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11.10.07

Verwandt.de auf dem Weg zum Exit?

verwandt.gifDer Online-Stammbaum- und Hobby-Ahnenforschungsdienst Verwandt.de gehört zu den erfolgreichsten deutschen Web-2.0-Dienste im Jahr 2007. Innerhalb von nur wenigen Monaten haben die Gründer Daniel Grözinger und Sven Schmidt der Seite eine beachtliche Bekanntheit im "Internet-Mainstream" verschafft und dank ausgezeichneter PR-Arbeit dafür kaum Geld in die Hand nehmen müssen (die einzige mir bekannte Werbemaßnahme war der Versuch einer Banner-Kampagne bei studiVZ. Möglicherweise gibt es aber noch weitere.). Mittlerweile enthalten die Stammbäume vier Millionen von Nutzern eingetragene Personenprofile. Am Dienstag gab Verwandt.de eine Kooperation mit dem Familienportal familie.de bekannt. Ab sofort wird Verwandt.de dort integriert. Laut Pressemitteilung ist "eine weitergehende Zusammenarbeit in Planung". Die große Frage hinter dieser Ankündigung lautet: Steht Verwandt.de kurz vor der Übernahme? Die Bekanntmachung und die in Aussicht gestellte "weitergehende Zusammenarbeit" lassen Raum für Spekulationen. familie.de wird von der Family Media GmbH & Co. KG betrieben, ein Joint Venture zwischen der Axel Springer AG und der OZ Verlag GmbH. Finanziell wäre ein Kauf von Verwandt.de für Axel Springer sicherlich kein Problem. Auch betreibt man bereits zahlreiche bekannte Onlineangebote wie Welt Online, Computerbild, Stepstone, Idealo oder gamigo und hat somit viel Expertise im Onlinegeschäft. Erst im Mai übernahm Axel Springer zusammen mit einem schweizerischen Unternehmen den Online-Marketing-Anbieter Zanox. Völlig ausgeschlossen sind weitere Zukäufe des Berliner Verlagshauses also nicht.

Für die Betreiber von Verwandt.de wäre ein baldiger Verkauf der konsequente und erfolgreiche Abschluss dieser kleinen Erfolgsstory 2007. Nachdem sich die beiden Gründer in den letzten Monaten über eine umfangreiche Berichterstattung nahezu aller großen (und kleinen) Online-Nachrichtenmagazine freuen konnten, geht es nun darum, den Bekanntheitsgrad des Stammbaum- und Ahnenforschungsdienstes auch in anderen Bevölkerungsgruppen zu erhöhen. Im Gegensatz zu klassischen Social Networks hat ein Dienst wie Verwandt.de eine geringe "Stickiness". Die Anreize für User, regelmäßig wiederzukommen, sind vergleichsweise gering. Für Verwandt.de bedeutet das, dass am laufenden Band neue Nutzer auf die Seite aufmerksam gemacht werden müssen. Sofern man nicht groß in Onlinewerbung investieren möchte, ist das kein leichtes Unterfangen. Da kommt die Kooperation mit familie.de gerade richtig.

Würde Verwandt.de eines Tages komplett von der Family Media GmbH oder der Axel Springer AG übernommen werden, wären Daniel Grözinger, Sven Schmidt und die Investoren hinter Verwandt.de sicher nicht böse. Wieviel auch immer dabei herausspringen würde - die Kosten für das Aufziehen von Verwandt.de sollten sich im Rahmen gehalten haben. Ein nettes Sümmchen ist auf jeden Fall drin, welches die Zwei dann in ihr anderes Projekt Dealjaeger.de stecken oder in ein neues Startup investieren könnten. Axel Springer hätte mit Verwandt.de eine Möglichkeit, sein bisher vernachlässigtes Web-2.0-Portfolio zu erweitern und fände sicher die ein oder andere Integrationsmöglichkeit in die Websites des Hauses. Aber das alles ist ja nur Spekulation.

 

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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