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10.12.18

Eröffnung einer Spielothek

Der Weg zur Selbstständigkeit in der Glücksspielbranche

Wer sich selbstständig machen möchte, hat in der Regel eine ganze Welt voller Möglichkeiten vor sich. Gerade innovative Ideen mit tragfähigem Konzept lassen sich mit der richtigen Organisation in ein zukunftsträchtiges Unternehmen umsetzen. Doch auch herkömmlichen Geschäftsideen lassen sich neu denken, um somit den Markt zu bereichern. Ein gutes Beispiel stellt hierbei die Spielothek dar. Was auf den ersten Blick wegen der vielen Regelungen eher abschreckend klingt, kann jedoch durchaus interessant werden, wenn man sich ein Alleinstellungsmerkmal herausarbeitet. Doch was muss bei der Eröffnung einer Spielothek grundsätzlich beachtet werden?

Bildquellen: @ Bru-NO (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Zuerst rechtliche Grundlagen checken

Wie bei vielen anderen Tätigkeiten auch, ist vor der Eröffnung einer Spielothek wichtig, zu prüfen, welche rechtlichen Grundlagen bestehen. Zum Einen ist die Spielothek natürlich ein Gewerbe, welches angemeldet werden muss. Zum Anderen unterliegt diese Anmeldung bereits der Handhabung des jeweiligen Bundeslands und inkludiert die Vorschriften aus dem Glücksspielstaatsvertrag. Es ist praktisch nicht möglich zu sagen, man habe eine nette Örtlichkeit gefunden und eröffnet eine Spielothek. Und was ist wichtig? Im Überblick:

  • Konzession - um eine Spielothek eröffnen zu können, müssen Selbstständige eine Konzession beantragen, da es sich um eine erlaubnispflichtige Tätigkeit handelt. Gründer müssen etliche Auflagen erfüllen. Dazu gehören der Nachweis über die eigene Zuverlässigkeit, entsprechende Räumlichkeiten, Beweise, dass Jugendliche und Kinder geschützt werden, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des zuständigen Finanzamtes, einen Gewerbezentralregisterauszug, Führungszeugnis sowie eine Bescheinigung, dass der Gründer nicht in einer Schuldnerkartei gelistet ist.
  • Sachkundenachweis - auch dieser ist vorzulegen und davor natürlich abzulegen. Der Sachkundenachweis befasst sich unter anderem mit der Vermeidung von Spielsucht und Vorsichtsmaßnahmen. Der Kurs ist kostenpflichtig und wird oft auch von weiteren Mitarbeitern gefordert.
  • Örtlichkeit - Spielhallen können nicht überall geöffnet werden. So gelten beispielsweise die Regelungen, dass das Lokal sich nicht innerhalb eines Umkreises von 350 Metern zu Schulen, Kindergärten und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche befinden darf. Auch zu anderen Glücksspielangeboten muss ein Abstand von 350 Metern gehalten werden. Wie streng dies gesehen wird, hängt von der jeweiligen Stadt ab.

Um die Erlaubnis zu erhalten, ist es schon notwendig, sagen zu können, welche Spiele in der Spielothek angeboten werden. Sind es reine Automatenspiele oder kommen auch Roulette und Kartenspiele mit ins Programm? Sollen eventuell sogar ganz moderne Ansätze in der Unterhaltungselektronik gewählt werden? Gleichfalls muss der Inhaber nicht nur die Stadt von sich überzeugen, sondern zuerst einen Vertragspartner im Automatenverleih finden. Je nach Marke und Gesellschaft wählen sie ihre Kundschaft genau aus. Alternativ können die Automaten freilich gekauft werden.

Ein Businessplan ist unverzichtbar

Da es sich beim Spielhallenbetrieb nicht um Tätigkeiten handelt, bei denen kaum Gerätschaften benötigt werden, ist ein Businessplan unverzichtbar. Die wenigsten Gründer haben die notwendigen finanziellen Mittel um alle Anschaffungen allein zu regeln, stattdessen benötigen sie einen Kredit. Aber auf was kommt es im Plan an?

Kostenpunkte:

  • Gründungskosten - dieser Punkt umfasst alle Kosten, die direkt mit der Gründung im Zusammenhang stehen: Notarkosten, Beschaffungskosten für Unterlagen, Anträge, Nachweise und Seminare.
  • Umbau - häufig müssen Umbaumaßnahmen in den Räumlichkeiten vorgenommen werden. Diese müssen auch in den Kosten aufgeführt werden.
  • Ausstattung - das sind all die Kosten, die zur Ausstattung der Spielhalle gehören.
  • Laufende Kosten - welche Kosten werden monatlich für Heizung, Strom, Gehälter etc. fällig.
  • Sonstiges - Versicherungen aller Art, Steuern inklusive Vergnügungssteuer, Mitgliedschaften.

Finanzielle Bestände:

  • Eigenkapital - wie viel Geld ist aus eigenen Mitteln vorhanden?
  • Bestehendes Fremdkapital - wurden bereits Gelder geliehen oder Darlehen aufgenommen?

Zusätzlich müssen in den Plan Zieldefinitionen eingebracht werden. Um einen korrekten und ansprechenden Businessplan zu erstellen, sollten sich angehende Spielhallenbetreiber fachmännische Hilfe holen. Hier ist es wichtig, dass sich diese Person auf dem Glücksspielmarkt auskennt, denn durch das genehmigungspflichtige Gewerbe und besondere Verbote können Gelder häufig nicht auf allen Wegen eingeholt werden und die Zielsetzung verändert sich. Warum? Nun, während Bar- oder Restaurantbesitzer mit besonderen Highlights werben können und somit die Kundschaft vergrößern, dürfen Spielhallenbetreiber keine Werbetafeln mit Sonderaktionen aufstellen. Zusätzlich ist es auch wichtig, die Konkurrenzsituation im Blick zu behalten. Gerade Online-Anbieter werden hier immer aktiver, wie ein Bericht über die besten Spielhallen im Test zeigt. Hier sollten Gründer überlegen, wie sie eigene Vorteile herausstellen, um der Konkurrenz gewachsen zu sein.

Was ist sonst noch zu beachten?

Spielhallen kombinieren in der Regel zumindest ein kleines Restaurant oder eine Bar mit den Spielmöglichkeiten. Diesbezüglich müssen Spielhallenbetreiber freilich die gängigen Vorschriften der Gastronomie und Schankbetriebe beachten. Zusätzlich gilt:

  • Jugendschutz - Spielhallenbetreiber haben sicherzustellen, dass Minderjährige nicht die Räumlichkeiten betreten. Viele Städte kontrollieren die Spielotheken regelmäßig, auch mit Testkunden. Wird ein Minderjähriger nicht aufgehalten, kann dies zu deftigen Strafen führen.
  • Spielerschutz - Spielhallenbetreiber verpflichten sich nach dem Glücksspielstaatsvertrag, sich aktiv um den Schutz des Spielers zu kümmern und ausreichende Maßnahmen zu ergreifen, Spielsucht zu verhindern und Betroffenen zu helfen.

Bezüglich des Spielerschutzes ist ein ordentliches Programm erforderlich. Die meisten Regionen schauen sich die Vorkehrungen genauer an und hier genügt es nicht, Material auszulegen und die Möglichkeit zu bieten, dass sich Spieler sperren lassen können. Betreiber müssen nachweisen, dass sie Suchtgefährdete erkennen und ihnen Hilfe zur Seite stellen. Auch ist absolut notwendig, dass Spielhallenbetreiber vorweisen können, dass sie Zugriff auf Sperrdateien haben. Viele Süchtigen lassen sich bundesland- oder landesweit sperren und Spielhallenbetreiber sind dazu aufgefordert, die entsprechenden Dateien einzusehen, wenn ein neuer Spieler ins Haus kommt.

Fazit - ein Gewerbe mit Verantwortung

Wer sich in einem der genehmigungspflichtigen Gewerbe ein Standbein aufbauen möchte, der muss vieles nachweisen und ebenso viel beachten. Denn in ihnen genügt es nicht, eine Örtlichkeit zu haben, ein Gewerbe anzumelden und Finanzpartner zu finden. In etlichen Bereichen ist die Sachlage zudem äußerst kompliziert, da zwar ein deutschlandweiter Glücksspielstaatsvertrag existiert, jedes Bundesland und teils jede Region jedoch gesonderte Regeln festlegt. Wer beispielsweise schon einmal in Hamburg eine Spielhalle betrieben hat, wird in NRW, Berlin oder München auf ganz andere Bedingungen und Vorgaben stoßen. Das gilt auch für die eigentliche Ausstellung der Genehmigung. Da einige Bundesländer aktuell durchgreifen und die 350-Meter-Regel durchsetzen, bleiben die Konzessionen oft nur den gut laufenden und etablierten Einrichtungen erhalten. In diesen Regionen kann es schwer sein, überhaupt eine Erlaubnis zu bekommen, da neue Spielhallen zu Beginn kaum Einnahmen bringen und somit für die Region »unwichtig« sind.

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