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22.01.08

Wie steht es eigentlich um Doktus, liebe Samwers?

doktus.gifAm 17. August hatte ich Doktus vorgestellt, einen deutschen Klon der US-Dokumententauschbörse Scribd. Fast ein halbes Jahr ist die Seite, die einige Zeit bei studiVZ beworben wurde, nun online, aber bisher nicht richtig in Gang gekommen. Bei Doktus sind zwar mittlerweile über 37.000 Dokumente verfügbar, aber das derzeit populärste Schriftstück " Warum Frauen teuflisch sind " wurde seit seiner Einstellung vor genau einem Monat lediglich knapp 1200 Mal betrachtet. Der bedingt aussagekräftige Alexa-Graph zeigt für doktus.de eher nach unten als nach oben. Das Volumen der Google-Suchen nach "Doktus" mit Hilfe von Google Trends lässt sich nicht anzeigen, weil es zu gering ist. Bei Technorati finden sich 101 Blogerwähnungen für den Begriff "Doktus" und 127 für " Doktus.de ". Beim Social-Bookmarking-Portal del.icio.us wurde die Startseite von Doktus 120 Mal gespeichert, bei Mister Wong 69 Mal.

 

Doktus

 

Das eher mäßige Abschneiden ist vermutlich nicht einmal Doktus' Fehler. Wie schon beim Vorbild Scribd (das zwar wächst, aber ohne Hype) zeigt sich, dass ein "YouTube für Dokumente" bei den Nutzern nur begrenzt für Begeisterungsstürme sorgt. Das Lesen und Hochladen von zum Teil belanglosen Texten ("Warum Frauen teuflisch sind") ist im Gegensatz zum Konsumieren und Teilen von Videoclips nicht jedermanns Sache. Was den technischen Aspekt betrifft, ist Doktus durchaus bestrebt, ab und zu kleinere Verbesserungen und Innovationen zu bringen – natürlich immer in Anlehnung an das, was Scribd macht.

Eine Bestätigung der von mir im August anhand zahlreicher Indizien gemachten Vermutung, das Doktus – offiziell ansässig im rumänischen Bukarest – wie das nach dem selben Muster lancierte Videoportal MyVideo ein Investment der Samwer-Brüder ist, gab es bisher nicht. Mittlerweile haben sich die Anzeichen dafür aber sogar noch verdichtet. Zwei Tatsachen sind mir bei meinen früheren Recherchen durch die Lappen gegangen: Die im Whois von doktus.de eingetragene Anschrift 28 C, General C. Budisteanu Street, 3rd floor, room7, sector 1, 010775 Bukarest (die bis vor kurzem auch im Impressum stand; mittlerweile wurde der Briefkasten aber woanders hingehängt) ist die selbe wie die 2006 im Impressum von MyVideo befindliche, selbe Etage, zwei Räume weiter. Verantwortlich für die Pressearbeit von Doktus ist Tilo Bonows PR-Agentur piabo (siehe Word-Datei ), die seit jeher auch die PR für MyVideo macht. Bonow war darüber hinaus lange Pressesprecher beim später verkauften Samwer-Startup Jamba.

Von Zufall kann bei all diesen Zusammenhängen wohl keine Rede mehr sein. Die Frage ist, ob die Samwers mit dem bisherigen Abschneiden von Doktus zufrieden sind. Gemäß ihrer üblichen Vorgehensweise dürfte in einem halben bis einem Jahr ein Verkauf der Plattform angestrebt werden. Im aktuellen Zustand würde nicht sehr viel dabei rausspringen. Andererseits rechnen selbst sehr erfolgreiche Investoren mit Flops, die aber locker durch gelegentliche Top-Investments mit hoher Rendite ausgeglichen werden. Vielleicht stellt sich ja Facebook als ein solches dar.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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