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18.12.07

Badoo reagiert und korrigiert AGB

BadooKürzlich berichtete ich über Badoo, ein Social Network, das in Deutschland völlig unbekannt ist, aber weltweit über 12 Millionen registrierte Mitglieder hat. In Googles Liste der weltweiten Suchbegriffe mit den größten Zuwachsraten im Jahr 2007 landete Badoo hinter dem iPhone auf dem zweiten Platz. Am Ende meines Artikels verwies ich auf im Netz kursierende Gerüchte, Badoo würde Spam-Mails verschicken. Außerdem zitierte ich den folgenden, sehr fragwürdigen Punkt aus den AGB: «We do not sell or rent out any personal information about you to any third party (excluding affiliates, parent company, subsidiaries or members of Partner programs) without your permission.» Kürz nach dem Beitrag meldete sich Badoos neue PR-Agentur für Deutschland bei mir. Zu den Spam-Vorwürfen konnten sie nichts sagen, aber über den erwähnten AGB-Punkt waren sie anscheinend selbst sehr verwundert und wollten das mit Badoo klären. Das haben sie dann offenbar auch getan, denn heute erhielt ich folgende Mail:

Hallo Martin,

dank des Hinweises in Deinem Blog konnten wir Badoo darauf aufmerksam machen, dass es hier veraltete AGBs gibt, die nicht mit den Aussagen und Zielen von Badoo korrespondieren. Als prompte Reaktion hat Badoo den Passus, der in Klammern steht, komplett aus seinen AGBs entfernt. Weltweit. Unter badoo.com/privacy/ kannst Du die englische Originalfassung lesen. Oben kann man die Sprache ändern, dann gibt es das Ganze auf Deutsch.

Tatsächlich ist der kritische Punkt aus den Geschäftsbedingungen verschwunden. Deutlich weist man dort aber darauf hin, dass man sich das Recht offen hält, Nutzerdaten aggregiert für gezielte Werbung verwendet werden können – ein Vorgehen, was bekanntermaßen nicht überall auf Gegenliebe stößt, aber bei Social-Networking-Größen wie Myspace und Facebook längst üblich ist und in Kürze auch bei studiVZ eingeführt werden soll. Derzeit ist Badoo dem Anschein nach allerdings komplett werbefrei und verdient laut Badoos PR-Agentur Geld mit einer Funktion, über die man sein Profil an die Spitze der Suchergebnisse setzen kann und das in einigen Ländern Geld kostet (1 Euro oder 1 Dollar per Premium-SMS).

Zur weiteren Strategie von Badoo erfuhr ich Folgendes:

Badoo möchte sich vor allem in Deutschland und Großbritannien, wo es derzeit fast noch keine Mitglieder gibt, an der Spitze der Social Networks etablieren. Dazu wird es Anfang nächsten Jahres viele neue Features geben. Denn statt des Eindrucks einer Partnerschaftsbörse soll der Schwerpunkt ganz klar bei Bloggen und internationalen Kontakten (inkl. State-of-the-Art Foto- und Video-Präsentation) liegen.

Skeptisch bin ich immer noch. Immerhin ist allein die Tatsache, dass offensichtlich früher einmal Daten an Dritte verkauft worden sind (oder wenigstens darüber nachgedacht wurde), wenig vertrauenerweckend. Auf der anderen Seite finde ich das Vorgehen als Reaktion auf meinen Blog-Eintrag gut und konsequent und freue mich auch ein wenig, dass zweinull.cc hier positiven Einfluss nehmen konnte.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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