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19.07.07

Xing öffnet sich für Drittanbieter - macht das Sinn?

xing.gifNach MySpace und LinkedIn hat nun auch Xing angekündigt, seine Seite in Kürze für externe Anbieter zu öffnen. Das berichtete das Handelsblatt gestern in seiner Onlineausgabe. Xing erhofft sich offenbar, mit diesem Schritt einen ähnlichen Erfolg zu erzielen wie Facebook. Das Social Network verzeichnet zwei Monate nach dem Start seiner Entwicklerplattform mehr als 2000 Applikationen anderer Anbieter sowie einen enormen Popularitätsschub. Doch es stellt sich die Frage, ob dieser Schritt für Xing tatsächlich sinnvoll ist. Während Facebook hauptsächlich eine Freizeitbeschäftigung darstellt, handelt es sich bei Xing um ein Business-Netzwerk. Facebook nutzt man, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben, ggf. um neue Menschen kennenzulernen und Interaktion zu betreiben. Dafür können gut und gerne einige Stunden am Tag drauf gehen. Sich die Zeit vertreiben möchte bei Xing niemand. Wer sich dort einloggt, sucht nach einer Telefonnummer, möchte einen neuen Kontakt zu seinem Adressbuch hinzuführen oder hat ein anderes, im weiteren Sinne berufliches Anliegen. Da chronischer Zeitmangel für die meisten Berufstätigen ein großes Problem ist, möchte man als Xing-Nutzer sein Anliegen schnellstmöglich erledigen und dann zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen.

Doch gerade die Applikationen bei Facebook beanspruchen viel Zeit. Wer selbst einige ausprobiert hat, weiß, dass diese im Prinzip wenig Nutzen haben und primär dafür gut sind, zu unterhalten und die eigene Person noch umfangreicher darzustellen: Welche Musik hat man gerade gehört, wo in der Welt macht man gerne Urlaub und wer sind die Lieblingsfreunde. Solche Funktionen sind ideal für die Individualisierung des Profils. Eine echte Problemlösung stellen sich aber nur selten dar. Natürlich gibt es auch "ernsthafte" Applikationen, wie Office-Tools oder Funktionen zum Teilen von Dateien. Dabei handelt es sich aber meist eher um "Gimmicks", die nicht mit außerhalb von Facebook verfügbaren Angeboten mithalten können. All das, was im Freizeit- und Unterhaltungsumfeld von Facebook wunderbar funktioniert, ist für ein Business Network kontraproduktiv.

Der Erfolg oder Misserfolg einer offenen Xing-Entwicklerplattform hängt davon ab, welche Art von Applikationen verfügbar sein werden. Ich als langjähriger Xing-Nutzer vermisse derzeit nichts, was in Form einer Applikation meinem Profil hinzugefügt werden könnte, lasse mich aber gerne überraschen. Ein echtes Bedürfnis nach zusätzlichen "Spielereien" bei Xing habe ich aber nicht und fände es schade, wenn die Übersichtlichkeit der Profile anderer Nutzer durch unzählige sinnvolle/sinnlose Applikationen beeinträchtigt würde.

Nebenbei berichtete das Handelsblatt im gestrigen Artikel, dass Xing in wenigen Tagen eine Newsfeed-Funktion starten wird. Wie bei Facebook wird man dann fortlaufend über neue Kontakte der Kontakte, Profiländerungen und Ähnliches informiert. Je nach Umsetzung kann das zu einer sehr interessanten Funktion werden, die die Anzahl von Profilbesuchern ordentlich in die Höhe treibt. Aber auch hier lauert eine Gefahr: Als Facebook im September vergangenen Jahres den Newsfeed einführte, sorgte dies für Boykottaufrufe und Empörung bei vielen Facebook-Usern. Diese sahen damit für Stalker Tür und Tor geöffnet. Da deutsche Nutzer im Vergleich zu den US-Amerikanern allgemein noch mehr Wert auf Datenschutz legen, ist hier sehr vorsichtiges Vorgehen angeraten.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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