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18.11.10

Rückblick

Das idealab im Rückspiegel - was man alles aus der Veranstaltung lernen konnte!

Das idealab an der WHU in Vallendar ist Ende Oktober fester Bestandteil vieler Gründer-Kalender. Auf der Veranstaltung lernten die Gründer dieses Jahr mehr über ihre Zweckfreunde, die Investoren und wie man sich rüstet, wenn man vor ihnen pitcht. Für alle, die dieses Jahr nicht dabei sein konnten, fasst unser Außenkorrespondent Andreas Pilz heute die Veranstaltung zusammen.

idealabidealab

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer Rede von Christian Vollmann, der kurzfristig für Oliver Samwer eingesprungen ist und diesen würdig vertreten hat. Kompakt verschaffte er der Zuhörerschaft einen Einblick in die verschiedensten Trends von Internet-Geschäftsmodellen. Hier einige Beispiele:

Groupon habe sehr schnell und ohne aufwändige Entwicklung Einnahmen generieren können und habe innerhalb von 18 Monaten 1 Mrd. Dollar Umsatz erreicht. Es wäre faktisch eine win-win-win Situation für Groupon, Händler und Kunden geschaffen worden und es sei gelungen, den Online- und Offlinebereich miteinander zu verknüpfen.

Als echter "Innovator" sei vor kurzem Kochhaus an den Start gegangen, die lokale Shops anböten, in denen verschiedene Gerichte an einzelnen Tischen stilvoll präsentiert werden. So könnten ganz übersichtlich die passenden Zutaten inklusive Rezept gekauft werden. Nach einem grandiosen Presseecho kämen sie mit der Eröffnung weiterer Läden nicht hinterher.

Jetzt wurde es denglisch: Wooga sei als "smart second mover" durch eine "strong execution" innerhalb kurzer Zeit in die Top 10 der "Social Games" Anbieter aufgestiegen.

Bei der Internationalisierung hat Vollmann unter anderem bei seinem Projekt eDarling einiges gelernt, bei dem in 9 Ländern innerhalb von 12 Monaten gestartet wurde. In Spanien werde zum Beispiel vom Nettogehalt pro Jahr gesprochen, während wir in Deutschland das Brutto-Monatsgehalt verwenden. Um diesen Stolpersteinen aus dem Weg zu gehen, empfiehlt er, für jedes Land Leute einzustellen, die zumindest ihre Ausbildung in diesem Land gemacht hätten.

Die Shopping-Clubs 52Weine.de und MySportsBrands haben das vorhandene Modell von Vente Privée und Brands4friends in eine Nische übertragen.

Professor Faltin fokussiert sich bei seiner Teekampagne auf ein einziges Produkt und ist damit der weltgrößte Importeur von Darjeeling weltweit. Er macht nur den Einkauf und Verkauf selbst und lagert alle anderen Tätigkeiten aus. Damit bietet er den besten Preis und einen großen Wert und erreicht somit eine hohe Kundenbindung.

Zum Abschluss seiner Rede ging Christian Vollmann auf das Thema Social Entrepreneurship ein und nannte als Beispiel dafür Quartiermeister, die mit dem Motto "Saufen für den Kiez" eine Biermarke anbieten, deren Gewinne in soziale Projekte in Berlin investiert werden.

Den Schlusspunkt setzte Christian Vollmann mit den Worten "Gründet und habt Spaß dabei!".

Innovationen aus Europa für die Welt

Nach dem Mittagessen startete die spannende Panel-Diskussion "From Europe in the World". Jens Begemann von Wooga startete mit einem "gesunden Maß naiver Selbstüberschätzung" in einen Markt mit mehr als 100 Playern und konnte sich innerhalb eines Jahres in den Top 10 platzieren. Er legt Wert darauf, daß er "kein deutsches Startup gegründet" hat sondern ein "internationales Startup mit Sitz in Berlin". Vom Start weg seien 8 Sprachen verfügbar gewesen, die jeweils von Muttersprachlern betreut wurden. In Skandinavien könne man seiner Erfahrung nach mit Englisch starten, wogegen es in Frankreich definitiv französisch sein müsse. KaufDa konzentriere sich zuerst auf den deutschen Markt, da das Modell stark mit den Offline Partnern verbunden sei. In einigen Monaten wolle man gemeinsam mit Retailern starten die international aktiv sind, wodurch dieser Schritt viel einfacher werde.

Bei der Standortfrage bezeichnete Christian Gaiser von KaufDa Deutschland als "ein Land voller Angsthasen" während Michael Backes von BV Capital von den "Cowboys" in den USA berichtete, die mit Geld um sich würfen. "In London pitchen die VCs bei den Startups". Doch auch in Europa schauten sich immer mehr VCs aus London in Berlin um, da es dort wenige Startups und viele VCs gäbe. Im Seedbereich sei es dennoch sehr schwierig an Geld zu kommen. Ein Tipp für angehende Gründer lautet "go into a startup to learn and then go into you startup to earn".

How to present my Venture?

Nach der Mittagspause ging es in den "Elevator-Pitch"-Workshop von Jörg Binnenbrücker. Er hat seit 2007 den VC Dumont Venture aufgebaut, der im Internetbereich unter anderem mit Beteiligungen an plista und simfy sehr aktiv ist.

In einem 90-sekündigen Elevator-Pitch sollten die relevanten Informationen so kompakt wie möglich präsentiert werden. In der Einleitung könne man kurz erklären, worum es ginge und welches Team hinter der Idee stehe. Anschließend müsse klar herüber gebracht werden, welches Problem gelöst werde und wie dringend der Bedarf dafür sei. Danach solle es an die Lösung des Problems gehen und der daraus resultierende Nutzen aufgezeigt werden. Im Abschluss solle der aktuelle Stand des Projekts folgen und Informationen darüber, was momentan benötigt werde.

Im Pitch solle man prägnant sein und eine klare Sprache verwenden. Die Begeisterung muss sich auf die Zuhörer übertragen und die Inhalte müssen glaubwürdig präsentiert werden. Auf Details solle man besser verzichten und die Sprache immer dem Adressaten anpassen, der einige Spezialbegriffe unter Umständen nicht kennt. Und nicht zuletzt reichten die Worte für den Pitch natürlich nicht aus, sondern es sollten stets eine Menge guter Antworten auf die Fragen der Investoren vorhanden sein. Bei der späteren Investorenpräsentation sei es genauso wichtig, noch einige Extra-Slides zu verschiedenen Details parat zu haben.

Mit von der Partie war auch Nachwuchsmarketeer Dominic Multerer. In seinem Workshop gab er den Teilnehmern frische Impulse und die Chance, in einem Dialog offene Social-Media-Fragen zu diskutieren. Damit hat der 18-Jährige innerhalb von 3 Wochen an den drei renommierten BWL-Hochschulen des Landes (WHU, EBS, Zeppelin University) referiert.

"Techies und BWLer - Die Suche nach einer gemeinsamen Sprache"

Zum Abschluss des ersten Tages schaffte es Thomas Bachem von United Prototype, den zahlreich vertretenen BWLern unter den Teilnehmern das Thema Entwicklung etwas näher zu bringen. Dabei ging er unter anderem auf die Vor- und Nachteile verschiedener Programmiersprachen ein und gab einige Tipps, worauf bei der Wahl der richtigen Entwickler zu achten sei.

Think BIG!

Tag 2 begann mit einem tollen Vortrag von Roberto Bonanzinga von Balderton Capital. Den Standort Berlin hält er durch die gute geografische Lage, relativ günstige Mieten und Arbeitskräfte sowie die Anbindung an renommierte Universitäten in Deutschland für ideal.

Copy Cat-Panel

Im darauf folgenden CopyCat Panel wurde unter anderem die Frage diskutiert, ob es CopyCats durch den vorhandenen "proof-of-concept" bei Investoren einfacher haben.

Für innovative Ideen solle man sich auf jeden Fall an Business Angels wenden, da diese durchaus auch einmal etwas mehr Risiko eingehen. VCs vertrauen dagegen eher auf bewährte Modelle. Laut Thomas Preuß sollte man bei der Wahl eines VCs sehr genau darauf achten, ob man mit diesem gut zusammen arbeiten kann, denn ein "Venture Capital Investment ist wie eine Ehe. Man hängt zusammen für 3-7 Jahre!"

Speed-Dating

Nach dem ausgebuchten Speed-Dating am Freitag waren auch am Samstag etwa 20 Gründer und genau so viele Investoren dabei. In jeweils 3 Minuten bekamen die Gründer die Chance eine Vielzahl an Business Angels und VCs von ihrem Konzept zu begeistern und wertvolles Feedback zu erhalten.

Klaus Hommels

Klaus Hommels, der unter anderem in Skype und facebook investiert hat, begeisterte mit einem humorvollen Vortrag voller Selbstironie. Seine Karriere begann er als Schüler mit dem Angebot seiner Oma 100.000 DM in Aktien zu investieren. Den Gewinn durfte er behalten, während seine Oma für Verluste aufgekommen wäre. Wer hat so eine Oma? Nachdem er die Summe innerhalb kurzer Zeit verdoppelt hatte, war sein Weg als Unternehmer vorbereitet. Die Bewertung von Unternehmen interessiert ihn nicht, da er bei einem Erfolg des Unternehmens auch mit geringfügig weniger Anteilen etwas erreiche und bei ihm bei einem Misserfolg auch der größte Anteil nichts nütze. Momentan beschäftige er sich unter anderem mit Shopping-Clubs, die er gemeinsam mit Partnern in vielen Ländern weltweit gestartet und erfolgreich umgesetzt habe. Dabei arbeite er jeweils mit bereits zuvor erfolgreichen Unternehmern zusammen, die sich vor Ort um den Aufbau der Shopping-Clubs kümmern.

Macht etwas aus der Zeit!

Einen grandiosen Abschluss bildete die Rede von Jan Büttner, ehemals Chef und Mitgründer von AOL Europe. Als wichtigen Tipp gab er den Gründern den Wert der eigenen Zeit mit. Jeder solle sich zuerst überlegen, was er im Leben erreichen will und dann entsprechend handeln. Für Unternehmer ist es immer besser, wenn sie eine Vision hätten und nicht nur von der puren Gier nach Geld angetrieben seien.

Doch auch ein VC müsse Lehrgeld bezahlen. Als Investor verpasse man eine Menge Gelegenheiten, in große Chancen zu investieren. Dabei rechnete er kurz vor, dass die Ausbildung eines VCs relativ teuer sei, wenn man die Projekte mit einrechnet, in die dieser nicht investiert habe.

Sein aktuell größtes Projekt sei Schloß Weißenhaus an der Ostsee. Nach dem Tipp eines Freundes aus alten Zeiten kaufte er das Schloß, in dem er früher öfter mit seinen Eltern ein Cafe besucht hat inklusive eines großen Grundstücks und der umliegenden Häuser. In den Kauf und die Renovierung investiere er etwa 40 Millionen Euro und schafft ein exklusives 5-Sterne Plus Spa-Resort.

Fazit

Das IdeaLab war für mich wieder einmal die beste Veranstaltung des Jahres. Tolle Vorträge, spannende Gesprächspartner, die richtige Umgebung an der WHU, das Rahmenprogramm mit Networking Lounge und Party und eine perfekte Organisation machen das IdeaLab zu einer Pflichtveranstaltung für Gründer.

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