So lassen sich als Selbständiger Liquiditätsprobleme vermeiden

Viele Kunden lassen sich Zeit bei ihrer Zahlung, aber die meisten Selbstständigen müssen wichtige Rechnungen wie Mieten und Leasingraten fristgerecht begleichen – deshalb kann es im eigenen Unternehmen mit der Liquidität immer mal wieder eng werden. Welche Möglichkeiten gibt es, finanziell flüssig zu bleiben und Probleme zu vermeiden?

Der bequeme Weg: Das Geschäftskonto nutzen

Ähnlich einer Privatperson auf ihrem Girokonto räumen Banken auch selbstständigen Unternehmern auf ihren Geschäftskonten eine Kreditlinie ein. Dieser Spielraum nennt sich dann nicht Dispo, sondern Kontokorrentkredit. Er ist nicht zweckgebunden und kann flexibel dafür ausgeschöpft werden, eventuelle Engpässe zu überbrücken.

Die Voraussetzungen

Der leichteste Weg führt hier über Bank, bei der das Geschäftskonto besteht. Denn ein Kontokorrentkredit ist rechtlich ein normaler Kredit, für dessen Vergabe die Bank zunächst die Bonität prüfen muss. Auch die Rechtsform des Unternehmens kann Einfluss auf die Genehmigung eines Kontokorrentkredits haben – zuweilen streicht die Bank eine gewährte Kreditlinie, wenn der Unternehmer etwa seine GmbH in ein Einzelunternehmen umwandelt.

Die Konditionen

Die Kreditlinie gewährt die Bank zunächst für 6 Monate – danach erfolgt meist eine Verlängerung oder Stundung der Kreditsumme. Zinsen zahlt der Kontoinhaber nur auf die tatsächlich in Anspruch genommene Summe, nicht auf die maximal gewährte Kreditlinie. Wird diese jedoch überschritten, werden höhere Zinsen für die Überziehung fällig. Je nach Bank liegen die Zinsen für einen Kontokorrentkredit aktuell bei 6 bis 12 Prozent. Aus diesem Grund kann es sich lohnen, verschiedene Geschäftskonten vor der Kontoeröffnung genauer unter die Lupe zu nehmen, um später bei der Liquiditätsbeschaffung günstige Konditionen zu erhalten.

Förderkredite nutzen

Junge und etablierte Unternehmen können sich über die Kreditanstalt für Wiederaufbau relativ unkompliziert frische Liquidität beschaffen. Als gängigsten Förderprodukte gelten:

  1. Der KfW-Gründerkredit (StartGeld)

Kleine Unternehmen haben hier die Möglichkeit, bis zu 125.000 Euro für Investitionen, Betriebsmittel, Materialien oder den Kauf von Unternehmensanteilen zu beantragen. Das Angebot gilt für junge Unternehmen in den ersten 5 Jahren nach Gründung oder für Geschäftsführer, die im Rahmen einer Nachfolge eine bestehende Firma übernehmen. Während des ersten Jahres ist der Kredit tilgungsfrei, aktuell liegt der effektive Jahreszins bei 1,21%. Das StartGeld kann ein Kreditnehmer außerplanmäßig und vollständig zurückzahlen, wenn er eine geringe Vorfälligkeitsentschädigung in Kauf nimmt.

  1. Der KfW-Unternehmerkredit

Für alle Selbstständigen, die seit mehr als 5 Jahren am Markt sind, kommt dieses Produkt infrage. Gewährt werden kleinere und größere Kreditsummen bis maximal 100 Millionen Euro, die Unternehmen für Investitionen, Betriebsmittel, Materialien und den Erwerb von Vermögenswerten nutzen können. Bezüglich des individuellen Unternehmens ist die Kreditsumme jedoch begrenzt: auf 25 Prozent des Jahresumsatzes (2019), dem Liquiditätsbedarf für 18 Monate oder das Doppelte der Lohnkosten (2019). Je nach Bonität und Risikoklasse zahlen Unternehmer zwischen 1,03 und 7,64 % effektivem Jahreszins (Stand: April 2021). Die Laufzeit beträgt maximal 10 Jahre, wobei 2 Jahre als tilgungsfreie Zeit vereinbart werden können.

Weitere Finanzierungsquellen

Neben Kontokorrentkredit und KfW bestehen noch weitere Finanzierungsmöglichkeiten für Selbstständige:

  • Unternehmenskredit bei der Hausbank: Viele Banken bieten Unternehmen eigene Kredite an, um Investitionen zu tätigen oder Beteiligungen zu erwerben. Allerdings sind die Hauskredite mit sehr hohen Anforderungen bezüglich der Bonität verbunden. Sieht eine Bank größere Ausfallrisiken, vermittelt sie eher einen Förderkredit der KfW, da hier die Kreditanstalt für Wideraufbau das Risiko zu 80 bis 100 Prozent übernimmt.
  • Crowdlending: Bei diesem Modell – auch Peer-to-Business-Lending genannt – geben Privatpersonen einem Unternehmen ihrer Wahl einen Kredit. Hierbei werden entweder die kleineren Zahlungen mehrerer privater Kreditgeber zu einer großen Summe zusammengefasst oder es besteht ein 1:1 Verhältnis zwischen privatem Kreditgeber und Unternehmer. Als Vermittler fungieren Crowdlending-Plattformen, die das Kreditgeschäft innerhalb festgelegter Prozesse abwickeln. Das Angebot richtet sich vornehmlich an Unternehmen, die bei Banken weniger Chancen auf eine Kreditzusage hätten. Der Erfolg wird nicht unerheblich von der Präsentation des eigenen Kreditanliegens auf der Plattform bestimmt.

Fazit: Liquidität lässt sich auf verschiedenen Wegen beschaffen

Liquiditätsprobleme belasten die Psyche und hindern Selbstständige daran, ihr Geschäft aktiv weiterzuentwickeln. Wer sein Unternehmen jedoch solide führt oder es mit schlüssigem Business-Modell neu gründet, hat gute Chancen, sich über die Hausbank und durch Förderprogramme Geldmittel zur Überbrückung zu beschaffen.

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