<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

05.04.08

Portalbetreiber und ihr Misserfolg mit Social Networks

Vor ungefähr einem Jahr, kurz nach dem Launch von WEB.DEs Social Network UNDDU.DE , äußerten sich Matthias Greve, Vorstand 1&1 Portale, und Matthias Ehrlich, Vorstand 1&1 und United Internet Media, zu den Zielen ihres ambitionierten Projektes: Mit der Neugründung wollten die beiden "das Web 2.0 und Social Networks in Deutschland massenfähig machen", die Nummer eins im Land werden und innerhalb eines Jahres siebenstellige Nutzerzahlen erreichen. Heute, zwölf Monate später, lässt sich feststellen, dass dieser Plan gründlich misslungen ist. Mittlerweile sind Web-2.0-Dienste und soziale Netzwerke zwar fester Bestand des Internetalltags vieler, vorrangig junger Bundesbürger. UNDDU.DE hat dazu jedoch nichts beigetragen. Die entscheidenden Akteure heißen unter anderem studiVZ, schülerVZ, wer-kennt-wen.de, lokalisten und KWICK!. Während jedes dieser aus Deutschland stammenden Netzwerke mehr als eine Million Mitglieder zählt, ist es UNDDU.DE trotz Investitionen im achstelligen Eurobereich und der Beteiligung von über 30 Mitarbeitern (laut Greve und Ehrlich) nicht gelungen, eine nennenswerte Userbasis aufzubauen und dadurch das bei Social Networks unbedingt notwendige virale Wachstum einzuleiten. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber Alexas Reichweitenstatistik spricht eine deutliche Sprache. Alexa ist zwar, wenn es um den Vergleich von Webangeboten aus verschiedenen Ländern oder mit sich deutlich unterscheidenden Nutzergruppen geht, berühmt-berüchtigt für seine unzuverlässigen Analysen. Bei der Gegenüberstellung der Reichweitenentwicklung von UNDDU.DE, KWICK!, lokalisten und wer-kennt-wen.de darf man aber von einem weitgehend realistischen Bild ausgehen: Alle vier Seiten werden primär von deutschen Anwendern angesteuert, die sich in ihrer Gesamtheit nicht in eine spezielle Nische einordnen lassen sondern in der jeweiligen Altersgruppe dem Durchschnittsuser nahe kommen.

unddualexa.gif

Der Alexa-Graph bestätigt den subjektiven Eindruck eines äußert geringen Mitgliederaufkommens bei UNDDU.DE. WEB.DE ist es als eines der meistbesuchten Portale in Deutschland innerhalb eines Jahres nicht gelungen, Leben in die UNDDU.DU-Bude zu bringen, was angesichts des oben erwähnten Aufwands schon eine beachtliche "Leistung" ist. Nach zirka zwei Jahren des Social-Network-Booms in Deutschland wird deutlich, dass es bei der Gründung eines auf die breite Masse ausgerichteten Netzwerks kein Vorteil ist, ein viel besuchtes Portal im Rücken zu haben. Nicht viel besser als UNDDU.DE geht es meineleute.de, der im September lancierten Community des eigentlich erfolgreichen Portalbetreibers allesklar.com AG (u.a. meinestadt.de und Allesklar). Auch die Telekom war mit der Entwicklung ihres Social Networks T-Community nicht zufrieden und schloss den Dienst Ende 2007.

Deutschlands führende soziale Netzwerke begannen alle als unabhängige Startups, von denen später einige aufgekauft wurden. Das Wachstum von Social Networks ist schwer steuerbar und ihre Erfolgsaussichten lassen sich kaum vorhersagen. Angesichts der Geschehnisse müsste man etablierten Internetanbietern, die bisher keine oder nur eine geringe Präsenz im Social Web haben, heute von einer Eigengründung abraten und stattdessen eine Akquisition empfehlen. Startups dürfen sich freuen und auf das große Los hoffen!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer