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03.02.14

Personalmarketing

Sich als Arbeitgeber bewerben

Unternehmen begehen bei der Personalsuche und -auswahl oft kleine, aber folgenschwere Fehler – mit der Konsequenz, dass heiße Kandidaten sich für einen anderen Arbeitgeber entscheiden.

Alexander Walz - Geschäftsführer der Personalberatung Conciliat GmbH

Wirklich gute Bewerber sind für die meisten offenen Stellen rar. Also müssen die Unternehmen um die Gunst der Top-Bewerber buhlen und sich bei ihnen als Top-Arbeitgeber profilieren.

Das ist vielen Personalverantwortlichen nicht ausreichend klar. Entsprechend nachlässig gestalten sie oft den Einstellungsprozess. Mit der Konsequenz: Manch Top-Kandidat entscheidet sich für einen anderen Arbeitgeber – aus vermeidbaren Gründen. Deshalb hier einige Tipps, worauf Betriebe beim Gestalten des Einstellungsprozesses achten sollten.

Tipp 1: auf Augenhöhe kommunizieren

Top-Bewerber wechseln ihre Stelle nur, wenn sie von einem Unternehmen absolut überzeugt sind. Denn jeder Stellenwechsel birgt Risiken. Also sollten Betriebe alles vermeiden, was bei Bewerbern das Gefühl erzeugt, ein Bittsteller zu sein. Das beginnt bei der Frage: Schreibt das Unternehmen den Vorstellungstermin vor oder sucht es mit dem Kandidaten einen passenden Termin? Wird der Bewerber wie ein Gast empfangen oder zunächst wie ein Gepäckstück im Vorzimmer geparkt? Und wie verläuft das Vorstellungsgespräch? Wie ein Verhör oder ein Gespräch auf Augenhöhe? Hat ein Bewerber das Gefühl „Ich werde nicht mit Respekt behandelt“, schenkt er einem anderen Betrieb seine Sympathie.

Tipp 2: den Einstellungsprozess definieren

Top-Bewerber haben meist mehrere Eisen im Feuer. Also muss das Unternehmen die Mitbewerber ausstechen. Hierfür muss der Einstellungsprozess so professionell gestaltet sein, dass beim Bewerber das Gefühl entsteht: Diesem Betrieb kann ich vertrauen. Das gelingt vielen Unternehmen nicht. Denn sie haben zwar ihre Prozesse im Vertrieb definiert. Doch bei der Personalsuche agieren sie nach der Maxime: Irgendwie klappt das schon, und auf zwei, drei Tage kommt es nicht an. Die Folge: Die guten Bewerber sind von Kleinigkeiten irritiert. Also unterschreiben sie den Arbeitsvertrag, wenn er ihnen vorliegt, nicht. Zum Beispiel, weil sie Zweifel hegen: Werde ich in dem Betrieb glücklich? Oder weil ein anderes Unternehmen schlicht schneller und professioneller war.

Tipp 3: Wertschätzung signalisieren

Wenn ein Kandidat ein Unternehmen besucht, ist er dessen Gast. Also behandeln Sie ihn so. Zum Beispiel, indem Sie dafür sorgen, dass in dem Vorstellungsgespräch auch mal der „Big Boss“ vorbeischaut – selbst wenn dies inhaltlich nicht nötig wäre. Und sagen Sie ab und zu ein paar lobende Worte. Zum Beispiel über die Ausbildung des Bewerbers. Oder seine bisherige Tätigkeit. Das schafft eine angenehme Atmosphäre. Auch Angebote wie „Sollen wir mal an Ihrem möglichen künftigen Arbeitsplatz vorbeischauen?“, werden meist begrüßt. Und auch folgende Frage schadet nie: „Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihren künftigen Arbeitgeber aus? Schließlich stehen einer so qualifizierten Arbeitskraft wie Ihnen viele Türen offen.“

Tipp 4: über das Verfahren informieren

Fragt man Stellensucher nach dem Stand ihrer Bewerbungen, antworten sie oft: Keine Ahnung. Zuweilen sind sie sogar unsicher, ob ihre Bewerbungsunterlagen ankamen. Denn viele Betriebe versenden keine Eingangsbestätigungen mehr, in denen sie das Procedere kurz erläutern. Das macht auf Bewerber keinen guten Eindruck.

Ähnlich ist es, wenn nach Bewerbungsgesprächen das weitere Vorgehen in der Schwebe bleibt. Warum nicht mit offenen Karten spielen und zum Beispiel sagen: „Sie sind der erste von drei Bewerbern, die wir eingeladen haben. Haben Sie deshalb bitte circa zwei Wochen Geduld, was unsere Entscheidung angeht. Denn der dritte Bewerber hat erst nächste Woche Zeit.“ Das schafft Vertrauen.

Tipp 5: Versprechen einhalten

Oft begehen Unternehmen folgenden Fauxpas: Die Fachabteilung sichert einem Bewerber zu, dass er in drei Tagen den Arbeitsvertrag erhält. Sie weiß aber nicht, dass der Zuständige in der Personalabteilung gerade auf einer mehrtägigen Schulung ist. Die Folge: Der Arbeitsvertrag trifft verspätet ein. Solche „Kleinigkeiten“ führen oft dazu, dass Bewerber sich umentscheiden. Denn werden Zusagen nicht eingehalten, fängt bei ihnen das Gedanken-karrussel an zu kreisen: Spielt das Unternehmen mit gezinkten Karten? Bin ich nur zweite Wahl? Und erhält der Bewerber zwischenzeitlich ein anderes attraktives Angebot, dann schlägt er zu.

Informieren Sie Bewerber also rechtzeitig über Verzögerungen. Und nennen Sie hierfür plausible Gründe. Denn meist haben Verzögerungen banale Ursachen. Diese kennt der Bewerber aber nicht. Also beginnt er zu spekulieren und hinterfragt im Extremfall seine Entscheidung.

Tipp 6: Kosten erstatten

Viele Unternehmen erstatten Bewerbern ihre Kosten für Vorstellungsgespräche nicht mehr – obwohl sie in der Regel hierzu sogar gesetzlich verpflichtet wären (selbst wenn sie den neuen Mitarbeiter mit Hilfe eines Personalberaters suchen). Das macht auf Bewerber einen schlechten Eindruck. Denn dann fragen sie sich zu Recht: Wie knausrig ist das Unternehmen ansonsten? Und wie genau nimmt es ansonsten seine rechtlichen Verpflichtungen als Arbeitgeber?

Tipp 7: Die Beziehung pflegen

Bei Top-Positionen dauert der Auswahl- und Einstellungsprozess meist mehrere Monate. Da schadet es nichts, zwischenzeitlich mal zum Telefonhörer zu greifen und mit den heißen Kandidaten einen Plausch zu führen. Und was spricht dagegen, ihnen mit ein, zwei handschriftlichen Zeilen zum Beispiel die neueste Ausgabe der Mitarbeiterzeitung zu senden? Auch das vermittelt ihnen das Gefühl: Ich werde als Person wahrgenommen und bin ein heißer Kandidat.

Zum Autor: Alexander Walz ist Geschäftsführer der Personalberatung Conciliat GmbH, Stuttgart (Homepage: www.conciliat.de; Tel.: 0711/22 45 18-0; Email: Walz.Alexander@conciliat.de).

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