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Wie Firmen große Anschaffungen Finanzierungen können – drei alternative Wege

Quelle: iStock / Getty Images Plus

Erst zuletzt arbeitete ein Nachrichtensender heraus, dass gerade Start-Ups teils ungewöhnliche Wege gehen, um die Finanzierung des Unternehmens und der notwendigen Geräte und Anlagen sicherzustellen. Das Ergebnis war deutlich. Selten wird eine Finanzierung über die Kreditbank genutzt, zumeist werden mehrere Wege miteinander gebündelt. Doch auch erfahrene Betriebe stehen bei der Frage nach Finanzierungen immer wieder vor Problemen und erhalten nicht den gewünschten Kredit. Dennoch müssen sie den Fuhrpark aufbauen oder aufstocken, neue Maschinen erwerben oder andere Investitionen durchführen. Dieser Artikel zeigt drei Alternativen zum herkömmlichen Kredit auf.

Förderkredite nutzen

Gerade die KfW-Bank steht Gründern und erfahrenen Unternehmen durch Förderungen und Kreditmöglichkeiten zur Verfügung. Der Unternehmerkredit beispielsweise richtet sich gezielt an Unternehmen, die bereits seit mindestens 5 Jahren bestehen. Einige Eckdaten rund um den Kredit:

  • Grundlagen - es können bis zu 25 Millionen Euro für Betriebsmittel und Investitionen, auch im Ausland, vergeben werden. Der Jahreszins beginnt bei 1,00 % (Stand: November 2019), orientiert sich jedoch am Unternehmen.
  • Laufzeiten - diese richten sich nach dem jeweiligen Finanzierungsgrund und dem Unternehmen, die Mindestlaufzeit beträgt jedoch zwei Jahre.
  • Möglichkeiten - es gibt die Möglichkeit, die Haftungsfreistellung zu nutzen. In diesem Fall übernimmt 50 Prozent des Risikos die KfW, dafür sinkt das maximal mögliche Kreditvolumen jedoch auf fünf Millionen Euro.

Die Förderung wird beantragt, der Kredit selbst über die Hausbank abgewickelt. Viele Banken, die zuerst eine Finanzierung ablehnten, sehen durch die Förderung und die Haftungsfreistellung doch Möglichkeiten. Doch Vorsicht: Das Rückzahlungsrisiko trägt der Kreditnehmer weiterhin zu einhundert Prozent.

Die KfW-Förderung kann oft mit anderen Fördermitteln kombiniert werden. Unternehmer sollten jedoch vorab genau prüfen, welche Förderlösung für sie besser geeignet ist.

Firmenleasing nutzen

Diese Lösung ist für Unternehmen stets dann sinnvoll, wenn es sich bei Leasingobjekten um wertvolle und größere Güter handelt. Typische Bereiche sind:

  • Fuhrpark – insbesondere Spezialfahrzeuge eignen sich für das Leasing. So ist es durchaus gängig, dass beispielsweise die mobilen Geräte wie Bagger, Trecker oder auch Anhänger zum Transport der Geräte geleast werden. Auch Lkw, Spezialtransporter für Werkstattbetriebe oder die Fahrzeuge von Außendienstmitarbeitern können geleast werden.
  • Produktionsanlagen – sie sind klassische Leasinggerätschaften. Anstatt selbst die Anlagen anzuschaffen, wird der Leasingvertrag geschlossen. Ein großer Vorteil liegt hierbei in der Tatsache, dass neue Anlagen angeschafft werden, während Unternehmen bei dem Selbstkauf aus finanziellen Gründen oft auf gebrauchte Produktionsmittel zurückgreifen müssten.
  • Fachliche Anlagen – Labortechnik, in der Landwirtschaft gar Beregnungs- oder Wärmeanlagen, sowie weitere Betriebsmittel, die für die Aufrechterhaltung des Betriebs nötig sind, fallen in diesen Bereich.

Beim Firmenleasing schließt der Unternehmer einen Vertrag mit dem Leasinggeber ab, der nun die benötigten Anlagen oder Geräte kauft und wiederum dem Unternehmen zur Verfügung stellt. Dieses zahlt daraufhin monatlich eine Leasinggebühr. Nach dem Ablauf des Vertrags gehen die Anlagen an den Leasinggeber zurück, können aber auch vom Unternehmen gekauft werden. Um einen guten Leasinggeber zu finden, sind Portale wie Fincompare heute eine große Hilfe, weil sie einen schnellen Überblick bieten.

Diese Option ist ideal, um dringend benötigte Investitionen zu tätigen, ohne aber die eigene Liquidität massiv zu belasten. Auf der anderen Seite mietet der Betrieb die Anlagen nur und steht somit in einem Dauerschuldverhältnis. Dies lässt sich wiederum steuerlich nutzen, da sich Leasingausgaben als Betriebsausgaben geltend machen lassen.

Crowdinvesting

Diese Methode ist gerade unter Start-Ups sehr beliebt und gilt als eine der häufigsten Methoden zur Geldbeschaffung. Das Crowdinvesting ist das Gegenstück zum Crowdfunding. Besonders häufig wird diese Lösung von Start-ups genutzt, aber sie steht durchaus auch fortgeschrittenen Betrieben offen. Einige Fakten:

  • Methode – das Unternehmen bewirbt sich zumeist auf Online-Portalen um Investoren. Wie schon beim Crowdfunding wird das benötigte Geld nicht von einer Person oder einem Finanzgeber bereitgestellt, sondern von einer Gruppe. Für Investoren bietet diese Lösung eine hohe Rendite, jedoch ebenso eine hohe Verlustchance. Aus diesem Grund wird oftmals genau geprüft, welches Unternehmen nach Geld fragt.
  • Finanzierungshöhe – gängig sind eher kleinere Beträge von bis zu 100.000 Euro. Es gibt aber durchaus Investitionsprojekte in Millionenhöhe.
  • Ablauf – die einzelnen Geldgeber können als stille Teilhaber oder andere Investitionsarten das Geld bereitstellen. Grundsätzlich wird mit jedem Einzelnen ein fester Vertrag beschlossen, der darüber Auskunft gibt, wie der Geldgeber von dem Investment profitiert.

Obgleich es mittlerweile mehrere Plattformen für diese Methode gibt, so ist sie für das Unternehmen umständlich. Zuerst findet die Bewerbung bei der Plattform statt, dann wird das Unternehmen bewertet. Nun erst wird die Kampagne erstellt und gestartet. Damit ausreichend Investoren auf das Unternehmen aufmerksam werden, ist in der Regel viel PR notwendig. Zudem eignet sich das Crowdinvesting eher für folgende Sparten:

  • Zukunftstechnologien – aus diesem Grund setzen oft Start-ups auf diese Finanzierungsform. Das Produkt oder die Dienstleistung muss zukunftsfähig sein, da die Investoren ausschließlich durch das Wachstum des Unternehmens von ihrem Investment profitieren.
  • Grüne Technologien – diese liegen aktuell besonders im Trend.

Wo diese Methode auch funktionieren kann, ist bei alteingesessenen Betrieben, die einen hohen Beliebtheitsgrad in der eigenen Region haben. Werden neue Anlagen benötigt, ist es gut möglich, dass sich viele Kleininvestoren aus der Region zusammenschließen. Andere Betriebe, beispielsweise Tischlereien oder Autowerkstätten werden beim Crowdinvesting nur geringe Chancen haben. Bei ihnen wären Förderkredite oder das Firmenleasing wesentlich sinnvoller.

Fazit – viele Wege führen nach Rom

Und somit auch zur Finanzierung des geplanten Projekts. Der einst so gängige Bankkredit ist heute längst nicht die einzige Wahl, wenngleich die KfW-Förderung natürlich auch wieder mit über die Hausbank des Unternehmens läuft. In vielen Bereichen hat sich das Firmenleasing bewährt und wird auch in anderen Betrieben oftmals durchgeführt. Denn viele der Multifunktionsdrucker in Büros werden tatsächlich gemietet und nicht erworben, sodass auch sie Leasinggeräte darstellen.

Generell zeigt die Splittung der Kosten aber als sehr lohnenswerte Methode. Die vorgestellten Finanzierungsarten können mitunter kombiniert werden, alternativ lassen sie sich mit einem, nun geringeren, Bankkredit vereinen. Wichtig ist nur, dass die Rückzahlung der Finanzierung – oder im Leasingfall die Mietzahlung – ebenso sichergestellt ist. Denn trotz neuer Finanzierungsarten behält eine Regel Gültigkeit: Kommt der Unternehmer seinen Verpflichtungen nicht nach, nutzt die beste Finanzierung nichts.

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