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09.05.07

Handyverträge online loswerden bei Bayanoo

Jede Woche starten in Deutschland viele neue Webangebote. Wenn auch oft interessante Ideen dahinter stecken, so ist nicht immer klar, ob ein Dienst wirklich von den Nutzern angenommen wird bzw. eine Nachfrage schaffen kann. Gestern wurde bei deutsche startups über Bayanoo berichtet, eine neue Seite, bei der User nicht mehr benötigte Handyverträge loswerden können. Die Idee gefällt mir so gut, dass ich Bayanoo näher vorstellen möchte.

Das Prinzip von Bayanoo ist einfach: Die Benutzer können nicht mehr benötigte Handyverträge inserieren. Interessenten an einem Vertrag mit kurzer Laufzeit können bei Bayanoo unter Angabe verschiedener Kriterien (Restlaufzeit des Vertrags, monatliche Grundgebühr etc.) suchen. Finden sie ein Angebot, welches ihnen zusagt, kontaktieren sie den Inhaber des Vertrages. Beide Seiten leiten dann eine bei allen Providern mögliche Vertragsübernahme ein. Das Ergebnis: Der Inserent ist seinen nicht genutzten Vertrag und fortan jede Zahlungsverpflichtung los. Der Interessent telefoniert ab sofort zu den günstigen Konditionen eines Handyvertrages, ohne sich jedoch 12 oder 24 Monate zu binden.

Möglicherweise gefällt mir das Prinzip von Bayanoo so gut, weil ich selbst schon einmal ein Jahr lang auf einem Handyvertrag saß, den ich nicht benötigte. Zudem kenne ich viele Leute, die sich einen Zweit- oder gar Drittvertrag zulegen, nur um das neueste Handy subventioniert zu bekommen. Und alle wären froh, wenn sie die mit dem alten Vertrag verbundenen Kosten los wären. Gleichzeitig sind für viele Deutsche die langen Vertragsbindungen der Grund, per Prepaidkarte zu telefonieren. Bayanoo bietet allen Menschen mit geringen Bindungsambitionen die Möglichkeit, dennoch in den Genuss der im Vergleich zum Predpaidverfahren erheblich günstigeren Tarife und Konditionen zu kommen.

Für Interessenten ist der Dienst immer kostenlos. Auch das Einstellen eines Vertrages ist gratis. Erst wenn der Inserent eine Mail von einem Interessenten erhalten hat und diese lesen möchte, zahlt er einmalig 15 Euro. Das ermöglicht eine unlimitierte Kommunikation mit diesem und anderen Interessen zum entsprechenden Handyvertrag.

Das Gründerquartett hat Bayanoo in nur wenigen Wochen auf die Beine gestellt, wie im Blog verraten wird. Dennoch macht die Seite schon einen sehr fertigen Eindruck. Das Design ist ansprechend, funktionell und übersichtlich. Natürlich ist die Zahl angebotener Handyverträge noch sehr gering. Doch wer einen nicht mehr verwendeten Vertrag zu Hause hat, kann ihn einfach probeweise und kostenlos bei Bayanoo einstellen und abwarten, was passiert.

Nach so vielen positiven Worten muss auch Raum für Kritik sein. Für problematisch halte ich die hohe Abhängigkeit von den Handyprovidern. Derzeit bieten alle die Möglichkeit einer mehr oder weniger unkomplizierten Vertragsübernahme an. Ob eine kommerzielle Nutzung dieser Option jedoch langfristig von den Mobilfunkunternehmen geduldet wird, ist unklar. Gesetzt den Fall, die Provider schaffen diese Möglichkeit ab, steht Bayanoo plötzlich ohne Geschäftsmodell da. Kritikpunkt Nummer zwei: Der Name. Er erinnert doch sehr an vergangene Internetjahre, in denen ein Doppel-o Namensbestandteil eines jeden Internetprojektes sein musste. Zudem sagt «Bayanoo« nichts über den Nutzen der Seite aus. Ein solches Kunstwort eignet sich gut bei wenig greifbaren Angeboten, deren Sinn und Zweck man nicht in einem Wort beschreiben kann. Bei einem Service zur Übertragung von Handyverträgen halte ich einen Namen mit Bezug zum Produkt für passender - das US-Pendant Cellswapper ebenso.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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