Ausländische Investoren mit Fachübersetzungen überzeugen

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Die deutsche Start-up-Szene hat ein Problem: Investitionen kommen vor allem aus dem Ausland. Um die Geldgeber zu überzeugen, ist ein entsprechend sicherer Auftritt in ihrer Sprache erforderlich. So gelingt es.

Das deutsche Investitionsparadox

Eine große Studie der Unternehmungsberatung EY brachte bereits 2018 eine traurige Tatsache ans Licht: Deutsche Investoren verschmähen deutsche Start-ups. Stattdessen finanzieren sie lieber ausländische Start-ups. Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2018 steckten deutsche Geldgeber über 360 Millionen Dollar in ausländische, insbesondere US-amerikanische, Start-ups. Deutsche Gründer erhielten dagegen nur umgerechnet 207 Millionen Dollar. Das Vertrauen in sie scheint gering - zumindest im Inland. Denn ausländische Investoren zeigen weit weniger Scheu bei der Finanzierung deutscher Gründer: Ein japanischer Software-Konzern steckte 560 Millionen Dollar in das Berliner Portal Auto1, das den Markt für Gebrauchtwagen neu aufstellen will, während ein dänischer Modehändler 300 Millionen in das deutsche Fashionportal AboutYou investierte, das den beiden Platzhirschen Amazon und Zalando schon bald beeindruckende Marktanteile abjagen konnte.

Die deutsche Politik, allen voran Wirtschaftsminister Altmaier, redet zwar darüber, deutsche Start-ups besser zu fördern, doch mehr als eine vage Ankündigung ist bislang nicht dabei herausgekommen. Auf der Suche nach einer millionenschweren Finanzierung orientieren sich Gründer daher nach wie vor besser ins Ausland.

Ohne Fremdsprachen geht gar nichts

Ein Problem für deutsche Gründer sind oft die nach wie vor bescheidenen Fremdsprachenkenntnisse im Land. Schon die Erstellung eines auf Englisch verfassten Business Plans für potenzielle Investoren stellt da eine große Hürde da. Eine hochwertige Fachübersetzung sollte daher stets der erste Schritt zur Bewerbung um ausländische Fördergelder sein. In den letzten Jahren sind zahlreiche spezialisierte Anbieter im Internet entstanden, die Fachübersetzungen durch Muttersprachler in allen gängigen Weltsprachen von Englisch über Spanisch und Französisch bis zu Russisch, Japanisch und Chinesisch anbieten. Sie übersetzen den Business Plan und weitere wichtige Dokumente in die jeweilige Fremdsprache. Existiert bereits eine deutschsprachige Website und soll nun Geld für die internationale Expansion gesammelt werden, ist es sinnvoll, zusätzlich eine Fachübersetzung der Website zu beauftragen. Selbst wenn der englisch- oder chinesischsprachige Onlineshop noch nicht aktiv ist, hilft es den potenziellen Investoren enorm, sich ein Bild von der Website und dem Start-up selbst zu machen.

Auf keinen Fall sollten Gründer am falschen Ende sparen. Die Schwester des Nachbarn der Schwägerin mag zwar fünf Jahre in Frankreich gelebt und dabei sehr gute Französischkenntnisse erworben haben, doch dies reicht nur selten für eine spezialisierte Fachübersetzung mit der entsprechenden Business-Terminologie. Je fremder das Land, in dem Investoren angesprochen werden sollen, umso wichtiger ist ein muttersprachlicher Übersetzer, der das nötige Feingefühl bei der Ansprache der potenziellen Leser mitbringt und die kulturellen Gepflogenheiten kennt.

Welche Fremdsprachen sind für Gründer wichtig?

Unangefochtener Spitzenreiter bei den Fremdsprachen ist natürlich die Weltsprache Englisch. Schon vor einigen Jahren erkannte eine internationale Studie des Wirtschaftsmagazins The Economist, dass es in der globalisierten Welt nicht ohne gute Englischkenntnisse geht. Dies bedeutet: Selbst wenn Business Plan, Website und andere Dokumente als Fachübersetzung in korrektem Englisch vorliegen, kann die eigentliche Präsentation noch immer am schlechten Englisch der deutschen Gründer scheitern. Ein stotternder Vortrag, eine unbeholfene Ausdrucksweise oder gar falsch genutzte Vokabeln schrecken potenzielle Investoren schnell ab. Wer ausländische Investoren sucht, der sollte also zunächst die eigenen Englischkenntnisse auf den Prüfstand stellen. Verbessern lassen sie sich mit etwas Engagement relativ leicht: Dies reicht vom Sprachkurs in Business Englisch bis zum Erlernen von umgangssprachlichem Englisch durch die Lektüre von Büchern und Zeitschriften und dem Ansehen von Filmen und Serien in der originalen englischsprachigen Version.

Die Bedeutung anderer Fremdsprachen hängt von den jeweiligen Zielen ab. Spielt es im Grunde keine Rolle, woher der Geldgeber kommt, genügt es beispielsweise einige rudimentäre Brocken Chinesisch oder Japanisch zu lernen. Schon einige Sätze zeigen, dass sich der hoffnungsvolle Gründer Mühe gibt, auf die neuen Kontakte einzugehen. Die asiatische Delegation wird ein oder zwei englischsprachige Mitglieder haben, die das Gespräch führen und für andere übersetzen. Hier macht sich einfach der Status der englischen Sprache als Weltsprache bemerkbar. Wichtig auch: Dokumente sollten dann in doppelter Fachübersetzung in Englisch und der Sprache der Geldgeber vorliegen.

Anders sieht es aus, wenn das Start-up bereits fest auf den Markteintritt in bestimmten Ländern spekuliert. Soll beispielsweise Lateinamerika oder China als Absatzmarkt erschlossen werden, genügen einige Sprachbrocken aus dem Volkshochschulkurs oder der digitalen Lern-App nicht. Mindestens eine Person im Team der Gründer sollte die jeweilige Sprache auf gewissem Lese-Schreib-Sprechniveau beherrschen.

Interkulturelle Kompetenzen nicht vergessen

Fremdsprachenkenntnisse und Fachübersetzungen für die geschäftlichen Dokumente sind unverzichtbar bei der Suche nach ausländischen Investoren. Doch ein weiterer Aspekt darf nicht außer Acht gelassen werden: Fingerspitzengefühl für die Geschäftskultur und die Gepflogenheit der jeweils anderen. Vor dem ersten Flug nach Tokio, Shanghai oder New York ist es daher sinnvoll, sich über das richtige Verhalten und etwaige Fettnäpfe zu informieren. Sehr empfehlenswert ist ein spezielles interkulturelles Training oder Coaching zur Vorbereitung. Entsprechende Angebote gibt es heute in jeder deutschen Großstadt für verschiedene Sprachen und Regionen der Erde. Mit dem entsprechenden Wissen um kulturelle Eigenheiten wird die Suche nach Investoren viel eher vom Erfolg gekrönt.

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