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06.11.07

joinR sagt ja zu OpenSocial – Interview mit Gründer Philipp Götzinger

joinRNach Xing hat mit joinR das zweite Social Network aus Deutschland angekündigt, an Googles OpenSocial-Initiative teilzunehmen und seine Plattform für externe Applikationen zu öffnen. joinR richtet sich hauptsächlich an jüngere und junggebliebene Internetnutzer, die nach der Registrierung eine eigene, frei gestaltbare Profilseite inklusive Adresse der Form username.joinr.de erhalten, die auch für nicht registrierte User erreichbar ist. Ich habe joinRs Gründer und Geschäftsführer Philipp Götzinger zur Teilnahme an OpenSocial befragt und ihn gebeten, zu beschreiben, welche Schritte für ein Social Network notwendig sind, das sich OpenSocial anschließen will. Warum hat sich joinR entschieden, an OpenSocial teilzunehmen und sich für externe Applikationen zu öffnen?

Einerseits schafft die API durch die vielen Applikationen eine extrem große Funktionspalette für den User, d.h. er muss nicht mehr auf 120 verschiedene Seiten, um das zu bekommen, was er sucht, andererseits erhöht es die Stickyness der Plattform ungemein. Wenn die Leute die Plattform mögen, weil sie ihrem Geschmack entspricht, kommen sie wieder. Die Daily Login Rate, die Page Impression, die Verweildauer etc. etc. Einfach gesagt: Die gesamte Aktivität nimmt zu.

Welchen Nutzen hat denn der User von dieser "großen Funktionspalette"? Was kann er damit machen?

Die API und damit die Fülle an Applikationen gibt unserem User nun noch mehr Möglichkeiten, sich – seinen Geschmack und seinen Stil – zu präsentieren/darzustellen. Musste er vorher Bilder vom DVD-Cover eines Films hochladen und einen Text dazu schreiben, wird er bald einfach das Flixster.com-Widget einfügen können. Gut, das ging vorher durch Widget Embedding auch (siehe paulinepauli.joinr.de ), aber die Schnittstelle macht es für den User und den Widget- bzw. Applikationsanbieter wesentlich einfacher. Auch gibt es durch OpenSocial die Möglichkeit, die eigene Plattform noch mehr "customizable" zu machen. Die User werden Funktionen oder Bereiche, die sie nicht interessieren, einfach "deaktivieren" und sich so das Netzwerk völlig nach ihrem Geschmack und ihren Bedürfnissen zusammenbasteln können.

Wie weit seid ihr bei der Anpassung für OpenSocial bisher gekommen?

Im Moment bereiten wir die Basis-Programmierung von joinR auf die Implementierung der OpenSocial-Schnittstelle bzw. Google Gadgets vor. Da wir dort schon "von Hause aus" recht gut aufgestellt waren, geht dies rechtschnell. Das "Go Live" der Schnittstelle wird aber noch vier bis fünf Wochen dauern, schließlich will alles auch getestet werden. Unsere Erfahrung mit der Schnittstelle hält sich im Moment logischerweise noch etwas in Grenzen.

Wie sieht der Prozess für ein Social Network aus, das die OpenSocial-Schnittstelle nutzen möchte?

Das ist recht einfach. Im Grunde genommen ist OpenSocial ja keine eigene, proprietäre Plattform wie bei Facebook. Im Moment hat Google leider erst die Docs für Developer veröffentlicht, für Plattform-Betreiber sind bis jetzt nur recht spärliche Informationen verfügbar. Laut Google werden die entsprechenden Dokumente und Beispiele aber bald online sein. Dann kann jedes Network die Schnittstelle implementieren, d.h. die eigene Plattform entsprechend umbauen, anpassen etc. und schon ist man bei OpenSocial dabei. OpenSocial soll kein elitäres Clübchen darstellen :)

Wie werdet ihr den Usern bei joinR externe Applikationen präsentieren?

Die externen Apps werden wir wahrscheinlich, da sind wir uns noch nicht einig, in einer Art Katalog darstellen, geordnet nach Themen/Rubriken. User werden Applikationen aber vermutlich eher durch die Spaces, Feeds und Einladungen entdecken, als dass sie durch einen Katalog stöbern.

Werden bestimmte Apps von euch vorausgewählt bzw. gesperrt oder können User völlig frei aus dem zu erwartenden großen Angebot an Applikationen wählen?

Wir werden keine speziellen Applikationen auswählen, jeder soll selbst entscheiden, was er braucht und was nicht. Natürlich werden wir ein paar Applikationen promoten, die wir persönlich empfehlenswert finden oder die von Startups kommen, mit denen wir in irgendeiner Art und Weise kooperieren. Sperren werden wir keine Applikationen, das wäre nicht Sinn der Sache. Jedoch müssen wir aufgrund der Zielgruppe (Alter 14+) natürlich gewisse Regeln bzgl. des Jugendschutz einhalten, d.h. eine gewisse Reglementierung werden wir auch einführen müssen.

Welchen Chancen siehst du für Startups und Entwickler, die Applikationen für OpenSocial entwickeln (möchten)?

Startups und Webangeboten bietet diese Schnittstelle eine Möglichkeit, auf Userfang innerhalb von joinR (und allen anderen teilnehmenden Communities) zu gehen. Durch die virale Verbreitung innerhalb des Netzwerks (Feed, Spaces, Einladung von Usern an andere User zu Applikation xyz) kann schnell eine große Anzahl von Nutzern auf die Applikation aufmerksam gemacht werden. Der externe Dienst kann nun diese Nutzer für seinen Service begeistern, indem er eine "kleine" Version innerhalb joinR aufziehen. Der User ist nun joinR- und Applikation-xyz-Benutzer, was beiden Seiten zu Gute kommt. Drittentwickler können Applikationen entwickeln, die den Usern Spaß machen. Auch können sie die Unterseiten innerhalb der Applikationen mit ihrer Werbung bestücken. Durch die oben genannten Verbreitungswege erreichen sie schnell eine große Masse an Benutzern. Dadurch kann der Entwickler seine Applikation z.B. durch Werbung monetarisieren. Win für den User, Win für die Plattform, Win für andere Startups, Win für die Entwickler.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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