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16.06.07

Internationale Empfehlungsplattform aus Berlin - Robert Tiedt von Yumondo im Interview

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Vor einigen Wochen startete das Berliner Unternehmen Metaversum seine internationale Empfehlungsplattform Yumondo . Wie viele andere Web-2.0-Dienste auch soll Yumondo von seinen Nutzern leben. Robert Tiedt, bei Metaversum für das Marketing zuständig, stellt sich den Fragen von zweinull.cc. Er erläutert, wie man sich aus der Flut neuer Social Networks hervorheben möchte, warum man in Deutschland auch ohne deutsche Sprachversion erfolgreich sein kann und wie sich seiner Ansicht nach das Web 2.0 weiterentwickeln wird.

Hallo Robert. Bitte erzähle kurz über Deine Person und über Deine Verantwortlichkeit bei Yumondo.

Ich bin wie viele andere auch zugezogener Berliner, der sich hier sehr wohl fühlt. Bei Metaversum bin ich seit Anfang des Jahres im Marketing tätig. Wie alle anderen im Team arbeite ich derzeit bei der Produktentwicklung von Yumondo mit. Vor Metaversum habe ich nach meinem Studium bei Skype gearbeitet und bin dadurch auch in meinen Vorstellungen bestätigt worden: eine junge (Web)Firma, ein kleines Team und flache Hierarchien sollen es sein.

Beschreibe Yumondo so kurz, prägnant und treffend wie möglich.

Yumondo ist eine internationale Empfehlungsplattform, die von den Empfehlungen seiner Mitglieder lebt. Es bildet die Beziehung von Menschen, Orten, Events und Dingen ab, deren Verknüpfungen auch im realen Leben zu finden sind.

Yumondo erinnert mich ein wenig an Qype. Wo liegen die entscheidenen Unterschiede?

Qype hat seinen Fokus auf Orten aller Art und macht das auch gut. Events und Produktempfehlungen findet man bei Qype jedoch nicht. Yumondo ermöglicht außerdem die gezielte und schnelle Suche nach Empfehlungen im eigenen sozialen Umfeld, sprich bei den Menschen, deren Geschmack ich teile und auf deren Meinung ich besonderen Wert lege. Dadurch erhöht sich die Relevanz der Empfehlungen stark. Und da Yumondo auf Englisch veröffentlicht wird, sprechen wir eine internationale Gemeinschaft an.

Welche anderen Anbieter seht Ihr als Konkurrenten?

Auf internationaler Ebene kann man Yelp oder Trusted Places dazuzählen. In Deutschland gibt es neben Qype und den Lokalisten noch eine Reihe von lokalen Netzwerken. Hier sehen wir aber auch unsere Chance, indem wir über den deutschsprachigen Raum hinaus auch eine Plattform für ein internationales Publikum schaffen.

Wie entstand die Idee zu Yumondo?

Metaversum hat die Vision, eine virtuelle Welt zu entwickeln, die viel näher an das reale Leben andockt, als das Welten wie SecondLife oder There tun. Wir glauben, dass die Nutzer letztendlich das größte Interesse daran haben, mit ihrem eigenen Profil aktiv zu werden. Daher haben wir uns auch früh Gedanken gemacht, welche Kommunikations-, Sozialisierungs- und Selbsverwirklichungsmöglichkeiten auch im Netz nachgefragt werden. Die Idee war damals, zunächst eine 2D-Community aufzubauen und diese dann mit der virtuellen Welt zu verknüpfen. Durch die Vermittlung von Holm Friebe (ZIA) kam es zur Zusammenarbeit mit Stefan Heidenreich und Pit Schulz (Datenstroeme), mit denen wir zusammen erste Konzepte für Yumondo entworfen haben. Dabei ging es vom Ansatz her darum, Elemente des Semantic Web allgemein verfügbar zu machen (Groups, People, Places, Events, Things). Das Web zergliedert sich heute in viele einzelne Webservices, die jeweils ein bis zwei Hauptkategorien verknüpfen. Das Potential der Mashups der Zukunft liegt in der Dynamisierung der Verknüpfungen hin zu einem sozialen Empfehlungsystem mit hoher Relevanz.

Jede Woche entstehen diverse neue Social Networks. Es liegt auf der Hand, dass nicht alle überleben werden. Wieso habt Ihr Euch dennoch entschieden, Yumondo zu realisieren?

Soziale Netzwerke werden langfristig im Web zusammenwachsen bzw. definierte Übergänge bereitstellen, hierzu gibt es bereits Ansätze wie OpenID. Was Yumondo besonders macht, ist die Internationalität und der Realweltbezug, der über die Orte an sich hinausgeht. Die Verknüpfungen mit den verschiedenen Objekten, (also die Links) sind es, die Bedeutung und Aufmerksamkeit herstellen. Weiterhin die Konzentration auf eine interessante Nutzergruppe: Leute, die aus den Teenager-Jahren herausgewachsen sind und mitten im Leben stehen. Sie sind es gewohnt, gewisse Ansprüche an sich zu stellen und etwas erreichen zu wollen, haben wenig Zeit, aber tragen viel aktuelles Wissen mit sich herum, das sie gerne mit Ihresgleichen auszutauschen bereit sind. Viele dieser Menschen haben bis heute kein Social Network gefunden und ihnen fehlen noch die relevanten Empfehlungen und Organisationstools.

Wie möchtet Ihr Yumondo bekannt machen? Wie wollt Ihr den Usern verdeutlichen, dass sie sich bei Yumondo anmelden sollen und nicht bei einem der vielen anderen Networks?

Wir setzten zum einen auf einen positiven Word-of-mouth Effekt, zum anderen auf die Instrumente des klassischen Online-Marketings. Überzeugen wollen wir unsere Mitglieder natürlich durch unser Produkt. Ein vergleichbares Netzwerk, welches die Komplexität der realen Welt digital abbildet und einen internationalem Fokus hat, gibt es bisher nicht.

Auf welche Märkte konzentriert Ihr Euch?

Wir haben grundsätzlich einen internationalen Anspruch, wollten aber zunächst in Deutschland starten. Jetzt haben wir durch eine sehr gute Besprechung bei einem großen internationalen Blog zugegebenermaßen überraschend früh ein internationales Publikum erreicht. Diesem glücklichen Umstand wird unsere Roll-Out-Strategie Rechung tragen.

Bisher gibt es Yumondo nur auf Englisch. Die Erfahrung anderer zeigt, dass es hierzulande ohne deutschsprachige Version schwer ist, sich zu etablieren. Wie seht Ihr das?

Wir haben auch lange überlegt, ob wir auf Deutsch starten sollen. Aber wie viele anfänglich auf Deutsch gestartete Seiten haben international Fuß fassen können? Ich denke nicht, dass das englische Interface ein Problem ist. Vielmehr bietet Yumondo schon jetzt die Möglichkeit, sich mit Mitgliedern auszutauschen, die sich über fast alle Kontinente verteilen (bis auf die Antarktis). Und dass wir am Anfang auf Englisch starten, bedeutet ja nicht, dass es keine lokalisierte Seite geben wird.

Wo möchtet Ihr mit Yumondo in einem Jahr stehen?

Gut wäre es, wenn wir international eine gewisse Bekanntheit erreicht hätten und das Projekt zugleich wirtschaftlich auf stabilem Grund stünde.

Wie, denkst Du, wird das Internet/Web 2.0 im Sommer 2008 aussehen? Was wird sich im Vergleich zu heute besonders verändert haben?

Das Internet wird größer geworden sein. Mehr Breitbandanschlüsse. Mehr mobile Endgeräte. Es wird zu interessanten hybriden Medienverbünden kommen. Radiostationen, die abspielen, was die Leute in Netzwerken und Suchmaschinen gut finden. Fernsehprogramme auf Basis von Aufnahmen, die kurz zuvor von Amateuren auf dem Fussballplatz entstanden. Es wird mehr geobasierte Dienste geben. Die Ideen von Website und Portalen werden in vielen Punkten abgelöst sein durch ein komponentenbasiertes Web (siehe Netvibes' Universal Widgets). Es wird Entwicklungstools geben, die es ermöglichen, eine Plattform wie Yumondo schneller zu entwickeln. Man wird sich nicht mehr bei jedem Dienst extra anmelden müssen und wird nicht mehr merken, wie viele Dienste im Hintergrund zusammenarbeiten. Zudem wird die Virtualisierung des Netzes (3D) hoffentlich auch Dank unserer virtuellen Welt voranschreiten.

Yumondo befindet sich derzeit noch in der geschlossenen Beta-Phase. Wer es ausprobieren möchte, kann sich hier unter Angabe des Codes "zweinull.cc" anmelden. Damit seid Ihr direkt dabei und müsst nicht lange auf eine Einladung warten. Viel Spaß.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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