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08.04.10

Was wurde aus ... platinnetz?

"Viele glaubten zu Beginn nicht, dass man dieser Zielgruppe ein eigenes Social Network schmackhaft machen kann."

Vor etwas mehr als zwei Jahren interviewten wir Heike Helfenstein von platinnetz, einer Community für Menschen "im besten Alter". Doch was ist nach dem Zeitsprung mit den Gründern und ihrem Unternehmen passiert? Erfahren Sie es hier im Interview!

Heike Helfenstein, heimathonigHeike Helfenstein, heimathonig

Ich begrüße Sie, Frau Helfenstein. Lange ist es her, dass wir von förderland mit Ihnen gesprochen haben. Der Stand der Dinge damals: Sowohl der EFF als auch Holtzbrinck Ventures hatten sich an Platinnetz, Ihrem Best-Ager-Start-up, beteiligt. Wie ging die Geschichte weiter?

Heike Helfenstein: Ziemlich rasant! Wir starteten 2007 und wurden nach gut einem Jahr zum aktivsten Best Ager-Netzwerk in Deutschland mit rund 30 Millionen PI. Viele glaubten zu Beginn nicht, dass man dieser Zielgruppe ein eigenes Social Network schmackhaft machen kann. Zu viele Vorurteile, zu wenig eigene Erfahrungen, hieß es damals. Doch die Platiner, wie wir sie nannten, fühlten sich plötzlich bei uns ernst genommen: Weg vom Senioren-Image und hin zur eigenen Wahrnehmung als aktiv und mitten im Leben stehend. Ein Schritt, den in Deutschland viele Medienschaffende sehr schwerfällig vollzogen und der doch den Erfolg von Platinnetz ausmachte.

Schauen Sie sich Platinnetz von Zeit zu Zeit noch an? Sind Sie mit den Entwicklungen zufrieden oder hätten Sie einiges anders gemacht?

Helfenstein: Natürlich hat man als Gründer weiterhin Interesse am Fortgang des Unternehmens. Und selbstverständlich hätten wir einige Themen anders gelöst. Das bedingt bereits die spezielle Einstellung zum Unternehmen, die man als Gründer mitbringt.

Verraten Sie uns in wie weit sich der Verkauf an die Holtzbrinck-Gruppe für Sie finanziell gelohnt hat?

Helfenstein: Der Verkauf hat sich natürlich gelohnt für uns, wir wurden ja nicht zum Verkauf gezwungen J.


Als Sie Platinnetz abtraten, hing ja bereits ein ganzer Mitarbeiterstab mit an dem Unternehmen. Was passierte mit denen nach der Übernahme? Rausgeschmissen oder mit übernommen?

Helfenstein: Neben uns drei Gründern gab es nur eine fest angestellte Mitarbeiterin, die übernommen wurde. Das weitere Team formierte sich neu in Köln.

Jetzt erzählen Sie uns aber ein wenig über sich und Ihr ehemaliges Team - wo ging es für Sie hin? Welche neuen Projekte wurden angefasst?

Helfenstein: Wir drei Gründer haben zunächst ein paar Monate durchgeatmet und unsere Freizeitquote auf ein gesundes Maß erhöht. Allerdings hatten wir auch sofort einige Anfragen zur Unterstützung anderer Start-ups, für die wir uns gerne engagiert haben. Ende 2009 wollten wir dann wieder etwas Eigenes gründen. Markus, Jan und ich freuen uns deshalb, mit Heimathonig.de erneut gemeinsame Sache machen zu können. Diesmal geht es um ein Angebot für Honigfreunde und Imker: Wir spezialisieren uns auf heimischen – und sehr leckeren! - Honig vom Erzeuger.

Haben Sie die Zielgruppe Best-Ager im Auge behalten? Welche Angebote im Netz finden Sie spannend in Bezug auf das Thema?

Helfenstein: Die Best Ager machten in den vergangenen Jahren eine typische Themenkarriere mit: Erst köchelte es leise vor sich hin, dann wurde es – nicht zuletzt durch uns bei Platinnetz – plötzlich zum Leben erweckt und nun scheint es wieder kaum jemand zu interessieren. In Bezug auf neue Angebote für die Zielgruppe hat sich leider wenig getan. Die neu entstandenen Seiten erscheinen mir eher wieder wie ein Rückschritt in die Seniorenfalle.

Im Interview vor über zwei Jahren hatten Sie ein Buch erwähnt: "getting real": Was hat Sie daran so fasziniert und welche wichtigen Lehren haben Sie für sich daraus gezogen?

Helfenstein: „Getting real“ halte ich nach wie vor für einen super Ratgeber für alle Gründer. Ich fand es persönlich sehr brauchbar, weil es einen lehrt, sich von Beginn an zu fokussieren. Immer zu fragen: Was ist wirklich wichtig für unseren Erfolg? Was brauche ich dazu nicht? Und niemals Schritt 3 vor Schritt 1 machen. Denn wer zu wenig Wert auf die Grundlagen wie zum Beispiel die richtige Zusammensetzung des Teams legt, verliert.

Wenn Sie jetzt wieder zwei Jahre in die Zukunft versetzen: Wo sehen Sie sich da beruflich?

Helfenstein: Mit Heimathonig.de bauen wir gerade ein sympathisches Angebot für alle Honigliebhaber und Imker in Deutschland und bieten schon jetzt das größte Honigangebot online in Deutschland. Das Feedback vieler einzelner Imker spornt uns an, für die wir eine sinnvolle Unterstützung ihrer Arbeit sind. Die meisten der rund 80.000 Imker in Deutschland sind schließlich Experten in der Honigproduktion, selten jedoch auch im Marketing und Vertrieb.

Und sowohl das Thema als auch die Zielgruppe machen einfach Spaß. Jan, Markus und ich haben uns jedenfalls an den vielen wunderbaren Honigsorten aus Deutschland noch lange nicht satt gesammelt … Das kann alles noch gut ein paar Jahre so bleiben – weitere Unternehmungen sind unterdessen für uns nicht ausgeschlossen.

Haben Sie zum Abschluss noch zwei, drei Tipps für Neugründer auf Lager?Dinge, die man nur "unterwegs" lernt?

Helfenstein: Erstens: "Getting real" lesen, zweitens: Sich sehr gut überlegen, mit wem man gründet, drittens: machen!

Ich bedanke mich bei Ihnen für das Interview und wünsche Ihnen viel Erfolg!

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