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Aktuelles zur Personalarbeit für Gründer und Selbstständige

30.03.09

Arbeitsvertrag

Mit Zeitverträgen durch die Krise

Zeitverträge sind in Krisenzeiten ein geeignetes Mittel, um ohne Verlust eigener Flexibilität und risikominimierend neue Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Dabei unterliegen Zeitverträge bestimmten Regeln, die Sie für einen erfolgreichen Einsatz dieses Instruments kennen müssen. Denn nichts wäre ärgerlicher, als ein ungewollt unbefristetes Arbeitsverhältnis wegen Fehlern im Zeitvertrag.

Zeitverträge sind eine gute Möglichkeit, flexibel zu reagieren.Zeitverträge sind eine gute Möglichkeit, flexibel zu reagieren.

In Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrise stehen Unternehmen vor dem Problem, wie bei aktuellem Arbeitsanfall hinsichtlich einer Stellenbesetzung unter wirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Aspekten am besten zu verfahren ist.

Schwierige Personalplanung

In solchen Zeiten lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht vorhersehen und somit der Personaleinsatz planen.

Um flexibel auf die jeweilige Entwicklung reagieren zu können, bieten sich hier dann Zeitverträge an.

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB, veröffentlicht in IAB-Forum 1/2008 v. 13. Nov. 2008) hat für 2006 festgestellt, dass 43% aller im Jahr 2006 abgeschlossenen Arbeitsverträge mit einer zeitlichen Begrenzung abgeschlossen worden sind.

Insgesamt waren damit etwa 2 Mio. Arbeitnehmer zeitlich befristet beschäftigt.

Besonderen Gebrauch von Zeitverträgen macht der öffentliche Dienst, der Gesundheits-, Erziehungs- und der Nonprofit-Bereich.

In diesen Bereichen erfolgen Neueinstellungen im Wesentlichen nur noch befristet.

Regelwerk für Zeitverträge

Um nicht böse von in der Krise geschlossenen Zeitverträgen überrascht zu werden, sind die Vorschriften aus dem Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (TzBfG) zu beachten.

Schließen Sie nämlich einen unwirksamen Zeitvertrag ab, handelt es sich tatsächlich um ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

 

2 Formen der Befristung

Unterschieden werden zwei Formen der Befristung eines Arbeitsvertrages:

  • den Zeitvertrag ohne oder
  • mit sachlichem Grund für die Befristung.

 

1. Befristung ohne sachlichen Grund

Wird ein Arbeitsvertrag ohne sachlichen Grund befristet, so muss dieser mindestens einen Tag, darf aber maximal zwei Jahre laufen.

Die Befristung ist nur dann zulässig, wenn vorher mit diesem Angestellten kein befristeter oder unbefristeter Arbeitsvertrag bestanden hat.

Gleichwohl darf ein befristeter Arbeitsvertrag dreimal verlängert werden, wobei die Maximaldauer von insgesamt zwei Jahren nicht überschritten werden darf.

Von einer Verlängerung eines befristeten Vertrages spricht man immer dann, wenn die Laufzeit des ursprünglichen Vertrages verändert, d.h. erweitert wird.

Werden dagegen sonstige Bestimmungen des Vertrages geändert, handelt es sich um eine unzulässige zweite Befristung, die rechtlich als unbefristeter Arbeitsvertrag gilt (vgl. BAG, Urteil vom 18. 1. 2006 - 7 AZR 178/ 05).

 

Ausnahmen für Existenzgründer

Ausnahmen gelten für Existenzgründer, die Zeitverträge mit bis zu vier Jahren Befristung ohne sachlichen Grund abschließen können und für bestimmte Arbeitnehmer nach Vollendung des 52. Lebensjahres (Befristung ohne sachlichen Grund bis zu fünf Jahren möglich).

 

Achtung:

Wird nach Fristablauf weiter gearbeitet und widersprechen Sie als Arbeitgeber nicht, ist damit automatisch ein unbefristeter Arbeitsvertrag gegeben.

 

2. Befristung mit sachlichem Grund

Liegt ein sachlicher Grund für ein befristetes Arbeitsverhältnis vor, brauchen Sie als Arbeitgeber keine Fristen oder Laufzeiten zu beachten.

Deshalb normiert das Gesetz in § 14 Abs. 1 TzBfG genau (aber nicht abschließend), was sachliche Gründe sein können:

  1. der betriebliche Bedarf an der Arbeitsleistung besteht nur vorübergehend,
  2. die Befristung erfolgt im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium, um den Übergang des Arbeitnehmers in eine Anschlussbeschäftigung zu erleichtern,
  3. der Arbeitnehmer wird zur Vertretung eines anderen Arbeitnehmers beschäftigt,
  4. die Eigenart der Arbeitsleistung rechtfertig die Befristung,
  5. die Befristung erfolgt zur Erprobung,
  6. in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe rechtfertigen die Befristung,
  7. der Arbeitnehmer wird aus Haushaltsmitteln vergütet, die haushaltsrechtlich für eine befristete Beschäftigung bestimmt sind, und er entsprechend beschäftigt wird oder
  8. die Befristung beruht auf einem gerichtlichen Vergleich.

 

Einsatz von Zeitverträgen macht Sinn

Das befristete Arbeitsverhältnis kann in Krisenzeiten genutzt werden, um neue Arbeitnehmer risikoarm ans Unternehmen zu binden und so zunächst den weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung abzuwarten.

Aber auch das Erproben von Arbeitnehmern oder die Deckung des Personalbedarfs für einmalige Projekte kann mit dem Instrument des Zeitarbeitsvertrags wirkungsvoll geregelt werden.

In jedem Fall sollten Sie sich bei der Vertragsgestaltung anwaltlich beraten lassen – so steht einem erfolgreichen Einsatz von Zeitverträgen nichts mehr im Wege.

Dipl.-Betriebswirt Joachim Welper, LL.M.
Joachim Welper ist Steuerberater bei HRW Steuerberater.  

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