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Medienfakes: Die perfekte Geschichte

Hitler-Tagebücher: Gerd Heidemann zeigt 1983 die angebliche Sensation (Bild Keystone/Thomas Grimm)

Gegen Manipulation und Täuschung hilft nur eine gründliche Recherche. Was aber, wenn jemand gegen jede Vernunft handelt und für eine Täuschung sogar sein Leben gibt?

Der Artikel "Amok" von David Grann im Schweizer Magazin (unser heutiger Lesetipp bei "6 vor 9" ) hat es ganz schön in sich: Ein Autor schreibt ein Buch über einen realen Mordfall – mit beeindruckend-bedrückenden Details. Ein Kommissar liest das Buch und ist danach überzeugt: Die Recherche ist zu gut. Er beginnt zu fahnden, findet Indizien – bis es schließlich zum Prozess kommt.

Granns Text, der zuerst Anfang des Jahres im New Yorker erschien, erinnerte mich sofort an einen Film mit einer ganz ähnlichen Dramatik: "The Life of David Gale" mit Kevin Spacey. Darin landet ein angesehener Professor und Gegner der Todesstrafe im Gefängnis, er soll wegen Vergewaltigung und Mord hingerichtet werden. Die Indizien sprechen gegen ihn – als er einer Journalisten (Kate Winslet) eine ebenso plausible Version der Geschichte erzählt, in der er an dem Verbrechen unschuldig ist.

Während der reale Autor möglicherweise ein ganz realer Mörder ist und sich auf tragische Weise verdientermaßen ins Gefängnis geschrieben hat, verhält es sich in der Fiktion genau andersherum: Hier kommt der Professor ins Gefängnis, weil er die Fakten entsprechend auslegt. Er legt es erfolgreich darauf an, unschuldig in den Todestrakt zu kommen.

Gegen diese Täuschung ist das System blind- und weitestgehend machtlos. Es springt auf die offensichtlichen Fakten an und lässt sich so hinters Licht führen.

Auch in der Medienwelt sind Journalisten vor solchen gezielten Täuschungen nicht gefeit. Nicht immer fallen falsche Geschichten so plump aus wie die Hitler-Tagebücher . Etwas mehr Recherche, möchte man aus heutiger Sicht rufen. Weitaus weniger spektakulär geriet hingegen der Medienfake "aus dem Umfeld" der Hedonistischen Internationale, die der Redaktion von "Polylux" einen vermeintlichen Drogenabhängigen unterschoben . Hätten die Gruppe den Stunt nicht aufgeklärt, niemand hätte etwas bemerkt.

Wenn sich das nächste Mal ein alter Mann als arbeitsloser Ingenieur ausgibt: Vorsicht! Könnte ja sonstwer sein!

kujau

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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