<< Themensammlung Gründung

22.08.13

Arbeitsrecht

Was darf der Arbeitgeber?

Was muss man sich als Arbeitsnehmer eigentlich alles gefallen lassen? Darf die Deutsche Bahn ihre Mitarbeiter einfach aus dem Urlaub zurückholen? Darf Hollister ihren Mitarbeitern eine Bewachung mit aufs stille Örtchen schicken? Im Zweifelfalls lohnt es sich immer einen Anwalt zu befragen, der sich mit Arbeitsrecht auskennt.

Bildquelle: © S.Kobold - Fotolia.com

Am Mainzer Bahnhof herrscht Zugchaos. Laut der Deutschen Bahn sei Personalmangel wegen Krankheit und Urlaubzeit die Hauptursache. So hat der Deutsche Bahn-Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube auch nicht lange gefackelt und einige Stellwerksmitarbeiter gebeten, ihren Urlaub zu verschieben. Zudem wurden Mitarbeiter, die sich im Urlaub befanden, gebeten, ihren Urlaub abzubrechen. In einem Interview mit der Welt am Sonntag rechtfertigte Grube sein Verhalten, es hätte sich um eine Ausnahmesituation gehandelt und er würde immer wieder so handeln.

Starkes Gesetz für den Urlaubsanspruch

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sieht die Vorfälle in dem aus der Sparpolitik der Deutschen Bahn resultierendem Personalmangel begründet und reagierte auf das Verhalten der Deutschen Bahn äußert verärgert. Und tatsächlich hat der Arbeitgeber, sobald er den Urlaub des Arbeitsnehmers bewilligt hat, keinen Anspruch auf Urlaubsunterbrechung. Dies ist im Bundesurlaubsgesetz (BurlG) geregelt, das den Urlaubsanspruch der Arbeitnehmer stark macht. Allerdings existiert ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts, indem eine unvorhersehbare Situation, die Notwendigkeit der Arbeitnehmer rechtfertigen könnte. Dass die Situation des Mainzer Hauptbahnhofs unvorhersehbar ist, kann angezweifelt werden. Aber auch der vom Arbeitnehmer gewünschte Termin für einen Urlaub, muss laut Urlaubsgesetz vom Arbeitnehmer berücksichtigt werden, solange keine „dringende betriebliche Belange“ (§7) dagegen sprechen.

Position der Arbeitnehmer stärken

Gerade nach der Wirtschaftskrise fühlen sich viele Arbeitnehmer verunsichert, wie viel sie sich vom Arbeitnehmer gefallen lassen sollen. Ein weiteres aktuelles Beispiel sind die Mitarbeiter der Modekette Hollister. In einer Filiale in Frankfurt durften die Mitarbeiter nur unter Bewachung auf die Toilette gehen. Grund waren laut Unternehmen Beschädigungen an den Toilettentüren. Der Betriebsrat konnte sich jedoch durchsetzen und die Bewachung beenden. Laut Verdi fehlen in den meisten Filialen der Modekette in Deutschland jedoch Arbeitnehmervertretungen. Viele Beschäftigte besitzen nur befristete Verträge und fürchteten sich davor, dass bei einem Engagement im Betriebsrat, der Vertrag nicht mit verlängert wird.

Neben dem Betriebsrat können Anwälte, die sich auf das Thema Arbeitsrecht spezialisiert haben (zum Beispiel AfA – Anwälte für Arbeitsrecht), abklären, was sich Arbeitnehmer überhaupt vom Arbeitgeber gefallen lassen müssen und die Position der Arbeitnehmer stärker.

Schlagworte zu diesem Artikel

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer