<< Themensammlung Geschäftsführung

17.05.17

Gastbeitrag

Die Unternehmenskultur ist für Mitarbeiter am wichtigsten


(Bild: Fotolia)

Ein Gastbeitrag von Christian Scherer

Wer einen Job sucht, geht immer mit gewissen Voraussetzungen an die Sache heran: Lange Zeit dachten viele Recruiter und Chefs, dass das Gehalt bei der Mitarbeiterzufriedenheit die größte Rolle spielt. Doch immer mehr Start-ups und junge Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern aber mehr - und das zurecht: Eine Studie der Princeton University und Glassdoor zeigt: Unternehmenskultur und -werte setzen die meisten Befragten auf die oberste Position, während die Entlohnung weit abgeschlagen auf Platz 6 landet. Warum ist das so - und wie können Unternehmen von dieser Erkenntnis profitieren?

Die Studie im Detail: Einkommen stark überschätzt

Über 615.000 Nutzer des Arbeitgeber-Bewertungsportals Glassdoor, die zwischen 2014 und 2017 ihren Arbeitgeber benotet haben, wurden in die Analyse einbezogen. Mithilfe einer linearen Regression und Datenanalyse konnte aufgrund von unterschiedlichen Arbeitsplatzfaktoren untersucht werden, welche Faktor den größten Anteil an der Zufriedenheit der Mitarbeiter hat.

Auf Platz 1 landeten bei der Studie überraschenderweise die Unternehmenskultur und -werte (22,1 Prozent Anteil an der Gesamtzufriedenheit), Vorgesetzte und deren Verhalten sind knapp dahinter (21,1 Prozent). Den dritten Platz auf dem Treppchen belegen die Aufstiefs- und Karrierechancen (18,8 Prozent). Weit abgeschlagen landet die Bedeutung der Vergütung (mit 12 Prozent) auf dem sechsten Platz.

Start-ups machen es vor: Mitarbeitern etwas bieten!

Doch wie schaffen es Unternehmen, eine für den Arbeitnehmer positive Kultur zu etablieren? Kleine Betriebe, die noch ganz am Anfang stehen, machen es vor: Work hard, play hard - dieser Spruch ist in Start-ups meist Leitspruch, inklusive einer Menge Freiheiten und vielen Incentives. Das beginnt beim typischen Start-up-Style mit Gratis-Getränken und dem Kickertisch im Büro, geht dann aber oft noch ein paar Schritte weiter: Produktivitätsphasen sollen gezielter genutzt werden. Sprich: Wer acht Stunden am Stück auf den Computermonitor schaut, kann auf gar keinen Fall die gesamte Zeitspanne konzentriert bleiben.

Während der Arbeitszeit joggen gehen, an die frische Luft spazieren oder auch eine kleine Auszeit bei einer halben Stunde Netflix? Gar kein Problem. Wer Playstation spielen möchte, um den Kopf frei zu kriegen oder um Stress oder Druck zu reduzieren, sollte dazu die Möglichkeit bekommen, so der allgemeine Tenor. Die Mitarbeiter sollen ihre Zeit gerne am Arbeitsplatz verbringen.

Leider verfolgen aber noch nicht alle Chefs diesen Plan: Der Druck auf Beschäftigte allgemein steigt. Allein zwischen den Jahren 2003 und 2014 stieg die Zahl der Arbeitstage, die Angestellte wegen psychischer Krankheiten (wie Burnout) nicht bei der Arbeit erschienen, um mehr als 80 Prozent, wie eine weitere Studie belegt. Arbeitszeiten werden ohne jegliche erhöht, der Druck wird größer, die Pausen auf ein Minimum zurückgefahren. Andauernder Stress und Druck führt am Ende zu psychischen und sogar physischen Problemen.

Von Start-ups lernen: Druck rausnehmen, trotzdem effizient bleiben

Natürlich lässt sich dieses Konzept nicht 1:1 auf große Unternehmen übertragen - und es gibt schließlich viele Faktoren, die bei der Mitarbeiterzufriedenheit mit reinspielen. Aber allein die Einstellung und Kenntnis, dass jeder Mitarbeiter unterschiedliche Produktivitätsphasen hat und die Freiheit gewährt werden sollte, diese individuell herauszufinden, wäre jedem Personaler und Verantwortlichen zu empfehlen.

Eine Work-Life-Balance beginnt nicht beim Verlassen des Büros, sondern bereits während der Arbeitszeit.

Autor: Christian Scherer

Christian Scherer ist Marketing Manager von richtiggutbewerben.de und Experte für Online-Bewerbungen sowie digitale Bewerbungsprozesse. Das Unternehmen richtiggutbewerben.de ist eine Online-Bewerbungsplattform, über die die Jobsuchende professionelle Bewerbungsunterlagen wie Anschreiben und Lebenslauf, aber auch die Optimierung von Online-Profilen wie bei XING oder LinkedIn wie in einem Online-Shop buchen können.
Website des Autors
Christian Scherer

Schlagworte zu diesem Artikel

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer