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09.10.13

Zinsfrei Geld leihen: Lendstar glaubt an wahre Freundschaften

Lendstar will per mobiler App Anwender dazu bringen, ihren Freunden zinsfrei Geld zu leihen. Mit einer geplanten Prepaid-Kreditkarte soll sich dieses direkt ausgeben lassen.

Man kann behaupten, die Idee, die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen über das persönliche Freundes- und Kontaktnetz abzuwickeln, hat trotz verschiedener Versuche in diese Richtung bisher nicht gezündet. Schon vor fast drei Jahren ging das Berliner Startup Friendfund ins Netz und wollte es Gruppen einfacher machen, Geld einzusammeln. Später kam Friendsurance, das Freundesnetzwerke dazu animieren wollte, die Kosten für kleinere Schäden von ihren Kumpanen zu tragen. Beide Dienste kämpfen wacker, jedoch ohne dass sich aus ihnen bisher ganz große Erfolge entwickelten. Auch das von Smava 2007 in Deutschland eingeführte Prinzip von P2P-Krediten, bei denen (nicht miteinander bekannte) Privatpersonen einander Kredite geben, ist trotz kontinuierlicher Steigerungsraten nicht unbedingt durch die Decke gegangen. Welche Chancen hat angesichts dieser Lage ein Neuling, der abermals versucht, Personen - und in diesem Fall wieder Freunde und Bekannte - in Kreditgeber umzufunktionieren? Crowdinvestoren glauben an Lendstar

215 Privatinvestoren zumindest scheinen der Ansicht zu sein, in diesem Markt gibt es noch einiges zu holen: Über Seedmatch pumpten sie insgesamt 183.250 Euro per Crowdinvesting in das Starnberger Startup Lendstar. Unter dem Motto "Trust your friends, not banks" sollen Nutzer, die kurzfristig kleinere Geldbeträgen benötigen, sich diese Mittel aus dem persönlichen Kontaktnetzwerk leihen können, anstatt die zu Wucherzinsen angebotenen Mikro- und Minikredite von Dienstleistern und Banken in Anspruch nehmen zu müssen.

Lendstar-Gründer Christopher Kampshoff glaubt, mit seinem ausschließlich mobil für iPhone und Android angebotenen Service einen Vorteil gegenüber anderen Ansätzen zu bieten, um kurzfristig an Geld zu gelangen. Tatsächlich lässt sich schwer gegen zinsfreie Kredite argumentieren. Diese bringen allerdings mit sich, dass die Verleiher von Geld abgesehen von dem guten Gefühl, einem Freund oder einer Freundin den Kauf der stylischen Tasche ermöglich zu haben, keinen weiteren Nutzen aus dem Einsatz von Lendstar ziehen. "Wer unter Freunden erfolgreich und unkompliziert leiht, der verleiht auch gerne. Und umgekehrt", so die Lendstar-Philosophie.

Lendstar

Ein "bedürftiger" Lendstar-Nutzer muss, um die benötigte Summe einzutreiben, Freunde, Familienmitglieder und Bekannte in eine von ihm angelegte Lendstar-Gruppe einladen. Dieser kann er dann Leihanfragen schicken, die von den Mitgliedern komplett oder in Teilen bestätigt werden. Die Bereitstellung der Mittel erfolgt dann manuell per Überweisung oder Baraushändigung. Lendstar dient dazu, die Rahmenbedingungen und Konditionen festzuhalten, etwa wer wann wieviel geliehen hat und bis wann zurückgezahlt werden soll. In ihrer aktuellen Form ist die nett gestaltete, aber von der Struktur etwas verwirrende App schlicht ein Weg für Freunde, um verborgte und geborgte Geldbeträge übersichtlich zu notieren und transparent anzufragen - und damit nicht wirklich ein Investment von 200.000 Euro Wert.

Version 2.0 mit E-Wallet und Kreditkarte

Richtig durchstarten und Umsätze generieren soll Lendstar mit der angekündigten Version 2.0, die für die meisten Seedmatch-Geldgeber wohl den Ausschlag zur Beteiligung gegeben hat: Die App wird dann ein elektronisches E-Wallet erhalten, das Echtzeit-Überweisungen an Freunde erlaubt. Zusätzlich soll eine Prepaid-Kreditkarte lanciert werden, die sofortigen Zugriff auf geliehene Beträge erlaubt. Beide Features werden mit geringen Gebühren belegt, die damit die ersten Monetarisierungssäulen von Lendstare ergeben. Der Service würde sich dann ein wenig zu einem Paypal für den Freundeskreis entwickeln.

Seit Mai dieses Jahres wurde die App rund 6000 Mal heruntergeladen. Kein schlechter Start, auch wenn im Hinblick auf die noch zahlreiche Mängel aufweisende Anwendung unklar ist, wieviele User Lendstar tatsächlich in der Praxis eingesetzt haben. Schön zu hören, dass Lendstar 2.0 auch komplett neu gestaltet wird.

"Beim Geld hört die Freundschaft auf"

Der Gedanke, dass sich Freunde appgestützt gegenseitig bei der Verwirklichung ihrer Wünsche helfen, ist gut gemeint und passt perfekt in die allerorts propagierte Shareconomy. Doch nicht umsonst besagt ein altbekanntes Sprichwort, dass beim Geld die Freundschaft aufhört. Mal Freunden einige Biere auszugeben oder ihnen 100 Euro für ein lange ersehntes Gadget zu leihen, ist eine Sache. Systematisch von für ihr schlechtes Finanzmanagement bekannten Kaufsüchtigen angepumpt zu werden, eine andere. Um die Angebotsseite zu stärken, könnte es für Lendstar mittelfristig erforderlich werden, irgendeine Form zusätzlicher Anreize für diejenigen zu bieten, die ihren Freunden Geld leihen, anstatt es zinsbringend anzulegen. /mw

Link: Lendstar

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