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16.03.08

Das Twitter-Phänomen wird zum FriendFeed-Phänomen

FriendFeedWas haben der Microbloggingdienst Twitter und der Lifestream-Aggregator FriendFeed gemeinsam? Beide Services waren jeweils einige Wochen online und erlebten dann schlagartig einen enormen Hype in der internationalen Blogosphäre. In beiden Fällen geschah dies während des jährlich stattfindenden "SXSW Festivals & Conference" in Austin (Texas), einem Zusammentreffen von Musikindustrie und Web-2.0-Szene. Im vergangenen Jahr war Twitter der Star des Events und fungiert seitdem als beliebtes und viel diskutiertes Kommunikationstool in Blogger- und Startup-Kreisen. Auch bei der diesjährigen SXSW-Ausgabe, die vor einigen Tagen ihren Abschluss fand, erfreute sich Twitter großer Beliebtheit. Zeitgleich wurde mit FriendFeed ein neues, von Ex-Google-Angestellten entwickeltes Webangebot in den "Geek-Olymp" gehoben und ist seitdem Gegendstand zahlreicher Lobpreisungsartikel und Analysen in den Tech-Blogs dieser Welt. Und noch etwas vereint beide Dienste: Ihr Reiz und Nutzen ist für Außenstehende, die nicht innerhalb der Blog-, Web- und Startup-Szene vernetzt sind, schwer bis gar nicht zu begreifen. Die Überschrift "Twitter versteht nur, wer es nutzt" bei Text & Blog trifft ins Schwarze. Während es weltweit mehrere Millionen Anwender von Twitter und anderen Microbloggingservices gibt, wird das Konzept, belanglose bis komplexe Konversationen und Diskusionen mit auf 140 Zeichen begrenzten Nachrichten zu führen, von den Mehrheit der User als sehr seltsam empfunden.

 

Anzahl der Erwähnungen von FriendFeed

in Blogs laut Technorati.

FriendFeeds Ansatz ist etwas einfacher zu erklären: Nutzer können mit dem Service ihre Aktivitäten bei zahlreichen Web-Diensten (u.a. YouTube, Flickr, Twitter) in einem fortlaufenden Stream darstellen und ihren FriendFeed-Kontakten zugänglich machen, während sie gleichzeitig über das informiert werden, was diese so im Netz treiben. Es handelt sich im Prinzip um eine Weiterentwicklung des Newsfeeds, den man von Facebook und anderen Social Networks kennt – nur als eigenständiges Angebot. Nebenbei sei angemerkt, dass in den letzten Wochen und Monaten eine ganze Reihe FriendFeed-ähnlicher Anbieter das Licht der Welt erblickten. Es kam zu einer regelrechten Inflation von Lifestreaming-Aggregatoren, was schließlich in der Parodie FriendFeedFeed gipfelte: Ein (fiktiver) Meta-Lifestream-Aggregator für Lifestreams bei verschiedenen Lifestream-Aggregatoren.

Klar ist, dass sowohl Twitter als auch FriendFeed mit tatkräftiger Hilfe der mächtigen US-Tech-Blogs (bzw. ihrer Star-Blogger) ins Rampenlicht gehievt wurden und von dort ihren Siegeszug innerhalb der Szene antraten. Beiden Diensten ist es auf diese Weise gelungen, bei den Benutzern ein Bedürfnis zu wecken, von dem diese zuvor nicht wussten, dass sie dieses hatten – aus Marketingsicht eine Meisterleistung. Dass User mit starkem Mitteilungsbedürfnis und Aktivitäten bei x verschiedenen Webangeboten die Möglichkeit, alles auf einer Seite aggregieren zu können, dankend annehmen, ist nachvollziehbar. Dass User mit starker Vernetzung, die sich gerne auf Barcamps und Konferenzen herumtreiben, Twitter als praktisches Tool für die Kommunikation mit Gleichgesinnten sehen, ebenfalls. Ob mehr als dies und der Selbstzweck dahinter steckt, in Twitter über den Nutzen von Twitter zu twittern und sich anschließend dazu mit seinen FriendFeed-Kontakten auszutauschen, diese Frage bleibt momentan unbeantwortet. Genau wie die, wo Twitter und FriendFeed ohne die Unterstützung der Szene stünden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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