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19.08.11

Start-ups international

Heute stellen sich vor: CPUsage (US), seasteading (US), fivemiles (US)

Unsere Themen heute: Rechenkraft, Utopien und Geofencing. Und demonstriert werden sie wie jeden Freitag anhand einer Auswahl internationaler Start-ups, die wir mit der Anforderung auswählen, dass sie interessante Facetten besitzen, die uns noch etwas lehren. Also: viel Vergnügen!

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Das Ganze und seine Teile

CPUsage.com - Wer ein Start-up aufmacht, der will meistens auch Geld damit verdienen. Man bietet etwas an, es wird gekauft, man bekommt Geld dafür. Ein amerikanisches Tech-Start-up namens CPUsage macht es ganz anders: es bezahlt Geld. Mit diesem Geld mieten die Gründer Rechenpower von der Cloud: von Privatanwendern oder Unternehmen, die gerade nicht die maximale Rechenpower ihres Computers benötigen - was geschätzte 97% der Betriebszeit ausmacht. Diese aufgekaufte Rechenkraft bündelt CPUsage zu Paketen und verkauft die an seine Kunden, die komplexe Berechnungen oder Bild-Renderings durchzuführen haben. Wer seinen Rechner CPUsage zur Verfügung stellen möchte, der muss sich nur einen kleinen Software-Client auf dem Rechner installieren - dieser zapft immer dann Rechenkraft ab, wenn sie nicht gebraucht wird und agiert so, dass der User im Grunde nichts davon mitkriegt. Dafür bekommt dieser dann Gutschriften für einen Elektromarkt. Guter Deal, oder?
Potential: So genannte NetrenderClients - also Software, die die benötigte Rechenleistung dezentral von verteilten Rechnern zusammenaddiert - sind nichts Neues. Was allerdings neu ist, das ist das Konzept, diese aus der Cloud, also aus allen interessierten Online-Teilnehmern zu beziehen. Dieses Verfahren hat viele Vorteile gegenüber dem bisherigen Modell, riesige Computerfarmen aufzustellen. Zum einen wird Kapital gespart, da kaum eigene Maschinen benötigt werden. Zweitens garantiert das Konzept durch das distributive Rechnen relativ konstanten Service, der sich bei Bedarf auch einfach wieder nach unten skalieren lässt. Ausfälle von Servern müssen nicht befürchtet werden. CPUsage ist im Grunde auch gar kein Tech-Start-up sondern sein Kerngeschäft ist der Handel. Allein könnte der Privatmann zu Hause nicht viel mit seiner überschüssigen Rechenkraft anfangen. Und die Jungs von Pixar müssten einen längeren Urlaub planen, bis eine Minute Film gerechnet ist. Nimmt man aber CPUsage hinzu, die die beiden Parteien zusammenführt, dann haben wir einen Markt. Sie, liebe Gründer sollten sich ebenfalls überlegen, was die Menschen sonst noch so zu Hause haben, was ein Händler anzapfen könnte. Ist es vielleicht Strom? Ist es Arbeit? Ist es Geld? Wenn Sie etwas gefunden haben - machen Sie etwas draus!

Aus unserer Kuriositätenabteilung

seasteading.org - Einen besseren Plot hätte sich selbst Ian Flemming, der Autor der "James Bond"-Geschichten, nicht ausdenken können: Beim Seasteading Institute handelt es sich um eine Einrichtung, die das Ziel verfolgt, kleine unabhängige Staaten auf Pfeilern - ähnlich einer Ölplattform - zu gründen. Und freilich dort, sobald sie errichtet sind, Grundstücke zu verkaufen. Dass dabei Sozialwohnungen entstehen, darf freilich bezweifelt werden, wer hier hinziehen will, der begreift sich als Elite und muss auch Elitepreise bezahlen. Schaut man sich gerade die Nachrichten aus Großbritannien an, so kann man sich gut vorstellen, dass es die Wohlhabenden dieser Welt nicht mehr mit dem "Restpöbel" unter einer gemeinsamen Verfassung leben möchte. Einer der erfolgreichsten US-amerikanischen Investoren, der deutschstämmige Peter Thiel, steckte gerade über eine Million Dollar in dieses Prestige-Social-Start-up und der Herr hat bisher mit eBay, Paypal und Facebook ein ganz gutes Händchen bewiesen. Im Jahr 2015 soll schließlich der "Seasteading-Award" verliehen werden, ein Monument, auf dem die Namen der Geldgeber eingraviert sind, den so genannten "Seasteading Institute Argonauts". Die Anforderungen, die das Institut stellt sind: mindestens 50 Einwohner, politische und finanzielle Unabhängigkeit, Grundstücke müssen zum freien Verkauf angeboten werden.
Potential: Fragt man einen Arbeiter, der auf einer Ölplattform arbeitet, was ihn eigentlich am meisten hier stört, so ist es weder die schwere Arbeit noch das harte Wetter, sondern es ist die Langeweile. Jeder, der schon einmal in einem wirklichen Kaff gewohnt hat, weiß wovon hier die Rede ist. Politische Unabhängigkeit hin oder her - wer auf so einem Gebilde leben möchte, der muss viele Bücher oder eine große Playstation mitbringen. Man ist auf Gedeih' und Verderb' den Launen seiner Nachbarn ausgeliefert und in Familien gibt es bekanntlich auch öfters Krach als in einer Koalition. Und spätestens wenn einmal wieder der Seeräuber vom Nachbarkrisenstaat mit seinen Freunden auf eine kleine Geiselnahme vorbeischaut, dann wünscht man sich insgeheim doch auch ein wenig politische Abhängigkeit wieder herbei. Dennoch gibt es bestimmt eine ganze Reihe Menschen, denen man diese Immobilien zu gesalzenen Preisen aufschwatzen kann, ob als Wochenend-Domizil oder zur gepflegten Kapitalflucht. Insofern schon einmal eine Gratulation an Herrn Thiel!

Fünfmeilenzone für Zuhause

fivemiles - Bereits einige Start-ups haben sich schon mit dem Thema "Nachbarschaft" beschäftigt, so richtig groß geworden ist noch keines. fivemiles, eine US-Android-App versucht das Ganze von der Kleinanzeigenecke her aufzuziehen und hat dabei eine schöne kleine Neuerung eingeführt. Die Sache funktioniert im Grunde ganz einfach: Man schleppt mit seinem Smartphone ständig eine Fünfmeilenzone mit sich herum und wenn jemand innerhalb dieser Zone eine Nachricht postet, erhält man sie. Der Effekt ist, dass man stets über seine Nachbarschaft informiert ist und als erster Bescheid bekommt, wenn ein Garagenflohmarkt stattfindet, wenn eine Katze entlaufen ist oder wo gerade wieder eine muntere Plünderung im Gange ist. Eine kleine zusätzliche Neuerung hat fivemiles zudem auch noch auf Lager: Alle Nachrichten bleiben nur 24 Stunden im Netzwerk, danach verlöschen sie. So bleiben die Inhalte stets aktuell und die persönliche digitale Sichtbarkeit wird auf ein Minimum reduziert.
Potential: fivemiles agiert in einem Themenbereich, der sich noch weitaus stärker entwickeln wird, die Rede ist vom "Geofencing". Dieses Wort bezeichnet Dienste und Ereignisse, die sich in einem festgelegten Areal abspielen - kein Problem mit GPS-Smartphones. Der Nachteil an dieser App ist freilich, dass man sie sich erst aufs Handy installieren muss. Und wenn man sich die Halbwertzeiten der Batterieleistung von Smartphones anschaut, geht man sparsam mit Apps um. Besser wäre es sicherlich gewesen, sich auf ein Social Network aufzuklinken, das es bereits gibt.
Gerade macht übrigens auch eine deutsche Android-App namens "Locale" im GPS-Bereich von sich reden, mit deren Hilfe der Benutzer standort-abhängige Ereignisse definieren kann. Allerdings hat bisher noch kein Killerservice diesen Sektor aufgemischt - es wird Zeit und jetzt sind Sie dran!

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