Fachbeiträge

Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Franchisenehmern

Viele große Unternehmen laufen mittlerweile nach dem Franchiseprinzip. Doch für einen Großteil der Menschen ist Franchise lediglich ein Fachterminus, der bisher noch nicht wirklich verstanden wird.

© Irina.stelea CC-BY-SA-1.0

Nichtsdestotrotz ist diese Form der Kooperation in der Wirtschaft fest etabliert. Das gilt auch bei der Ausbildung junger Arbeitnehmer. Auch in diesem Zusammenhang gibt es Initiativen, die in der Bevölkerung noch nicht wirklich bekannt sind. Hier ist die Jugend- und Auszubildendenvertretung zu nennen. Diese Gruppe von Personen setzt sich für die Belange der Auszubildenden ein und ist in Deutschland immer gefragter. Folglich nehmen die Vertreter auch in Franchiseunternehmen einen wichtigen Platz ein.

Was ist Franchise?

Das Franchising ist eine moderne Art des Vertriebs von Waren, Technologien oder Dienstleistungen, der auf einer Kooperation zwischen Franchisenehmern und Franchisegebern basiert. Hier sind besonders die Ketten großer Fastfood-Unternehmen zu nennen, die bereits seit Langem durch das Franchise-System verwaltet werden. Die Vertragspartner befinden sich in einem Dauerschuldverhältnis, das darauf fußt, dass der Geber dem Nehmer das Recht einräumt, seine Waren und Dienstleistungen im Namen des Unternehmens zu vertreiben. Da der Nehmer dieses Recht gegen Entgelt kauft, schuldet der Geber seinem Partner einerseits Rat und Beistand, hat jedoch andererseits die Möglichkeit, die Arbeit des Nehmers zu kontrollieren und diesen gegebenenfalls über Mängel und Fehler zu unterrichten.

Typen Franchising:

  •           Vertriebsfranchising (bspw. Baumarkt)
  •           Produktfranchising (bspw. Getränkeabfüllbetrieb)
  •           Dienstleistungsfranchising (bspw. Restaurantkette)

Franchisenehmer als Ausbilder

Gerade Franchiseunternehmen dienen als attraktive Ausbildungsstellen. Aus diesem Grund sind hier die Jugend- und Auszubildendenvertretungen besonders wichtig. In großen Dienstleistungsunternehmen, besonders Restaurantketten, ist die Zahl derjenigen Personen, die durch die Jugend- und Ausbildungsvertretung repräsentiert werden, groß. Dabei gibt es nicht nur Auszubildende, sondern ebenfalls Studenten, die ein duales Studium verfolgen, dass immer attraktiver wird. So haben sich die Zahlen der Absolventen in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die Unternehmen bieten den Studenten einen Ausbildungsplatz, das theoretische Wissen eignen sich diese jedoch an Universitäten an.

Was ist die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)

Diese Vertretung wahrt die Interessen aller jugendlichen Arbeitnehmer unter 18 Jahren. Des Weiteren werden Auszubildende unter 25 Jahren berücksichtigt. Entsprechen fünf Arbeitnehmer eines Betriebs diesen Anforderungen, kann diese Vertretungsform eingeführt werden. Allerdings müssen die Vertreter über Erfahrung und Know-how verfügen. Um dies auch bei jüngeren Arbeitnehmern zu gewährleisten, werden regelmäßig Seminare angeboten. Erfahrene Dozenten stehen den Interessenten zur Seite und informieren sie über die wichtigen Grundkenntnisse dieses Amts. Auf der Website des Poko-Instituts finden die Vertreter die wichtigsten Schulungstermine und Nachrichten über die gegenwärtige Ausbildungssituation in Deutschland. Um weitere Hinweise und Hilfestellungen zu erhalten, können wichtige Fragen in Internetforen besprochen werden. Schulungen sind außerdem wichtig, da die Aufgabe des JAV eine große Verantwortung mit sich bringt. Des Weiteren verfügen die Vertreter über unterschiedliche Rechte, Pflichten und Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens, die sie kennen müssen. Um Erfahrungen auszutauschen und über die neuesten Entwicklungen informiert zu werden, findet jährlich ein JAV-Kongress statt. In zwei Tagen werden hier alle Informationen über die Arbeit der JAVs sowie Anregungen und Hinweise kommuniziert, damit die Arbeit der Vertreter noch professioneller abläuft.

Die Wahl zur Jugend- und Ausbildungsvertretung

Im Betriebsverfassungsgesetz sind Wahlberechtigung und Wählbarkeit genauestens geregelt. Außerdem stellt auch das Wahlverfahren einen wichtigen Faktor dar. Verfügt ein Unternehmen über weniger als 50 jugendliche Arbeitnehmer oder Auszubildende unter 25 Jahren, dann sind die Kandidaten in einem vereinfachten Wahlverfahren zu bestimmen. Dieses verläuft wie die Wahl eines Betriebsrats in einem Kleinbetrieb. In zwei separaten Wahlveranstaltungen werden zunächst der Wahlvorstand und später die normalen Kandidaten in einer geheimen und unmittelbaren Wahl bestimmt. Bei größeren Betrieben, die mehr als 50 potentielle Kandidaten beschäftigen, läuft die Wahl etwas anders ab. Auch hier werden Parallelen zu der Wahl des Betriebsrates gezogen, denn es ist möglich, dass sich Wahlvorstand und Arbeitgeber auf eine vereinfachte Wahl verständigen. Diese Vorgehensweise ist auch bei Betriebsratswahlen möglich.

In Hinblick auf die Franchiseunternehmen ist besonders die Größe des Betriebs von Belang. Während in Betrieben des Mittelstands, die zum Beispiel über 21 bis 50 Arbeitnehmer, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder die zur Berufsausbildung beschäftigt sind, verfügen, lediglich drei Jugend- und Ausbildungsvertreter gewählt werden, besteht die Zahl der Vertreter in einem Unternehmen, das mehr als 1.000 Arbeitnehmer, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder die zur Berufsausbildung beschäftigt sind, beschäftigt, aus 15 Vertretern, § 62 BertrVG.

 

§ 61 BetrVG
Wahlberechtigung und Wählbarkeit

(1) Wahlberechtigt sind alle in § 60 Abs. 1 genannten Arbeitnehmer des Betriebs.

 

(2) Wählbar sind alle Arbeitnehmer des Betriebs, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben; § 8 Abs. 1 Satz 3 findet Anwendung. Mitglieder des Betriebsrats können nicht zu Jugend- und Auszubildendenvertretern gewählt werden.

Welche Aufgaben haben die Vertreter?

Das Betriebsverfassungsgesetz legt die Aufgaben der Vertreter fest. Diese belaufen sich vorwiegend auf die Beantwortung von Fragen zur Berufsbildung sowie die Bearbeitung von Beschwerden der Jugendlichen und Auszubildenden. Wichtig ist darüber hinaus die Kontrolle der geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge, Dienstvereinbarungen sowie Verwaltungsanordnungen, die für die betroffene Personengruppe von Belang sind. Aber die Vertreter haben auch angenehmere Aufgaben als die Kontrolle der Arbeitsbedingungen vor Ort.

Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat

Die Kooperation zwischen Betriebsrat und JAV ist ein wesentlicher Kernpunkt dieser Institution. Denn nur auf diese Weise können innerhalb eines Betriebes alle Interessen gewahrt werden. Um dies zu gewährleisten, kann die JAV zu jeder Versammlung des Betriebsrats Vertreter entsenden. Bei besonderen Angelegenheiten, in Betrieben mit mindestens fünf Arbeitnehmer unter 18 Jahren oder Auszubildenden unter 25 Jahren, hat die gesamte JAV ein Teilnahmerecht (§ 67 BetrVG). Neben diesen Entsendungen verfügen die Vertreter auch über ein Stimmrecht. Darüber hinaus können sie Beschlüsse des Betriebsrats über eine Zeit von einer Woche aussetzen. Allerdings empfehlen Experten in diesem Kontext zunächst die Rücksprache mit den Betriebsratsmitgliedern zu suchen, um eine mögliche Konfrontation zu vermeiden. Auch wenn Besprechungen zwischen Unternehmen und Betriebsrat geplant sind, sind Vertreter mit einzubeziehen.

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