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02.05.08

RSS: eine geniale Technologie und warum sie kaum jemand nutzt

RSSWusstet ihr, dass gestern offizieller "RSS Awareness Day" war? Eben, ich auch nicht, bis ich diesen Beitrag bei The Next Web las. Dort erfuhr ich, dass laut einer Studie von Pew Internet & Yahoo! im Jahr 2005 lediglich zwölf Prozent der Internetnutzer den Begriff RSS richtig einordnen konnten. Nur vier Prozent der User hatten RSS damals bereits bewusst verwendet. Heute, drei durch das Web 2.0 geprägte Jahre später, sehen diese Zahlen mit Sicherheit etwas besser aus. Doch man muss nicht extra eine neue Untersuchung zur RSS-Nutzung durchführen, um festzustellen, dass die RSS-Technologie bei dem Großteil der Internetanwender bisher nicht angekommen ist. RSS geht es damit ähnlich wie Twitter, nur mit dem Unterschied, dass das Format bereits fast zehn Jahre auf dem Buckel hat und noch immer kein Massenphänomen geworden ist. Inspiriert vom gestrigen RSS-Tag dachte ich darüber nach, wie die Internet- und Mediennutzung heute aussähe, würde jeder RSS kennen und verwenden. Mit Hilfe eines RSS-Readers können User ihre Aufmerksamkeitsspanne um ein Vielfaches erweitern. Plötzlich ist es möglich, statt wie bisher die Meldungen von zwei, drei oder vier bevorzugten Nachrichtenangeboten im Auge zu behalten, RSS-Feeds von 100 oder mehr Quellen zu abonnieren und abhängig von der eigenen Selektionsfähigkeit ohne zusätzlichen Zeitaufwand zu konsumieren. Die Folge ist, dass neben den Feeds der bekannten Onlinezeitungen auch die von Nischenangebote und Blogs vermehrt in den RSS-Readern der Anwender landen. Aus Usersicht kostet es nicht viel, den Feed eines potenziell interessanten Blogs zu abonnieren. Der für RSS-Verweigerer erforderliche Schritt, eine Seite zu den Favoriten hinzuzufügen und sie anschließend aktiv regelmäßig zu besuchen, wirkt um einiges umständlicher.

Es wären somit gerade Blogs und andere Angebote des Long Tails, die von einer verbreiteten RSS-Bekanntheit und -Nutzung profitieren würden. Der bei einer RSS-Verwendung zu erwartende Lerneffekt darüber, wie man kostenlos mehr relevante Informationen in weniger Zeit verwaltet und bezieht, könnte zudem den Bedeutungsverlust der Tageszeitung beschleunigen. Anfänglich folgt auf die morgendliche Printlektüre ein kurzer Blick in die Feeds, der mit zunehmender Anzahl an interessanten Quellen länger wird, bei gleichzeitiger Verkürzung der Lesedauer des Papierproduktes. Wer sich mit Hilfe von RSS seine ganz individuelle "Zeitung" zusammenstellt, die noch dazu nichts kostet, ist nicht mehr weit davon entfernt, das Papier gegen den Bildschirm einzutauschen und auf das vermeintlich geliebte Gefühl eines gedruckten Papierproduktes zu verzichten.

Nun befinden wir uns aber nicht in einer Welt, in der jeder Max Mustermann mit dem Begriff und der Funktionsweise von RSS vertraut ist. Während ihr, die regelmäßigen Leser dieses Blogs, zu schätzungsweise 90 Prozent RSS nutzt, spielt das Format im Alltag eines Großteils der Webbevölkerung keine Rolle. Warum? RSS umgibt nach wie vor eine sehr technische Aura. Es wird, wenn überhaupt bekannt, als etwas angesehen, das "Computerexperten" nutzen. RSS wurde niemals vom Marketing emotional aufgeladen, um weniger experimentierfreudige User zu einer Verwendung zu animieren.

Zwar verfügen nahezu alle verlagsgeführten Medienangebote im Web über RSS-Feeds, doch getrommelt wird dafür nicht. Wer nicht aktiv nach dem kleinen orangen RSS-Icon sucht, hinter dem sich in der Regel der Feed verbirgt, für den existiert das Format im Prinzip nicht. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Verlage und Onlinezeitungen möchten ihre Stammleser nicht dazu ermuntern, mit Hilfe von RSS ihre Aufmerksamkeitsspanne zu erweitern, aus Angst, Leser und deren Zeitbudget für Medienkonsum an andere Quellen zu verlieren. Auf absehbare Zeit wird sich daran vermutlich auch nichts ändern. So sind es weiterhin die RSS-Freunde selbst, die mittels Mundpropaganda die Vorteile und Funktionsweise des Verfahrens bekannt machen und darauf hoffen müssen, dass mehr Internetnutzer das Bedürfnis entwickeln, sich ihre Nachrichtenquellen individuell und effizient selbst zusammenzustellen.

Update: Passend zum Thema RSS ganz einfach erklärt (auf Englisch):

 

Link zum Video (via Kommentar/bertdesign.de)

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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