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03.08.09

Trend

Online-Spiele - Angriff der Zeitfresser

Online-Gaming erlebt einen Boom. Selbst die Deutsche Bank kommt nicht umhin, sich über die kommerziellen Möglichkeiten Gedanken zu machen. In einer aktuellen Studie des Geldinstituts wird das wirtschaftliche Potential der Branche ausgelotet - Anlass genug für eine kleine Übersicht darüber, was sich in Deutschland so tut.

1,6 Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich für Computerspiele ausgegeben. Das sind Zahlen, die mehr und mehr auch konservative Anlage-Spezialisten wie die Deutsche Bank interessieren. Eine von dem Finanzriesen initiierte Studie fördert das wirtschaftliche Potential der Branche zu Tage: Allein in Deutschland soll 2012 das Umsatzvolumen auf 2 Milliarden Euro anwachsen. Kein Wunder: Computerspiele liegen heute bereits an 4. Stelle auf der Freizeit-Beliebtheitsskala deutscher Kinder und Jugendlicher. Doch Gaming ist keine Kindersache - vor allem die immensen Erfolge von Blizzards World of Warcraft und Rockstar Games' GTA 4 haben gezeigt, dass vor allem kaufkräftige Erwachsene der Sucht verfallen sind.

Pennergame & Co.: Deutsche Start-ups in der Online-Gaming Branche

Längst haben auch deutsche Gründer diesen Wandel verstanden und Profit daraus geschlagen: Die zwei Start-up-Wunderkinder Marius Follert und Niels Wildung, beide 20 Jahre alt, brachten ihr so genanntes "Pennergame" heraus, welches sich zu einem Hit bei deutschen Online-Gamern entwickelte.

Doch Spiele dieser Machart gibt es heutzutage wie Sand am Meer, sie gehören der ersten Generation der Browsergames an, die im Grunde auf Steigerung von Zahlenwerten basieren. Hat man einmal ein Spielsystem entwickelt, kann man beliebig viele grafische Masken, Themen und Storys darüberlegen. So kommen Samurai-, Fantasy- oder Cowboy-Browsergames mit auffallend gleichbleibender Benutzeroberfläche daher. Zwar versuchen die Macher mit aufwändigen Illustrationen und Animationen die Spiele für den Online-Gamer attraktiv zu halten, doch längst sind neue, interessantere Technologien auf dem Markt.

Frogster beispielsweise, bieten Massive Multiplayer Online Role-Playing Games (MMORPG) an, die mit Hilfe einer Client-Software, ähnlich wie bei World of Warcraft, das Live-Spielen und Steuern in 3D-Welten ermöglicht. Doch auch diese Technologie wird schon wieder eingeholt, denn Spiele wie RuneScape etwa, kommen ganz ohne Client-Software aus, sie können direkt im Browser gespielt werden. Der Vorteil liegt hierbei darin, dass der Spieler keine teure Hardware braucht, sondern mit einem billigen Netbook die 3D-Welten betreten kann. Auch das Hamburger Start-up bigpoint entwickelt auf ähnlicher Technik basierend seine Spielewelten, allerdings sind diese bisher nur zweidimensional spielbar. Der allerneuste Schrei kommt aus den USA. Das Tech-Start-up OTOY hat eine serverseitige Rendertechnik mit phänomenalen Ergebnissen entwickelt. Hier wird der Spieler demnächst in unglaublich realistisch gerenderte Welten gelangen und das nur via Browser.

Um mit Spielen Geld zu verdienen, braucht es oft auch gar nicht so viel Technologie. Das Start-up Projekt gimigames etwa, bietet so genannte "Casual Games" an, also Spiele für zwischendurch, wie etwa Memory, Sudoku und Co. Vor allem die Apps-Stores einiger Mobilfunk- und Mobiltechnikanbieter sind Kanäle, um mit unaufwändigen Programmierungen schnelles Geld zu machen.

Onlines-Games bieten vielfältige Monetariesierungsmöglichkeiten

Die Monetarisierung hat sich im Bereich der Online-Games zu einer ganz eigenen Kunstform entwickelt: Gimigames verdient beispielsweise mit Spieleinsätzen, die Anbieter von World of Warcraft und ähnlichen Spielen verkaufen hingegen Zeit, die man im Spieleuniversum verbringen darf. Eine Variante davon ist das Anfüttern von Spielern in einer Gratis-Welt, die mit einem bezahlten Upgrade aber erst richtig lukrativ wird. Browsergames der ersten Generation verdienen ihr Geld zumeist mit dem Verkauf virtueller Güter, wie etwa einem tolleren Schwert oder einer besseren Rüstung, die dem Spieler einen Vorteil gegenüber den anderen Spielern verschaffen. Besonders intelligent ist dieses System, weil es nach dem Motto "Kleinvieh macht auch Mist" funktioniert: Mikrozahlungen von 50 Cent bis 2 Euro werden hier gerne von den Spielern ausgegeben und die Kumulation der kleinen Summen wird so nicht wahrgenommen.

Es ist noch viel ökonomischer und kreativer Spielraum im Markt der Online-Games einzunehmen. Ein findiges Start-up kann mit mäßigem finanziellen Aufwand oder einer guten Idee schnell oder mittelfristig zum Erfolg gelangen. Auch mehr und mehr Investoren interessieren sich für die Spiele-Branche , wie die Studie der Deutschen Bank zeigt. Erst kürzlich investierte Dumont Venture eine Summe im "oberen sechsstelligen Bereich" in das oben erwähnte Start-up gimigames.

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