<< Themensammlung Gründung

07.01.16

Der Kampf um die Putzeimer

Book a Tiger auf der Überholspur?

2015 war ein turbulentes Jahr für Putzkraft-Vermittlungsportale. Es hat offenbart, dass der Markt enorme Kräfte freisetzen kann. Die Reihen der Konkurrenten lichteten sich, und nur zwei große Player haben Millionen an Finanzierung eingesammelt.

Quelle: Fotolia.com © Sergey Nivens

Letztlich hat sich erwiesen, dass die Nachfrage für versicherte, legale Putzhilfen nicht nur da ist, sondern dass sie sogar enorm groß ist. Bei den Anbieterportalen gab es aber auch die ersten Verlierer. Homejoy aus den USA hat es nicht geschafft, sich hierzulande zu etablieren. Book a Tiger übernahm danach sowohl Kunden als auch Mitarbeiter, auch dank einer erfolgreichen weiteren Finanzierungsrunde.

Schweizer Neugeschäft

Einer der neuen Hauptinvestoren ist die Schweizer Mediengruppe Tamedia. Das verhalf Book a Tiger zum Einstieg in den Schweizer Markt und zur sukzessiven Abdeckung der DACH-Region. Im Kontrast dazu hat Helpling zwar im März noch den deutschen Konkurrenten Cleanagents übernehmen können, musste jedoch später signifikant abspecken und den Fokus auf bestimmte Regionen festlegen. Zugunsten der britischen Inseln mussten einige Überseemärkte aufgegeben werden, zum Beispiel Kanada.

Grundsätzlich unterschiedliche Strategien

Diese Entwicklungen machen auch deutlich, dass hier zwei verschiedene Ansätze vorliegen, was langfristige Planung sowie den Umgang mit finanziellen Ressourcen angeht. Book a Tiger macht hier keine Tigersprünge. Als klassisches Startup, hinter dem kein Incubator steht, geht man mit den erworbenen Finanzmitteln vorsichtig und nachhaltig um. Mit einem Konkurrenten wie Helpling, der mit Rocket Internet auf einen enormen Fundus an Erfahrung und finanziellen Mitteln zurückgreifen kann, auch und gerade wenn man Verluste macht, ist das auch vonnöten. Eine abwartende Haltung kann sich da bezahlt machen, gab es von Helpling doch schon die Ansage, keine weiteren deutschen Konkurrenten aufkaufen zu wollen.

Und der Ausblick?

Wie sich die Situation weiterentwickelt, hängt von zwei Faktoren ab. Zum einen geht es um die Erschließung weiterer internationaler Märkte, für die Helpling sicher besser aufgestellt ist. Weitere Faktoren sind die latente Kritik und das damit verbundene juristische Interesse an Geschäftsmodellen wie Uber und anderen Dienstleistungsportalen wie Book a Tiger und Helpling, diese würden Menschen ausbeuten. Um diese zu entkräften, ist es wichtig, auf dem eigenen Portal große Nähe zu Verbrauchern und Dienstleistern zu zeigen. Kapazitäten dafür hat man vielleicht eher, wenn man Expansionspläne hintenanstellt, wie es Book a Tiger gegenwärtig tut. Stattdessen garantiert Book A Tiger auf seiner Webseite einen Versicherungsschutz für die Wohnung und ein strenges, mehrstufiges Aufnahmeverfahren für seine Reinigungskräfte, die grundsätzlich durch die AXA versichert sind.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer