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24.03.11

Wie Macher ihren Weg finden – Teil I

Ein Laden zum Einladen: Die Story von amiando.de

Von einer fixen Geschäftsidee zum erfolgreichen Unternehmen ist es ein langer Weg. In einer dreiteiligen Serie präsentieren wir Ihnen Start-ups Made in Germany, die diesen erfolgreich gegangen sind. Heute: Amiando. Von Carina Groh.

Das Amiando-Team ganz am AnfangDas Amiando-Team ganz am Anfang

Gegründet im Dezember 2006 mit der Idee, einen Kartenvorverkauf für Events in wenigen Minuten online einzurichten. Dabei übernimmt amiando die gesamte Abwicklung einschließlich Abrechnung und Versand. Die Gründer: Felix Haas, Dennis von Ferenczy, Sebastian Bärhold, Armin Bauer, Marc P. Bernegger, Markus Eichinger. Der Weg beginnt mit einer Riesenparty: Zur Fußball-WM planen die Universitätsabsolventen eine Feier für 300-400 Leute. "Wir hatten das Problem: Wie organisiert man das?", erinnert sich Gründer Felix Haas. "Sollen wir die Einladungen per Post verschicken? Zu aufwändig. Die Gäste einzeln anrufen? Zu unübersichtlich."

Die Jungs können programmieren, bauen eine Website mit Infos zu ihrer Feier auf und verschicken den Link. "Uns war schnell klar, dass wir da auf eine Marktlücke gestoßen sind", sagt Dennis von Ferenczy. Per Mausklick können die Gäste zu- oder absagen und in einem Forum aushandeln, wer das Bier kaltstellt oder Knabberzeug mitbringt. amiando.de ist geboren und nach sechs Monaten Entwicklung geht die Plattform im Dezember 2006 an den Start. Übrigens: Dem Sprichwort zum Trotz, verderben sich die Jungs gegenseitig nicht den Brei. "Ganz im Gegenteil", findet von Ferenczy. "So leisten wir vieles aus eigener Kraft, was für ein kleineres Team ohne externe Hilfe undenkbar wäre." Und: "Es ist wichtig, von Anfang an klare Zuständigkeitsbereiche zu definieren, mit denen alle glücklich sind."

Die Seite stößt an ihre Grenzen

Nach wenigen Wochen fragen Organisatoren der next conference in Hamburg, eine der führenden Konferenzen zum Thema Internet und Medien, an, ob man die Veranstaltung nicht auch mit amiando managen könnte. Das Problem: Zu dieser Zeit lässt sich zwar eine Seite mit Antwortformular erstellen, um einzuladen und Zu- und Absagen zu verwalten. Aber es existiert keine Möglichkeit, Eintrittskarten abzurechnen. Es muss also wieder getüftelt werden! "Nur gut, dass wir mit einem starken technischen Know-how an den Start gegangen sind", sagt von Ferenczy. Die Entwicklungskosten lassen sich in der Startphase so auf ein Minimum reduzieren.

Als trotzdem irgendwann die Ersparnisse zuneige gehen und externes Kapital benötigt wird, um das schnelle Firmenwachstum stemmen zu können, kontaktieren die Gründer mehrere Online-Größen, um für ihre Idee zu werben. Innerhalb eines Monats sind finanzkräftige Investoren mit an Bord. Unter anderem die Gründer von StudiVZ (Ehssan Dariani & Michael Brehm), Spreadshirt (Lukasz Gadowski & Kolja Hebenstreit) und LastFM (Stefan Glänzer). Leute also, die etwas davon verstehen, welche Ideen eine Chance haben im Web 2.0. Dann folgt "virales Marketing": Wie ein Virus verbreitet sich die Nachricht von amiando über Blogs und Netzwerke im Internet. Schon drei Monate nach der Gründung stehen 4.500 Events online – Firmen organisieren Seminare, Konzertveranstalter managen kleine Festivals.

Mehr Events bedeuten natürlich auch eine höhere Belastung der Server. Von Anfang an ist daher die Skalierbarkeit eines der wichtigsten Themen. Von Ferenczy: "Wenn ein beliebtes Event innerhalb von Minuten ausverkauft wird, ist ausreichende Performance entscheidend."

Kleinvieh macht auch Mist

Ob Messe oder Kegelturnier: Im Juni ist es soweit und die Kunden können über das Portal auch Eintrittskarten für ihre Veranstaltung verkaufen, die als E-Ticket verschickt werden. Zum ersten Mal machen die Gründer Umsatz. Das verdanken sie dem ökonomischen Prinzip des "Long Tail". "Das bedeutet: Auch wenn ein Veranstalter nur ein Ticket verkauft, haben wir an ihm verdient: Wir bekommen sechs Prozent des Eintrittspreises zuzüglich 1 Euro. Deswegen eignet sich amiando für Events jeder Art und Größe."

Noch im Gründungsjahr expandiert die Firma in die europäischen Nachbarländer und bietet ihren Service ab sofort auch in englischer und französischer Sprache an. Auch in Spanien, den USA und Lateinamerika werden die Macher aktiv. Durch die Kooperation mit PayPal ist die Zahlungsabwicklung für den Kartenvorverkauf überall auf der Welt möglich. Im Oktober gibt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in München zusammen mit dem amiando Team den Startschuss für "Facebook Connect" in Europa. Mit einem Klick können User über amiando ein Event an ihre Netzwerk-Freunde empfehlen und damit auf einen Schlag tausende von Menschen erreichen. Amiando erweitert und verbessert ständig das Produktportfolio. "Wir haben mehrere Feedback-Prozesse eingeführt, die es uns ermöglichen, Wünsche von Kunden rasch in die Entwicklung einfließen zu lassen", erzählt Haas.

Läuft wie geschmiert

Für seine innovativen Produkte wurde amiando mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Unter anderem prämierte das World Economic Forum im Januar 2010 amiando als einziges deutsches Unternehmen als "Technology Pioneer 2010". Diese Auszeichnung wird an die weltweit innovativsten Firmen verliehen, die das Potential haben, mit ihren Produkten eine nachhaltig positive Auswirkung auf die Gesellschaft zu haben. Amiando wird von den renommierten Venture Capital-Gesellschaften Wellington Partners, AdInvest und einem Netzwerk internationaler Business Angels unterstützt.

Das erste Halbjahr 2009 wird das erfolgreichste in der Firmengeschichte

Über 200 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr. Entgegen Branchentrends können die Firmenchefs den Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr verdreifachen. amiando betreut weltweit Events in über 200 Städten. "Wir erzielen mehr als 55 Prozent unseres Umsatzes außerhalb der deutschsprachigen Region", sagt Haas. Mittlerweile sind mehr als 100.000 Events über die Plattform abgewickelt worden. Täglich mehrere Hundert Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Das Auslandsgeschäft wird überwiegend aus dem Hauptquartier in München organisiert. Felix Haas setzt auf Muttersprachler. "Das funktioniert sehr gut und warum sollten wir also zusätzliche Kosten mit mehreren Büros auf uns nehmen?" Die Länderbetreuer sind regelmäßig in ihren Ländern unterwegs und treffen vor Ort die wichtigsten Kunden und Partner. Eine Ausnahme ist die Schweiz, wo wir mit Marc einen Gründer direkt vor Ort in Zürich haben."

XING trifft amiando – Ein großartiges Event

Kurz vor Weihnachten 2010 findet das deutsche Online-Kontaktnetz Xing Verwendung für einen Teil seiner Barreserven und übernimmt Amiando für 10,35 Millionen Euro. Das Management-Team von Amiando soll im Amt bleiben, Marke und Seite weiterhin eigenständig auftreten. Außerdem werden die momentan 35 Mitarbeiter alle von Xing übernommen. "Wir erschließen uns damit einen sehr attraktiven und schnell wachsenden Markt", sagt Stefan Groß-Selbeck, Vorstandschef von Xing. amiando-Mitgründer Haas sieht ebenfalls Synergieeffekte: "Die Reichweite der Xing-Plattform vereint mit der Technologie und Marktposition von amiando im Segment der Business-Veranstaltungen, stellen die perfekte Kombination dar, um den Xing-Mitgliedern zeitnah neue und relevante Mehrwerte zu liefern – und als gemeinsames Team dieses Business systematisch schnell weiter auszubauen."

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