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31.08.11

Sneaker von Scurdy

Mehr Customization geht nicht

Individuell ist in. Ob Müsli oder Marmelade, T-Shirts oder Base-Caps, heutzutage geben einem viele Unternehmen die Möglichkeit, an entscheidender Stelle in den Wertschöpfungsprozess einzugreifen und Produkte gemäß dem eigenen Gusto mitzugestalten. Das Kölner Start-up Scurdy hat das Mass Customization-Konzept jetzt auf Sneaker übertragen. Zwar gibt es bereits mi adidas oder NIKEiD, doch Scurdy geht noch einen großen Schritt weiter.

Team Scurdy mit ScurdysTeam Scurdy mit Scurdys

Scurdy ist das weltweit erste Unternehmen, das kompromisslos selbst gestaltbare Sneaker "made in Germany" anbietet: Kunden wählen im Anfang August 2011 gelaunchten Design-Konfigurator die Farbe des Obermaterials und des Innenfutters, bestimmen, welches Motiv und welcher Schriftzug wo platziert wird und legen Schnürsenkel- und Ösenfarbe fest. Außerdem können eigene Motive als .jpg- oder .png-Dateien hochgeladen werden oder man greift auf das bestehende Motivportfolio zurück. Zwei bis drei Wochen später kann man seine selbstdesignten Unikate dann spazieren tragen.

E-Commerce-Plattform für Sneaker-Designer

Für ambitionierte Sneaker-Designer bietet Scurdy darüber hinaus eine Plattform, die eigenen Designs zu einer selbst gewählten Provision zum Verkauf anzubieten. Damit profitieren sie von den E-Commerce-, Produktions- und Versandprozessen von Scurdy und können ihr eigenes Sneaker-Label schaffen – ohne die in der Schuhbranche üblichen Mindestproduktionsmengen und mit minimalem eigenen Aufwand. Und so ganz nebenbei profitiert natürlich auch Scurdy von diesem "user-generated-content", da das Scurdy-Motivportfolio immer wieder neue individuelle Angebote bereithält.

Qualität kommt an!

Schaut man sich die Kommentare auf der Scurdy-Facebook-Pinnwand an, erkennt man, dass das Konzept anscheinend bei den Käufern ankommt. Nicht zuletzt, da das Team kompromisslos auf beste Qualität setzt: So wird – entgegen der Marktlogik – nicht in Fernost produziert und auf Fabrikware gesetzt. Stattdessen werden Scurdy-Sneaker hierzulande individuell von Menschenhand gefertigt. Beste Materialen werden aus Deutschland und Italien bezogen; für den Druck nutzt man – in Zusammenarbeit mit einer Druckerei in Süddeutschland – ein innovatives Druckverfahren, mit dem das feine Außenmaterial effizient bedruckt werden kann und das bestmögliche Druckbild entsteht.

Und auch was Pressearbeit und Support angeht, setzt Scurdy Maßstäbe: Nicht jedes Start-up verschickt via Post aufwendig gestaltete Pressemappen, inklusive Stoffmuster und einer CD mit Bildmaterial und vielen Hintergrundinformationen. Nicht jeder Gründer steht außerdem spontan über den Support-Chat (via SnapEngage) für ein kurzes Interview zu Verfügung.

"Wir möchten mindestens den Proof of Concept organisch erreichen"

Seinen Mitgründer, Manuel Langele, habe er Anfang 2009 kennengelernt, erklärt Scurdy-Gründer Max von Papen. Der habe damals auch die Idee zu Scurdy gehabt und bereits eine Limited gegründet. Er selbst habe damals noch einen Masterstudiengang absolviert und sich nur Teilzeit für Scurdy engagieren können. Heute firmiere man als GmbH; Anfang August sei der Design-Konfigurator, das Herzstück des Scurdy-Angebots, gelauncht worden.

Finanziert habe man die Startphase mit "Eigenmitteln aus dem Freundeskreis" sowie über Auftragsarbeiten für Firmenkunden. Venture Capital sei erst mittelfristig ein Thema, erklärt von Papen: "Wir möchten mindestens den Proof of Concept organisch erreichen. Denn wenn wir dann mit möglichen Kapitalgebern sprechen, können wir unseren Business Plan auf realen Umsatzzahlen aufbauen. Ich denke, das ist für beide Seiten sinnvoller! Zudem zwingt uns unser Bootstrapping-Ansatz dazu, unsere begrenzten Ressourcen wirklich zielführend einzusetzen."

Stand im letzten halben Jahr noch die Entwicklung des Konfigurators auf dem Programm, will man sich ab sofort auf das Online-Marketing und den Vertrieb konzentrieren – und natürlich das eigentliche Produkt weiter entwickeln: "Fest geplant ist ein wintertaugliches Modell mit Innenfell. Danach werden wir uns weiteren komplexen Mass Customization-Produkten zuwenden", erklärt von Papen. "Wir glauben, dass es eine Nachfrage nach komplexen, selbstgestaltbaren Produkten wie z. B. Sneaker gibt. Vorgefertigte Produkte wie T-Shirts zu bedrucken, war nur der erste Schritt. Jetzt folgen komplexere Modeprodukte!", fügt er hinzu.

Und was macht die Konkurrenz?

Zumindest in Europa sieht sich Scurdy mit seinem Konzept allein auf weiter Flur. Bei mi adidas oder NIKEiD könne man nur Farbkombinationen auswählen, meint von Papen. Die Möglichkeit, eigene Grafiken zu nutzen, habe man in Europa aber nur bei Scurdy. "In den USA gibt es Zazzle, aber die produzieren in Asien und haben noch keine Niederlassungen in der EU", erklärt er.

Einblicke in das Thema Mass Customization sowie weitere Best Cases gibt Mass Customization-Papst Prof. Dr. Frank T. Piller im Video-Interview mit förderland . Hier lesen Sie außerdem wie Unternehmen ihre Kunden heute auf unterschiedlichste Weise in die Wertschöpfung einbeziehen.

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