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06.12.11

supermarkt.de

Lebensmittel per Mausklick

Statt sich abends oder am Wochenende durch den vollen Supermarkt zu quälen, kann man das volle Sortiment auch einfach per Mausklick bestellen und bequem zu sich nach Hause liefern lassen. In England und den USA sind Online-Shops für Lebensmittel schon lange etabliert und auch immer mehr Deutsche nutzen das Angebot. Doch das Konzept scheint hierzulande noch nicht ausgereift: Die Ware ist meist deutlich teurer als im Laden und kommt nicht immer frisch beim Kunden an. supermarkt.de will es jetzt besser machen.

Dominik Mühl und Arne Stock von supermarkt.deDominik Mühl und Arne Stock von supermarkt.de

Seit dem 1. Dezember können die Hanseaten auf supermarkt.de online Lebensmittel bestellen und sie sich vom unternehmenseigenen Lieferservice mit Wunschtermin zustellen lassen. Eine bundesweite Expansion ist bereits geplant. "Wir möchten unseren Kunden den Alltag erleichtern und ihnen den Einkaufsstress abnehmen, damit sie die knappe Freizeit mit wichtigeren Dingen verbringen können", erklärt Dominik Mühl, Vorstand von supermarkt.de.

Damit folgt supermarkt.de einem allgemeinen Trend: Laut dem BITKOM-Webmonitor, einer Umfrage unter tausend Internetnutzern, haben bereits rund sechs Millionen Deutsche Lebensmittel über das Internet gekauft, Tendenz steigend. Das Vorbild des Online-Supermarktes heißt Tesco und kommt aus Großbritannien: Man bestellt bequem Lebensmittel über einen Online-Shop, die dann aus der zum Kunden nächstgelegenen Tesco-Filiale zusammengestellt und mit eigenen Transportern nach Hause geliefert werden.

Deutsche Online-Supermärkte: "verbesserungswürdig"

In Deutschland scheint das Geschäft mit den Online-Bestellungen von Lebensmitteln allerdings noch nicht ganz ausgereift. So lautet das Ergebnis einer im letzten Jahr durchgeführten Stichprobe des Dortmunder Fraunhofer-Instituts, die Unternehmenskonzepte der Online-Anbieter seien noch "verbesserungswürdig". Die Ware sei im Gegensatz zu stationären Supermärkten zu teuer, die Bestellung zu kompliziert, die Ware bei Eingang teilweise beschädigt und zu häufig sei die Kühlkette nicht eingehalten worden.

Doch es gibt bereits Anbieter, die es besser machen wollen. Im Januar berichteten wir von froodies.de . Begonnen hat der Online-Supermarkt mit regionalen Lieferungen in ausgewählten Städten in NRW, teils durch Kooperationen mit stationären Supermärkten wie Edeka. Mittlerweile hat froodies seine Lieferung auf ganz Deutschland ausgeweitet und liefert in die übrigen Städte per Versand. Die Einhaltung der Kühlkette soll über Kühlboxen erreicht werden.

Supermarkt.de: Regionaler Bezug für frische Ware

Bei supermarkt.de beschränkt man sich zunächst ebenso bewusst auf den regionalen Lieferungsservice, bei dem sich die Ware, anders als beim Paketversand, nie über Nacht in der Auslieferung befindet. Zudem entsteht ohne Paketversand deutlich weniger Verpackungsmüll. Laut Mühl profitiert der Kunde bei supermarkt.de noch aus einem weiteren Grund: "Unsere Kunden haben die Möglichkeit, ihren Lieferungszeitraum stündlich genau zu planen – das ist deutschlandweit einzigartig." Mit der "grünen Stunde" will man außerdem seinen Beitrag zur Umwelt leisten: Wurde in der näheren Umgebung des Kunden bereits eine Bestellung in dem gewünschten Zeitfenster getätigt, wird die Lieferzeit grün dargestellt. Über möglichst viele Bestellungen pro Fahrten soll so der CO2-Ausstoß verringert werden.

Nicht nur die Lieferung erfolgt regional, Obst- und Gemüse werden bei regionalen Großhändlern eingekauft. Durch Just-in-Time-Lieferung soll die Ware nicht länger als nötig im Lager verbleiben. Damit die Frischware auch frisch beim Kunden ankommt, sind die Lieferwagen gekühlt. Nach eigenen Angaben schlägt sich der Lieferservice jedoch nicht in einen höheren Einkaufspreis für die Kunden wieder: "Im Vergleich zu anderen Multichannel-Modellen, die einen stationären Handel und einen Online-Handel betreiben, bieten sich Online-Only-Modell wie supermarkt.de andere Möglichkeiten in der Preisgestaltung. Wir haben z.B. keine zusätzlichen Kosten durch innerstädtische Mietflächen, die wir an Kunden weitergeben müssten", erklärt Sina Gritzuhn von supermarkt.de.

Es bleibt abzuwarten, ob sich der regionale Bezug von supermarkt.de auf eine bundesweite Lieferung übertragen lassen wird, und ob nicht doch Supermärkte, die bereits viele Filialen in Deutschland besitzen und als Lagerstätten verwenden können, klar im Vorteil sind. Rewe und Edeka sind mit ihrem Lieferservice bereits im Rennen.

Wer mehr über die Herausforderungen des E-Commerce im Allgemeinen und den Versand von Lebensmitteln im Speziellen erfahren möchte, kann unser Interview mit Christian Mager, Geschäftsführer von UnitedCommerce lesen.

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