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11.07.07

Interview mit Frank Gessner, ALEA GmbH

"Nicht aufgeben, die anderen kochen auch nur mit Wasser!"

förderland im Gespräch mit Frank Gessner, ALEA GmbH, über die Finanzierung seines Unternehmens, die guten Rahmenbedingungen in Deutschland und eine Software für den Multi-Channel-Versandhandel.

Das ALEA-Gründerteam (v.l.): Hellmuth Slattner, Helga Trölenberg-Buchholz und Frank Gessner.Das ALEA-Gründerteam (v.l.): Hellmuth Slattner, Helga Trölenberg-Buchholz und Frank Gessner. Bild: ALEA GmbH

förderland: Herr Gessner, würden Sie sich und Ihr Unternehmen, die ALEA GmbH, bitte kurz vorstellen?

Frank Gessner: ALEA erstellt eine neue Warenwirtschaft- und Logistiksoftware für den Multi-Channel-Versandhandel. Unsere typischen Kunden sind Versandhäuser, die neben dem Katalog auch das Internet oder Filialen als Vertriebswege nutzen. Für die Abwicklung der Aufträge, das Versenden der Pakete, Retouren, Mahnwesen, Einkauf, Lagerhaltung, usw. wird unsere IT-Lösung eingesetzt. 

förderland: Wie ist Ihre Geschäftsidee entstanden und wer sind die Menschen hinter ALEA?

Gessner: Wir Gründer von ALEA sind mit unseren vorherigen Firmen seit vielen Jahren im Versandhandel tätig. Mein schweizerischer Partner, Hellmuth Slattner, hat bereits mit seiner Firma vor über 20 Jahren eine Versandhandelssoftware erstellt. Zum Gründerteam gehört auch Helga Trölenberg-Buchholz, die dort gearbeitet hatte und ebenfalls seit vielen Jahren im Versandhandel tätig ist. Als einer der Gründer und ehemaliger Leiter der Produktentwicklung von Intershop habe ich mehrere Generationen von Webshop-Software erstellt, die bei Versandhäusern eingesetzt werden.

Die Geschäftsidee entstand aufgrund unserer Erfahrung, dass die heutigen Warenwirtschafts- und Logistiklösungen im Versandhandel größtenteils sehr stark veraltet sind und entwickelt wurden, als das Internet als Vertriebskanal noch keine Rolle spielte. Die Versandhäuser fragen nach einer modernen Branchensoftware um ihren Kunden weiterhin einen hohen Service bieten zu können. Damit diese neue Generation von Versandhandelssoftware entsteht, gibt es ALEA. 

förderland: Die ALEA GmbH ist ja nicht Ihre erste Unternehmungsgründung. Haben Sie auch schon einmal darüber nachgedacht, sich einen 40-Stunden-Job in der Firma XY zu suchen? Was reizt Sie an der Selbstständigkeit?

Gessner: Im Unterschied zu vielen anderen Unternehmern ist für mich ein Angestelltenverhältnis keine Horrorvorstellung. Wichtiger ist für mich viel mehr, mit wem und für welche Ziele ich arbeite. Dennoch ist die Leitung eines Unternehmens für mich reizvoll. Es sind die vielen Herausforderungen, die mich anspornen. Sich der direkten Verantwortung für alle Entscheidungen bewusst zu sein, ist jedoch nicht immer so leicht, wie es oft von außen aussieht.

förderland: Der lange Weg von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt - wo liegen Ihrer Erfahrung nach die größten Schwierigkeiten?

Gessner: Natürlich ist die Anfangsphase nicht leicht. Die wirklich großen Schwierigkeiten beginnen jedoch erst, wenn das Produkt bereits marktreif ist. Das ist die Zeit, wenn die Euphorie und Begeisterung über die eigene Lösung sich in ein "normales Business" wandelt und aus dem kleinen-aber-feinen Team ein "normales Unternehmen" wächst. Dann ist umso mehr Ausdauer, Cleverness, Kundenorientierung, Motivation und Professionalität gefragt.

förderland: Wie haben Sie die Startphase Ihres neuen Unternehmens finanziert und in welchen Dimensionen bewegen wir uns?

Gessner: Wir haben erst einmal Kunden gewonnen, die mit einem Vorlizenzprogramm die Entwicklung zu einem guten Teil finanzieren. Wir Gründer konnten zudem die gesamte Startphase der Entwicklung mit einem (großen) Betrag selbst finanzieren. Um die Marktchance mit Vollgas nutzen zu können, haben wir dann neben dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) noch zusätzlich zwei Finanzrunden mit einer Risikokapitalgesellschaft durchgeführt.

förderland: Wofür haben Sie die Finanzspritze des HTGF verwendet?

Gessner: Wir haben über den HTGF eine Zwischenfinanzierung realisiert bis unser jetziger Hauptinvestor eingestiegen ist. Das hat uns damals sehr geholfen.

förderland: Wie ist der Kontakt zum HTGF zustande gekommen und wie haben Sie die Investoren von sich und Ihrer Geschäftsidee überzeugt?

Gessner: Ich hatte von Freunden vom HTGF gehört. Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Unterzeichnung des Beteiligungsvertrages sind kaum drei Monate vergangen. Die Marktchance von ALEA wurde erkannt und wir konnten wohl zeigen, dass wir als Team diese nutzen können. Die Zusammenarbeit mit dem HTGF ist übrigens sehr gut.

förderland: Was steht als nächstes auf Ihrer Agenda?

Gessner: Ende dieses Jahres soll unsere neue Versandhandelslösung erstmalig bei einem Versandhaus in Betrieb genommen werden. Es gibt zwar noch viel zu tun, wir sind jedoch optimistisch dieses Ziel zu schaffen. Ab nächstes Jahr werden dann schrittweise unsere heutigen Kunden eingeführt und neue Versandhäuser für ALEA gewonnen.

förderland: Wie schätzen Sie die derzeitigen Bedingungen für eine Unternehmensgründung in Deutschland ein?

Gessner: Die Rahmenbedingungen sind aus meiner Sicht viel besser als ihr Ruf. Es wird auf hohem Niveau gejammert. Es gibt viele Informationen und Unterstützungen von Verbänden, Vereinen, Förderprogrammen und Behörden. Für die lange Zeit zu knappe Frühphasenfinanzierung von Technologieunternehmen gibt es jetzt dank HTGF und vielen neuen Business Angel-Netzwerken mehr Möglichkeiten. Insgesamt sind die Bedingungen im internationalen Vergleich "gut".

förderland: Welche Tipps würden Sie jungen Gründern mit auf den Weg geben?

Gessner: Ein Bekannter von mir aus der Werkzeugbranche hat mal zu mir gesagt: "Die Kunden wollen Löcher und keine Bohrer." Also: Die Kundenlösung im Blick haben, anstatt nur das eigene Angebot. Und: Nicht aufgeben, die anderen kochen auch nur mit Wasser!

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

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