweisen können verhindern helfen, dass Du Dir selbst im Weg stehst mit einem übertriebenen Perfektionsanspruch:

     

  1. Weg mit der Prokrastination: Wie mein oben erwähnter Bekannter schiebst Du ständig wichtige Aufgaben vor Dir her, weil Du Angst hast, sie nicht perfekt erledigen zu können? Das ist die klassische Prokrastination von Menschen, die unter Perfektionismus leiden. Mache eine Prioritätenliste und erledige wichtige Dinge sofort!
  2. Ängste abbauen: Der Wunsch nach Perfektion entsteht aus Angst und persönlicher Unsicherheit. Mach Dir also klar, wo Deine Ängste liegen und bekämpfe das Übel von der Wurzel her.
  3. Was kann schon passieren? Was wird passieren, wenn Du Dir einfach weniger Mühe gibst? Vermutlich viel weniger als Du im Moment glaubst. Schraube Deine Ansprüche an Dich selbst einfach mal testweise ein wenig herunter.
  4. Lerne mit Kritik umzugehen: Ein Faktor, der viele Menschen zu Höchstleistungen treibt, ist der Umgang mit Kritik. Hinterfrage diese ruhig mal: Hat man Dich wirklich kritisiert? Ist die Kritik gerechtfertigt? Hat Dein Kritiker genug Ahnung von der Sache, um Dich wirklich kritisieren zu können?
  5. Lerne, Entscheidungen zu fällen: Statt verbissen vor Dich hinzusinnieren - schreibe alles auf. Struktur hilft Dir, trotz Perfektions-Anspruch zu entscheiden. Und sieh Dinge ruhig auch mal mit Humor, denn Lachen hilft Dir gegen Perfektionismus.
  6. Fehler produktiv nutzen: Fehler sind menschlich. Wenn Dir ein Fehler unterläuft, ärgere Dich ruhig, dass Du diesmal nicht perfekt warst. Aber überlege Dir dann auch, was Du beim nächstenmal besser machen könntest.

 

Bild: Andrew King bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

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