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25.01.11

Analyse

"Der deutsche VC-Sektor ist nicht groß, aber dafür in einem hervorragenden Zustand."

Drei der größten deutschen Venture Capital-Unternehmen – Earlybird, Target Partners und Wellington Partners – haben aktuelle Daten der "Private Equity Analyzer Online Database" des unabhängigen Münchener Private Equity Research Instituts CEPRES analysiert. Die Analyse des deutschen und internationalen VC-Sektors zeigt: die deutsche VC-Szene ist besser als ihr Ruf, Potenziale werden aber noch längst nicht ausgeschöpft. Vor allem fehlt es an Kapital.

Earlybird, Target Partners und Wellington Partners haben 496 VC-Investitionen in Deutschland sowie Profile von 6940 VC-Investitionen in den USA analysiert. Das Ergebnis: VC-Investitionen, die zwischen 1998 und 2010 in Deutschland getätigt wurden, haben einen durchschnittlichen Bruttoertrag von 11,4 Prozent erwirtschaftet. Im gleichen Zeitraum haben US-Investitionen hingegen durchschnittlich nur 7,7 Prozent generiert. "Im Gegensatz zur landläufigen Meinung hat sich Deutschland in den vergangenen zwölf Jahren als ein vielversprechender Standort für erfolgreiche VC-Investitionen erwiesen – auch im Vergleich zu den USA", so Rolf Dienst, General Partner bei Wellington. "Der deutsche VC-Sektor ist nicht groß, aber dafür in einem hervorragenden Zustand."

Der deutsche VC Sektor ist ein Zukunftsmarkt

Ein Eindruck, der sich offenbar auf dem ersten "Deutschen Venture Capital Tag" – der am 20. Januar in München stattfand und von Earlybird, Target Partners und Wellington Partners initiiert wurde – bestätigte: "Investoren aus aller Welt sehen Deutschland nach wie vor als das Land der Erfinder und Technologieführer. Eine erstarkte VC-Kultur und die richtige Förderung des Unternehmertums können dabei helfen, noch mehr Innovationen und Neugründungen entstehen zu lassen", erklärt Kurt Müller, Partner von Target Partners. Die rund 70 Gäste aus Ländern wie Frankreich, Großbritannien und den USA sähen im deutschen VC-Sektor einen Zukunftsmarkt – nicht zuletzt aufgrund der überdurchschnittlichen Portfolioentwicklung, der exzellenten Wachstumsprognosen, der Wiederbelebung des M&A-Marktes sowie der allgemeinen Stabilität der Kapitalmärkte.

Ein weiterer Grund für die Attraktivität des deutschen Marktes sei ein deutliches Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Der Grund: Nachdem im Jahr 2000 die Dotcom-Blase geplatzt war, musste sich der deutsche VC-Markt einer heftigen Konsolidierung unterziehen. Zwischen 1999 und 2009 schrumpfte die Zahl der in Deutschland anlegenden Fonds von 125 auf weniger als 30. Das entspricht einem Minus von 77 Prozent. Zum Vergleich: In den USA verringerte sich die Anzahl der Fonds im selben Zeitraum lediglich um 15 Prozent. "Dadurch ist Deutschland aber nun zu einem der weltweit attraktivsten Märkte für VC-Investments geworden", erklärt Hendrik Brandis, Managing Partner von Earlybird. Die verbleibenden Fonds fänden hierzulande hervorragende Bedingungen vor. "Sie können sich die Rosinen herauspicken."

Wachstum braucht gute Ideen – und Kapital

Der deutsche VC-Markt scheint recht übersichtlich und gemütlich. Um eine wirkliche volkswirtschaftliche Dimension zu erhalten und die Potentiale besser auszuschöpfen, muss sich einiges tun. Sprich: Es muss mehr Geld ins Spiel. Im kapitalstarken amerikanischen VC-Markt beispielsweise führen 7,8 Prozent der angemeldeten Patente zur Gründung eines Start-ups, in Deutschland sind es hingegen nur 2,7 Prozent. "Wir schöpfen das immense Potenzial der deutschen Innovationsfreude immer noch nicht aus", sagt Rolf Dienst, General Partner bei Wellington. Und das, obwohl die deutsche Forschung zu den besten der Welt gehöre und die deutsche Wissenschaftsförderung herausragend sei, so Kurt Müller.

Olaf Jacobi, Partner bei Target Partners, sieht vor allem auch die Gründer in der Pflicht: "Je interessanter ein Markt ist, desto mehr Kapital zieht dieser an. Es wurden in den letzten Jahren wirklich sehr spannende Start-ups finanziert. Für die Unternehmer und die VCs werden sich daraufhin auch erfolgreiche Exits ergeben. Diese Exits werden weitere internationale Kapitalgeber motivieren in deutsche VC-Fonds zu investieren." Gute Ideen ziehen frisches Kapital an, so das Credo. Doch auch an politischen Stellschrauben muss gedreht werden, damit der VC-Markt wächst, weiß Jacobi: "Es würden mehr internationale Kapitalgeber in deutsche VC-Fonds investieren, wenn die steuerliche Situation von deutschen VC-Fonds eindeutig gesetzlich geregelt wäre. Zwar sind bereits heute deutsche VC-Fonds in der Regel steuertransparent – jedoch nur auf Basis von Verwaltungsanweisungen und nicht auf Basis eines Gesetzes. Darunter leidet die Rechtssicherheit. Rechtsunsicherheit ist wachstumshemmend und somit auch nicht international wettbewerbsfähig. Wir erwarten, dass diese Situation geändert wird, durch Umsetzung der europäischen AIFM-Richtlininie."

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