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13.08.07

Interview mit Roland Manger, Earlybird Venture Capital GmbH & Co. KG

"Zumeist geben wir Kapital über mehrere Finanzierungsrunden und Jahre bis zum Exit"

förderland im Gespräch mit Roland Manger, Managing Partner der Earlybird Venture Capital GmbH & Co. KG, über die Phasen einer Beteiligung, starke Managementteams und Fähigkeiten, die ein Gründer mitbringen muss.

Roland Manger ist Managing Partner der Earlybird Venture Capital GmbH & Co. KGRoland Manger ist Managing Partner der Earlybird Venture Capital GmbH & Co. KG. Bild: Earlybird Venture Capital GmbH & Co. KG

förderland: Herr Manger, würden Sie sich, Ihre Tätigkeit und Earlybird Venture Capital bitte kurz vorstellen?

Roland Manger: Sehr gerne. Meine formale Rolle bei Earlybird ist die eines geschäftsführenden Gesellschafters (Managing Partner). Zusammen mit fünf weiteren Partnern und dem gesamten Earlybird-Team suchen wir nach attraktiven Beteiligungen für unsere Venture Capital Fonds und helfen den Unternehmen bei denen wir uns beteiligen bei Ihrer Entwicklung vom Start-Up zum Börsengang oder Unternehmensverkauf.

Earlybird Venture Capital ist eines der führenden Risikokapitalunternehmen in Europa und investiert in junge, technologiegetriebene und gut skalierbare Unternehmen mit herausragenden Managementteams in aktiven und schnell wachsenden Märkten.

förderland: Vom ersten Kontakt mit den Gründern bis zum möglichen Exit - wie läuft eine typische Beteiligung von Earlybird Venture Capital ab?

Manger: Für uns durchläuft die Zusammenarbeit mit unseren Beteiligungen drei Phasen.

Phase eins: Bevor wir uns bei einem Unternehmen beteiligen, versuchen wir zunächst uns auf der Basis eines Exposés oder Geschäftsplanes ein grobes Bild zu machen. Passen Geschäftsgegenstand, mögliches Risiko-Renditeprofil und die Führungskonstellation in unser Entscheidungsraster, kommt es zu einem ersten Treffen, bei dem es darum geht, alle Aspekte des Vorhabens einmal zu diskutieren, zu verstehen und sich dabei auch persönlich kennenzulernen.

Wenn beide Seiten danach noch Interesse haben, werden in einer Reihe von persönlichen Gesprächen alle Aspekte des Vorhabens detailliert untersucht. Hier kommt es auch häufig vor, dass wesentliche Elemente des Geschäftsplanes, von der Unternehmensstrategie bis zur Planung der operativen Umsetzung, gemeinsam mit dem Gründerteam weiterentwickelt werden bevor es zu einer Entscheidung in die eine oder andere Richtung kommt.

Schließlich präsentiert das Gründerteam sein Vorhaben vor allen Partnern von Earlybird, die zusammen als Investment-Ausschuss entscheiden, ob Earlybird ein erstes indikatives Beteiligungsangebot (Term Sheet) abgibt und zu welchen Konditionen. Sind sich beide Seiten bezüglich des Term Sheets einig, werden wesentliche Elemente und Annahmen des Geschäftsplanes sowie der rechtliche und finanzielle Zustand des Unternehmens detailiert geprüft (Due Dilligence) bevor Beteiligungsverträge aufgesetzt, verhandelt und abgeschlossen werden.

Phase zwei: Als Aufsichtsratsmitglieder und aktive Coaches sind wir im kurzfristigen und regelmäßigen Dialog mit unseren Beteiligungen, helfen bei der Anbahnung von Geschäftspartnerschaften und entscheidenden Kundenbeziehungen, unterstützen bei der Suche und Einstellung von weiteren wichtigen Mitarbeitern, helfen bei Unternhemensakquisitionen und stehen als Sparringspartner für die Weiterentwicklung von Strategie und Taktik zur Verfügung.

Phase drei: Zusammen mit den Gründern/ Managern unserer Beteiligungen entwickeln wir frühzeitig Zielsetzungen und Strategien für unseren Ausstieg als Gesellschafter. Wir legen geschäftliche Meilensteine fest, welche die Wertentwicklung des Unternehmens bestimmen und initiieren darauf aufbauend Gespräche mit Investmentbanken - mit dem Ziel des Börsengangs oder eines Unternehmensverkaufs. Über den gesamten Exit-Prozess hinaus sind wir aktiv an der Steuerung der externen Berater und in den Verhandlungen mit Investoren und möglichen Käufern beteiligt.

förderland: Was kommt auf die Gründer zu, wenn sie Earlybird Venture Capital mit ins Boot holen? Wie viel Prozent erwerben Sie im Normalfall an einem Start-Up und bringen Sie sich auch in das operative Geschäft mit ein?

Manger: Wir agieren im Normalfall als Minderheitsgesellschafter, der sich aber sehr aktiv und regelmäßig an der Diskussion zu wesentlichen bevorstehenden Entscheidungen beteiligt und als Sparringspartner gerne von Gründern und Managern in interne Diskussions- und Entscheidungsprozesse mit eingebunden wird.

Nicht selten führen wir schon vor der Entscheidung für ein Investment sehr intensive strategische und operative Diskussionen, die zur Weiterentwicklung des Geschäftsplanes führen.

förderland: Wenn Sie merken, in einem Unternehmen aus Ihrem Portfolio läuft etwas schief. Wie reagieren Sie - greifen Sie ein?

Manger: Wie bei jeder Kapitalgesellschaft - und alle Earlybird Portfolio-Unternehmen sind Kapitalgesellschaften - gibt es eine Planung auf kurzfristiger, mittelfristiger und langfristiger Ebene. Etwa sechs- bis zwölfmal pro Jahr finden Aufsichtsratssitzungen statt, bei denen detailliert über den Entwicklungsstand des Unternehmens generell und vis a vis der Planung gesprochen wird. Dort, aber auch zwischendurch, machen wir uns ein Bild der Lage. Gemeinsam mit dem Management des Unternehmens stellen wir fest, wo Kurskorrekturen nötig oder hilfreich sind.

förderland: Welche Eigenschaften muss ein erfolgreicher Gründer Ihrer Erfahrung nach mitbringen oder anders gefragt: wie sieht der ideale Gründer bzw. das ideale Gründerteam für Sie aus?

Manger: Wir möchten Gründer sehen, die einige wesentliche Voraussetzungen mitbringen: Offenheit, Flexibilität, gesunden Menschenverstand, die Fähigkeit zu lernen, mit Menschen umzugehen und zu motivieren, mit einer Vision aber dennoch pragmatisch. Also ein sehr breites Spektrum an Fähigkeiten, verbunden mit dem Ziel und der dafür nötigen Energie, viel erreichen zu wollen.

förderland: Wie viel Kapital stellt Earlybird Venture Capital insgesamt zur Verfügung?

Manger: Das hängt vom Kapitalbedarf des Vorhabens ab. Zumeist geben wir Kapital über mehrere Finanzierungsrunden und Jahre bis zum Exit. Dies kann je nach Fall von einigen hunderttausend Euro bis 20 Millionen Euro sein.

förderland: Lässt sich mit Internetfirmen wieder Geld verdienen oder gibt es eine neue Internetblase? Welche Technologien sind für ein Investment interessant?

Manger: Seit das Internet kommerziell genutzt wird, kann man damit Geld verdienen. Wir haben in internetbasierte Unternehmen wie Interhyp und Tipp 24 investiert, als solche Themen schon für andere tabu waren. Für uns ist es wichtig, starke Managementteams zu finden, die sich die Internet-Technologie oder das Internet zu nutze machen, um plausible, nachhaltig wachsende, wettbewerbsfähige und große Unternehmen aufzubauen. Nicht das Internet, das Web oder irgendein anderes Modethema steht dabei im Vordergrund, sondern der Markt, die angebotene Leistung und der klare Nutzen der dadurch gestiftet wird.

förderland: An welchem Start-Up haben Sie sich zuletzt beteiligt? Und warum?

Manger: Ich habe diese Woche einen Beteiligungsvertrag bei einem europäischen Unternehmen außerhalb Deutschlands unterschrieben. Der Beteiligungsvertrag sieht vor, dass erst in mehr als einem Monat koordiniert mit den anderen Gesellschaftern über diese Beteiligung berichtet werden darf. Ohne Verletzung dieser Vertraulichkeitsklausel kann ich jedoch einige Gründe für unsere Entscheidung nennen.

Wir glauben, dass das Unternehmen ein Produkt für die Mobilfunkbranche hat, das es ermöglicht, viele verschiedene parallel genutzte proprietäre Technologien durch eine flexible Technologie zu ersetzen, auf deren Basis ein breites Spektrum an Produkten entwickelt werden kann. Dies fordern die internationalen Mobilfunkbetreiber schon seit langem und auch die meisten großen Handyhersteller profitieren davon, weil sie damit Ihre Entwicklungskosten senken und Produktentwicklungszyklen verkürzen können.

Uns begeistert dabei ein sehr großer potentieller Markt, erste solide Kundenbeziehungen, ein erfahrenes Managementteam und ein finanziell interessantes Geschäftsmodell.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

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