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26.08.11

Start-ups international

Heute inspizieren wir: codecademy (US), member.ly (US), livefyre (US)

"Verpasse ich gerade den nächsten Start-up-Trend?" - Eine berechtigte Frage, so schnell wie sich die Gründer-Welt dreht. Doch jeden Freitag halten wir sie für einen kurzen Moment an und betrachten uns drei Start-ups, die sich ein wenig von den anderen abheben und deren Nase Richtung Zukunft zeigt. Viel Vergnügen!

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hello world

codecademy.com - Wer die Schule hinter sich lässt, dem passiert es unter Umständen, dass er auf einmal merkt, dass lernen auch Spaß machen kann. Jeder, der sich schon einmal stundenlang durch Wikipedia-Querverweise gehangelt hat, weiß vielleicht, wovon hier die Rede ist. Die US-amerikanische codecademy hat sich genau diesem freiwilligen Lernen verschrieben, denn auf der kleinen Webplattform kann man seine ersten Schritte Richtung "Geek" gehen, in dem man lernt JavaScript - zumindest im Ansatz - zu coden. Wer die Seite besucht, wird recht schnell feststellen, wie gut es den Gründern gelungen ist, Möchtegern-Geeks in den Bann zu ziehen. Einfache und schnelle Erfolge im Codefeld werden mit Punkten und Badges belohnt. Nach den zwei ersten Lektionen kommt die Empfehlung, sich doch zu registrieren, doch dann ist es eh schon zu spät und man möchte das Ding durchziehen. Im Grunde bestehen die einzelnen Lernabschnitte nur aus Text und einer gewissen Überprüfung des Lern-Ergebnisses. "Das kann man doch fast selber machen!", mögen da manche unken und genau das hat sich auch codeacademy gedacht und bietet den Usern an, selbst zum Lehrer zu werden und (wahrscheinlich kostenpflichtige) Kurse zu ihren Lieblingsthemen aufzusetzen.
Potential: Das Start-up ist erst ganz frisch im US-Inkubator Y-Combinator geschlüpft, doch obwohl es noch recht grün hinter den Ohren sein sollte, hat es schon 250.000 registrierte Besucher zu verzeichnen - nicht schlecht! Doch woher rührt der Erfolg? Nicht die Informatiker besuchen diese Seite - die können das schon. Nein, es sind Leute, die sich fragen, was eigentlich diese ganzen Zahlen, Variablen, Klammern und Gänsefüßchen im Quellcode zu bedeuten haben. Viele Webdesigner etwa kopieren JavaScripte in ihren Code und wissen nichts damit anzufangen, außer an entsprechender Stelle die Werte, Pfade und Inhalte zu ändern. Aber was der Rest bedeutet, bleibt ihnen oft verschlossen. Wer hier einmal die Syntax einer geläufigen Programmiersprache verstanden hat, der wird sich auch schnell in andere Codes hineinfinden können. Die Fragen, die sich Gründer an dieser Stelle stellen sollten sind erstens: Kann man auch für andere Themen einen ähnlich einfachen Einstieg finden und User zum nachhaltigen Lernen animieren? Und welche Möglichkeiten bieten sich an, mit diesem Format auch noch Geld zu verdienen?

Die Aboisierung des E-Commerce

member.ly - Wer regelmäßiger Leser dieser Artikelreihe ist, der wird schon einige Spielarten des E-Commerce kennengelernt haben, die zwar auch nichts anderes zum Ziel haben, als Dinge im Internet zu verkaufen - die sich aber dazu Formate ausgesucht haben, die das ganze Thema wieder unglaublich spannend machen. Ein weiteres Beispiel aus dieser Reihe finden wir hier im US-Start-up memberly. memberly ist, um es kurz zu machen, ein Marktplatz für Abos. Und wir werden erstaunt sein, was man hier nicht alles abonnieren kann; Bücher, Tee, Unterwäsche, Rasenmähen - hier findet man einfach alles, was einer gewissen Periodik unterworfen ist - Dienstleistungen wie Produkte. memberly bietet interessierten Anbietern eine grundanständige Software, mit deren Hilfe man im Handumdrehen einen kleinen Abo-Shop auf der Seite erstellen kann. Und diese Shops sind tödlich einfach gehalten und genau auf die schnelle Kaufentscheidung des Kunden abgestimmt. Man wählt das Produkt - danach wählt man, über welchen Zeitraum man es beziehen möchte - fertig. Geld verdient memberly -ähnlich wie der Bastel-Marktplatz dawanda - mit einer geringen Marge.
Potential: Besonders im Geschenkebereich dürfte sich auf der Plattform einiges abspielen. Stellen Sie sich vor, Sie bekämen zum Geburtstag nicht einfach nur einen Kuchen geschenkt, sondern ein Abo für viele Kuchen. Alle paar Wochen dürfen Sie sich dann noch einmal an Ihren Geburtstag erinnern, indem Sie einen anderen schmackhaften Kuchen zugeschickt bekommen. Doch nicht nur im Geschenkebereich - auch bei regelmäßigen Tätigkeiten wie Hundesitting, Heckenschneiden, Autowaschen können Sie nun Mühe und Geld sparen, indem Sie Service-Pakete weit im Voraus buchen. Das bringt einen neuen Faktor mit ins E-Commerce, nämlich die Zeit und die Planbarkeit. Wenn Lieferanten wissen, dass ihr Auftragsbuch das nächste halbe Jahr voll ist, dann brauchen Sie keine Zeit und Mühe in Akquise stecken - und können dem entsprechend Rabatte auf längerfristige Abonnements geben. Denken Sie einmal über die Möglichkeiten nach, liebe Gründer und konzipieren Sie ein Start-up daraus.

Live is live

livefyre.com - Rund um Social Media tummeln sich seit über einem Jahr jede Menge Mehrwertdienste, die uns nach und nach erst den Nutzen und die Möglichkeiten der großen sozialen Vernetzung offenbaren. Den Service, den livefyre anbietet, könnte man vielleicht als eine Art Live-Kommentarsystem beschreiben. Viele kennen eventuell die TV-Kommentare von Fans und Fußballern nach dem Spiel oder in der Halbzeitpause - genauso funktioniert livefyre, nur eben im Internet und nicht nur in der Halbzeit. Neben direkten Kommentaren werden hier relevante Social-Media-Streams aggregiert, die Bezug auf das jeweilige Thema nehmen. Moderatoren, die sich vom Restpublikum optisch absetzen sollen, sind farbig markiert. Kommentare können bewertet werden und der Kommentar-Stream kann auch durch entsprechendes Tagging wieder in die Social-Media-Kanäle zurücklaufen. Besonders Inhalte, die Fans auf sich ziehen, wie etwa Fernsehshows, Sportveranstaltungen, Filme, Celebreties können durch so einen livefyre-Stream eine extreme Dynamik erfahren.
Potential: Unter Bloglesern gelten Kommentare insgeheim als einiges interessanter als die Artikel selbst - kann man doch hier seine eigene Meinung einordnen, Polaritäten erahnen und auch versuchen seine eigene Meinung geltend zu machen. Ob nun ungeprüfte Kommentare zumindest in dieser Weise in Deutschland möglich wären, mag man vom rechtlichen Standpunkt her erst einmal anzweifeln. Dennoch offenbart sich das Potential dieses Dienstes allein dadurch, dass man einen Blick auf Diskussionen auf Kicker.de, Spiegel oder auf Youtube verfolgt, die zur Zeit erst nach Ereignissen oder Meldungen erwachsen. Eine Nachricht ist heute nicht mehr nur eine Nachricht. Sie will heute bewertet, diskutiert und verbreitet werden und das am besten so schnell wie möglich, denn wer weiß, was in einer Stunde so alles interessant ist.

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