<< Themensammlung Gründung

11.04.14

Sozialversicherungen 2014

Neue Bemessungsgrenzen und mehr Flexibilität für Selbstständige

2014 steigen die Beitragsbemessungsgrenzen für die Kranken- und Rentenversicherungen weiter an. Gutverdienende Selbstständige müssen wegen der Anhebungen künftig noch tiefer in die Tasche greifen. Bei der Altersvorsorge sorgen die neuen gesetzlichen Bestimmungen hingegen für mehr Flexibilität. vergleich.de gibt einen Überblick über die Gesetzesänderungen 2014.

Durch die neuen Bemessungsgrenzen 2014 werden die Gutverdiener unter den Selbstständigen und Freiberuflern künftig stärker zur Kasse gebeten.

Gutverdiener werden stärker zur Kasse gebeten

2013 ist das allgemeine Lohnniveau in Deutschland weiter angestiegen. Folge: Zum 1. Januar 2014 hat die Bundesregierung die Beitragsbemessungsgrenzen weiter nach oben korrigiert. Gerade für Freiberufler und Selbstständige, die beruflich auf eigenen Beinen stehen und den vollen Beitragssatz selbst tragen müssen, sind die Bemessungsgrenzen entscheidend. Denn aus ihnen errechnet sich der monatliche Beitrag für die die Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Durch die neuen Bemessungsgrenzen 2014 werden die Gutverdiener unter den Selbstständigen und Freiberuflern künftig stärker zur Kasse gebeten.


Versicherungspflichtgrenze steigt um 1350 Euro

Die Versicherungspflichtgrenze steigt 2014 von 52.200 Euro auf 53.550 Euro im Jahr. Die Versicherungspflichtgrenze ist Richtwert für Arbeitnehmer, die zu einer privaten Kasse wechseln möchten. Die  Anhebung der Jahresarbeitsentgeltgrenze erschwert Arbeitnehmern den Wechsel in die PKV. Der Vorteil für Selbstständige und Freiberufler: Sie sind nicht an die Versicherungspflichtgrenze gebunden und können jederzeit in die private Krankenkasse wechseln. Ob sich für freiberuflich tätige Menschen der Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung lohnt, darüber kann ein Tarif-Vergleich Aufschluss geben. Ebenfalls angehoben wurde die monatliche Bemessungsgrenze in den gesetzlichen Krankenversicherungen für freiwillig Versicherte. Sie steigt um 112,50 Euro von 3.937,50 Euro auf 4.050 Euro. Das entspricht einem Bruttojahreseinkommen von 48.600 Euro. Das Einkommen oberhalb dieser Bemessungsgrenze ist weiterhin beitragsfrei.


Künstlersozialkasse: Wechsel in die private Krankenversicherung möglich

Auch Künstler und Publizisten, die über die Künstlersozialkasse (KSK) pflichtversichert sind und Beiträge für die Renten-, Kranken- und  Pflegeversicherung entrichten haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, zu einer privaten Krankenkasse zu wechseln. Einen Befreiungsantrag von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht können beispielsweise sogenannte „Höherverdienende“ stellen. Als solche gelten Selbstständige, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren ein Gesamteinkommen von mindestens 152.550 Euro erwirtschaften. Achtung: Nach der Befreiung von der Versicherungspflicht ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nicht mehr möglich. Auch Berufsanfänger können bei der KSK einen Antrag auf Befreiung stellen. Sie müssen zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits eine private Versicherung nachweisen. Wichtiger Hinweis: Auf Antrag des Versicherten zahlt die Künstlersozialkasse einen Beitragszuschuss zur privaten oder freiwilligen gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Renten- und Arbeitslosenversicherungen teurer

Bei der Berechnung der Beiträge für die Renten- und Arbeitslosenversicherungen gelten seit dem Jahreswechsel 2013/ 2014 ebenfalls neue Beitragsbemessungsgrenzen. Wegen des Lohngefälles in West- und Ostdeutschland fallen die Werte je nach Bundesland sehr unterschiedlich aus. Im Westen werden Sozialversicherungsbeiträge für versicherte Selbstständige und Freiberufler seit Januar 2014 bis zu einem jährlichen Höchstbetrag von 71.400 Euro erhoben, in den ostdeutschen Bundesländern wegen des geringeren Gehaltsniveaus nur bis zu einem Bruttolohn von 60.000 Euro. Das entspricht einem monatlichen Bruttolohn von 5.950 Euro in den alten und 5.000 Euro in den neuen Bundesländern.

Höherer Steuer-Vorteile bei der Rürup-Altersvorsorge

Neue Einsparmöglichkeiten ergeben sich für Selbstständige und Freiberufler, die mit einer staatlich geförderten Rente nach dem Rürup-Modell fürs Alter vorsorgen. Rürup-Sparer können im laufenden Kalenderjahr nach den gesetzlichen Bestimmungen 78 Prozent des Jahresbeitrags als Sonderausgabe in der Steuererklärung geltend machen. Bei Alleinstehenden liegt die Höchstgrenze bei 20.000 Euro, Ehepaare können 40.000 Euro geltend machen. Die Sonderausgaben betragen damit für Ledige im Höchstfall 15.600 Euro, für Verheiratete 31.200 Euro. Freiberufler mit einem hohen Einkommen können durch die Steuervergünstigung die jährliche Steuerlast deutlich senken.

Mit Riester-Vertrag Immobilien-Schulden abtragen

Riester-Sparer mit einem laufenden Immobilienkredit profitieren ebenfalls von den Gesetzesänderungen 2014. Sie können in Zukunft einen beliebigen Betrag Ihres angesparten Guthabens für das Abtragen von Immobilienschulden oder dem altersgerechten Umbau der eigenen vier Wände verwenden – und das jederzeit! Voraussetzung: Sie müssen mindestens 3.000 Euro aus dem Riester-Vertrag entnehmen. Die Entnahme von Kapital war bislang nur zu Beginn der Auszahlungsphase des Riester-Vertrags möglich. Außerdem haben Immobilien-Besitzer ab sofort die Wahl zwischen einer teilweisen oder vollständigen Kapitalentnahme. Aber: Um auch weiterhin die staatliche Förderung zu erhalten, müssen bei einer Teilentnahme mindestens 3.000 Euro auf dem Riester-Vertrags-Konto verbleiben. In Einzelfällen kommt auch für Freiberufler eine Riester-Förderung als private Altersvorsorge in Frage. Voraussetzung ist, dass der Ehepartner förderberechtigt ist und der Selbstständige mindestens 60 Euro pro Jahr in den Vertrag einzahlt.

Das Redaktionsteam des Finanzdienstleisters Dr. Klein und des Online Finanzportals vergleich.de sitzt in Berlin und berichtet regelmäßig über die Geschehnisse der Finanzwelt. Unter anderem betreut es das Dr. Klein und das vergleich.de Blog.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer