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07.10.11

Start-ups international

Heute im Programm: houdiniapi, blippar, lockboxer

Nicht nur von Start-ups, die alles perfekt gemacht haben, kann ein aufmerksamer Gründer lernen, sondern auch von denen, die Fehleinschätzungen unterliegen. Denn ohne die Gründerkrankheit Fehleinschätzung würden viele Innovationen, die Ihrer Zeit voraus sind, schlicht nicht das Licht der Welt erblicken. Heute betrachten wir uns drei Ideen aus dem Ausland, die sich mit den Themen Inventarisierung, Augmented Reality und Schnittstellen beschäftigen.

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Schnittstelle Mensch

houdiniapi.com - Das Outsourcing über das Web wird bereits fleißig betrieben, doch oft wird es nur von Spezialisten betrieben - Callcenter in Indien oder Programmiertalente aus der Ukraine sind wohl die bekanntesten Beispiele. Doch gerade da, wo repetitive Aufgaben den Arbeitsalltag grau färben - etwa beim Abtippen und Einfüllen von Daten, stundenlangen Kopieren-und-Einfügen-Sessions oder bei eintöniger Fehlersuche - da scheuen wir uns immer noch, diese an geeignetes Personal auszulagern. Wer Chef ist und den Stundenlohn seines hochqualifizierten Personals auf die unqualifizierten Aufgaben, die diese zu bewältigen haben, hochrechnet, der wird schnell das Budget für Outsourcing und die entsprechenden Einsparmöglichkeiten ausfindig machen.

Doch was hindert uns daran, überhaupt solche Dienste in Anspruch zu nehmen? Einerseits sind es Vorbehalte gegenüber ungeschultem Personal, andererseits aber die mangelnde Praktikabilität und Implementierung solcher Auslagerungen. Die HoudiniApi aus den USA liefert uns genau diese Schnittstelle, denn sie erlaubt es einen Online-Arbeitsmarkt nicht nur anzuzapfen, sondern auch Arbeitsprozesse softwareseitig zu koordinieren. In der Praxis sieht das so aus: Auf Amazons Mikroarbeitsmarkt 'Mechanical Turk' werden kleine unqualifizierte Arbeiten gehandelt. Mit der HoudiniApp stellt man ein Jobangebot auf den Marktplatz und sobald Personal gefunden ist, wird dieses auf eine Oberfläche weitergeleitet, die es erlaubt, die passende Aufgabe zu erledigen und die erarbeiteten Daten an das Unternehmen weiterzuleiten. Für folgende Prozesse bietet die Schnittstelle Oberflächen an: Contentüberwachung, Kategorisieren und Taggen, Textkorrektur, OCR-Scans, Recherche und Online-Anzeigenoptimierung.

Potential: So gut und clever manche Lösungen im Web sind - sie müssen auch vom Gros der Zielgruppe verstanden werden und leicht einsetzbar sein. Gerade das Thema Outsourcing bleibt durch Mangel an geeigneten Prozessen oft nur eine Idee. Der Ansatz dieses Start-ups war es zu beobachten, wo noch Lücken zwischen einem Angebot und seiner Praktikabilität klaffen und diese dann zu füllen. Kennen Sie Dienste im Web, die zwar tolle Dienstleistungen bereithalten, die aber von vielen Menschen noch als zu komplex betrachtet werden, oder die keine gute Anbindung an bestehende Prozesse bieten? Dann machen Sie ein Start-up draus!

Online-Werbung in der Zeitung?

blippar.com - Augmentetd Reality (kurz: AR) ist eine hübsche Spielerei, doch beim Konsumenten kam diese Technologie noch nicht so recht an. Kurz zur Erläuterung - mit einem Blick durch die Smartphone- oder Tablet-Kamera erschließen sich dem Betrachter neue Informationsebenen. Man schaut sich etwa das Brandenburger Tor durchs Smartphone an und per Knopfdruck werden Informationen oder Bilder von Umbauten über das tatsächliche Bild gelegt. Nun versucht sich das britische Start-up blippar an einer Herangehensweise, die den Konsumenten näher an die Technologie heranführt. Auf einigen britischen Printanzeigen entdeckt man neuerdings ein Handysymbol, was darauf hinweist, dass diese Anzeige mit der blippar-App betrachtet werden soll. Tut man das, so erscheinen über dem Inserat nun Buttons und leuchtende Störer mit Sonderangeboten und Exklusiv-Downloads. Es geht alles in allem darum, Offline-Anzeigen mit dem Web zu vernetzen und das möglichst simpel.

Potential: Wer ein Smartphone besitzt, der weiß, dass man nur einen minimalen Bruchteil der installierten Apps tatsächlich auch nutzt. Entgegen aller Erwartungen rennen wir noch nicht mit eingeschalteten Smartphones durch den Supermarkt und scannen Barcodes, sobald wir sie sehen. Wir spielen auch noch keine Augmentetd Reality-Spiele, die voraussetzen, dass wir quasi mit dem Handy als Brille durch unsere Städte laufen. Apps wie blippar verlangen einen digital motivierten Menschen, der effizient an seine Vorteile glaubt und all das tut, für das ein Marketing-Manager ein gutes Argument hat. Doch die Realität sieht so aus, dass wir oft einfach zu faul sind das Handy herauszuholen und Anzeigen, die uns offline nicht interessieren und uns erst recht nicht online kitzeln, zu scannen. Dennoch - irgendwann, wenn im jedem Haushalt ein Tablet herum liegt, dann stehen die Chancen für einen massiven AR-Einsatz besser. Bis dahin - entwickeln Sie Apps, die wir unbedingt brauchen und ohne die wir nicht mehr leben wollen!

10.000 Dinge, die ich an Dir mag

Lockboxer.com - Dieses US-Start-up ist voller guter Ideen und Absichten. Schauen wir ob das reicht, um ein guter Service zu werden. Die Grundfunktion, die uns lockboxer bietet, ist eine Art iTunes für den Haushalt. Man erfasst all sein Hab und Gut, inventarisiert es und erstellt Listen, von den Dingen, die man gerne noch hätte. Ähnlich wie bei Apples Mediensortierung, kann man nun die Gegenstände verwalten, - den aktuellen Wert herausfinden, Dinge mit einem Klick auf E-Bay verkaufen oder Gegenstände, die nicht mehr benötigt werden, an die nächste Spendenstelle vermitteln. 40 Dinge darf der User gratis verwalten, alles darüber hinaus muss mit dem Premium-Account für nur 1,98 Dollar verwaltet werden.

Potential: Es gibt sie tatsächlich, die Menschen die all ihre Dinge inventarisieren, sortieren und kontrollieren. Es sind gewiss nicht so viele, dass man sie als eine appetitliche Zielgruppe bezeichnen mag, aber es gibt sie. Man kann wirklich Tage an seinem iTunes verbringen und Songlisten erstellen oder Lieder richtig benennen. Meist macht man das, wenn man sich vor unangenehmen Aufgaben drücken möchte. Einige Experimantal-Minimalisten versuchen gar mit nur 100 Besitztümern zurecht zu kommen. Im Schnitt allerdings, so hat jemand einmal festgestellt, besitzen wir so um die 10.000 Gegenstände - eine eifrige Aufgabe für einen konsequenten lockboxer-Nutzer. Die Grundidee, Gegenstände zu verwalten ist gar nicht so unclever - nur sollte ein gewisser Fokus auf dem Inventar liegen. Etwa Plattensammlungen - die man nun einfach erweitern oder verkaufen kann - Dinge, die für uns einen besonderen Wert besitzen.Zum einen muss die Motivation stimmen, den Service auch konsequent zu nutzen, andererseits muss ein klarer Nutzen herauskommen. Ein anderer interessanter Fokus wäre Computertechnik - man inventarisiert seine Bauteile und wird auf dem Laufenden gehalten, welche Verbesserungen gerade auf dem Markt sind, wieviel sie kosten, welche neuen Treiber verfügbar sind, verwaltet Garantien etc. Wer hier wie lockboxer zuviel auf einmal will, wird am Ende mit leeren Händen dastehen.

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