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05.05.08

Das Netz kann vieles, aber noch keinen Kühlschrank füllen

Leerer KühlschrankEiner der größten Vorteile des Webs ist es, dass man Dinge schneller und mit weniger Mühe erledigen kann als früher. Stets ist es mein Ziel, den Aufwand für Tätigkeiten mit geringem Spaßfaktor bzw. Informationsgehalt zu minimieren, um mich ausgiebiger mit den Dingen beschäftigen zu können, die ich mag oder die mich voranbringen. Eine der wenigen Aktivitäten mit hohem Zeitfresserpotenzial, die sich bisher kaum mit Hilfe des Internets realisieren ließ, ist der Einkauf von Lebensmitteln des täglichen Bedarfs. Mittlerweile haben zwar zahlreiche Onlineshops auch Essbares in ihren Katalogen, aber meist handelt es sich dabei um Spezialitäten, Feinkost oder einzelne Produktkategorien. Dass Internetnutzer im großen Stil ihren wöchentlichen/monatlichen Lebensmittel-Großeinkauf über das Web erledigen, ist wie schon zu Zeiten der New Economy nicht viel mehr als eine unerfüllte Vision. Entsprechend neugierig wurde ich, als ich erfuhr, dass die Supermarktkette prisXTRA hier in Stockholm ab jetzt nahezu ihr komplettes Sortiment über den Onlineshop NetXtra anbietet und für umgerechnet elf Euro Aufschlag jeweils Wochentags bis 22 Uhr an die Haustür liefert. Einmal im Monat elf Euro zu investieren, um bequem von Zuhause aus den Kühlschrank zu befüllen, erschien mir mehr als lohnenswert. Ich ließ es also auf einen Versuch ankommen.

NetXtraNetXtra präsentiert sich im wohl unscheinbarsten und simpelsten Design, das man sich vorstellen kann. In der Navigationsleiste links findet man die einzelnen Produktkategorien und klickt sich über Untermenüs zum Zielobjekt. Alternativ kann man die Suchefunktion verwenden. Während der ersten Viertelstunde war ich noch begeistert, wie entspannt der Bestellprozess ablief. Nach und nach wurde ich jedoch ungeduldiger, da ich bestimmte Artikel erst nach langem Suchen fand – die interne Suchmaschine arbeitete nicht sehr zuverlässig. Schnell war eine halbe Stunde vergangen, 45 Minuten, 60 Minuten, und noch immer hatte ich nicht alles im Warenkorb. Zum Teil erwiesen sich Produktbeschreibungen als unvollständig, außerdem fehlte mir völlig der rote Faden, dem man üblicherweise folgt, während man seinen Einkaufswagen durch den Supermarkt schiebt.

Nach rund 70 Minuten war der Punkt gekommen, an dem ich einfach keine Lust mehr hatte. Zudem bekam ich den Eindruck, dass zusätzlich zur Liefergebühr alle Artikel etwas teurer waren als im Markt selbst. Ich zögerte noch kurz, brach den Einkauf ab und ernähre mich seitdem von alten Cornflakes... nein, am Tag darauf ging ich ganz traditionell in den Supermarkt.

Mein Experiment "Lebensmittelgroßeinkauf im Web" ist somit gründlich gescheitert. Neben den angesprochenen Problemen fehlte mir vor allem das physische Produkterlebnis. Ich möchte Artikel in die Hand nehmen, ihre Verpackung anschauen und ihr Gewicht fühlen können, um eine Entscheidung darüber zu treffen, ob es diese oder jene Tielfkühlpizza sein soll. Bei Büchern, Kleidung oder Elektronikartikeln habe ich dieses Bedürfnis nicht, und war daher selbst verwundert, dass bei Gütern des täglichen Bedarfs der emotionale Aspekt für mich eine so große Rolle spielt. Als entsprechend unvorteilhaft erwies sich die einfache Aufmachung der Seite. Mini-Abbildungen und spartanische Produktinformationen verhinderten, dass ich Kaufentscheidungen in der Geschwindigkeit treffen konnte, wie ich es sonst vor Ort mache. Die Folge: Der Einkauf im Web dauerte bis zum Abbruch bereits doppelt so lange wie üblich.

Basierend auf der gemachten Erfahrung habe ich meine Zweifel daran, dass der Markt für das Onlineshopping von Lebensmitteln des täglichen Bedarfs in nächster Zeit an Bedeutung gewinnen wird. Aber vielleicht habt ihr ja positivere Beispiele? Oder möglicherweise überhaupt keine Ambitionen, den Großeinkauf über das Netz zu tätigen?

Foto via Flickr/Chris Makarsky

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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