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16.02.11

Zattoo: Fünf Prozent zahlende Nutzer

Der Schweizer TV-Streamingdienst Zattoo plant für 2011 zahlreiche Neuerungen. In der Schweiz und Deutschland nutzen mittlerweile rund fünf Prozent der Anwender die kostenpflichtige HiQ-Version.

 

Aktualisierung am Artikelende

Anfang Januar berichteten wir über die bisher nur in der Schweiz verfügbare Recall-Funktion des Züricher TV-Dienstes Zattoo. Mit Recall können alle oder ausgewählte über Zattoo ausgestrahlte Fernsehkanäle automatisch aus dem Zattoo-Client aufgenommen und nachträglich angeschaut werden. In der Gratisvariante sind Sendungen bis 30 Tage nach Ausstrahlungstermin verfügbar. Das kostenpflichtige Premium-Abo HiQ erlaubt den Zugriff auf Inhalte auch darüber hinaus.

In den letzten Wochen hatte ich die Möglichkeit, Zattoo in der Schweizer Variante (und damit inklusive Recall) einmal auszuprobieren. Während ich lineares Fernsehen eher selten konusmiere, ist die Kombination eines Live-Streaming-Angebots von 81 in der Schweiz verfügbaren Sendern (das unter anderem Kanäle aus Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien umfasst) mit einem zeitlich unbegrenzten Aufnahmefeature sowie der ebenfalls nur für Schweizer Anwender erhältlichen iPhone- und iPad-App ein äußerst schlagfertiges Produkt - das in dieser Form Usern außerhalb der Alpenrepublik leider nicht zur Verfügung steht.

Der ausgeprägte Fokus auf die Schweiz rührt nicht nur daher, dass diese Zattoos Heimatmarkt darstellt, sondern ergibt sich auch aus den klaren rechtlichen Rahmenbedingungen dort, wie mir Zattoo-COO Niklas Brambring erklärte. "In der Schweiz läuft die Rechtevergabe zentral über eine Verwertungsgesellschaft", so Brambring. In Deutschland und anderen europäischen Ländern müsse dagegen mit jedem Sender separat verhandelt werden.

Dies ist der Grund, warum Zattoo in der Schweiz ein sehr umfangreiches Programmangebot bieten kann, und weshalb es dort neben Zattoo noch eine ganze Reihe weiterer Onlineanbieter für TV-Streaming gibt (u.a. Teleboy, nello). In Deutschland hingegen fehlen mit den Sendergruppen von RTL und ProSiebenSat.1 die zwei wichtigsten Privatanbieter. Gespräche laufen jedoch, so Brambring.

Zur Zeit beglückt Zattoo jedenfalls primär seine Benutzer in der Schweiz mit neuen Produkteigenschaften und Erweiterungen. Nachdem das Startup, an dem das Medienunternehmen Tamedia und die Schober Group Anteile halten, die mit Entlassungen verbundene Krise der Jahre 2008 und 2009 hinter sich gelassen hat, stehen die Zeichen mittlerweile wieder auf Wachstum.

Für die nahe Zukunft verspricht Zattoo-Manager Niklas Brambring (für die Schweiz) offizielle Applikationen für Android und Windows Phone 7 sowie eine Aktivierung der Recall-Funktion bei mobilen Anwendungen. In Aussicht stellt er für 2011 außerdem Zattoo-Lösungen für den "Big Screen", also Hardwareintegrationen, welche den Dienst auf TV-Geräte bringen. Auch an einer verbesserten Suchefunktion für aufgenommene Sendungen arbeiten die Züricher.

Auf meine Frage, ob Recall in diesem Jahr auch für HiQ-Nutzer in Deutschland angeboten werden würde, wollte sich Brambring nicht festlegen: "Das hängt von den Verhandlungen ab". Er unterstrich aber, dass Deutschland mit über 2,6 Millionen Anwendern der für Zattoo der grösste Markt sei. Einen Start in Österreich, wo Zattoo bisher gar nicht verfügbar ist, schloss er zumindest für die erste Hälfte 2011 aus.

Das baldige Ende des linearen Fernsehens sieht Brambring vorerst nicht: "Zattoo fußt auf Live TV und die Nutzer konsumieren heute (trotz Recall)

immer noch mehr Live. Der Trend geht bereits zu nicht-linearen Inhalten, für die nächsten Jahre wird das lineare TV aber sicher bedeutend bleiben." Mit Recall legt das Unternehmen aber in jedem Fall die Grundlage für eine Zeit nach dem linearen Fernsehen und empfiehlt sich hier auch als Distributionspartner für Sender.

Die Einführung und der Ausbau derartiger Zusatzfunktionen sind für Zattoo natürlich auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant. Insgesamt rund fünf Prozent der Zattoo-Nutzer in der Schweiz und Deutschland zahlen für das kostenpflichtige HiQ-Paket mit besserer Bildqualität und ohne von Zattoo eingeschobene Werbung. Bei etwa 4,6 Millionen Anwendern in beiden Ländern wären das rund 230.000 zahlende Kunden, die monatlich 6,60 Franken (in der Schweiz) bzw. 2 Euro (in Deutschland, ohne Recall) auf den Tisch legen (Siehe Update am Artikelende).

Zur Profitabilität scheinen diese Einnahmen in Verbindung mit der Werbevermarktung des Gratis-Angebots jedoch noch nicht zu führen. Zumindest wollte Brambring dieses Thema nicht kommentieren, was nur zwei Schlüsse zulässt: Entweder verdient Zattoo bisher kein Geld, oder es schreibt zwar schwarze Zahlen, möchte dies aber nicht an die große Glocke hängen, um nicht die Gier von Verwertungsgesellschaften und TV-Stationen anzufeuern.

Update: In Bezug auf den Anteil zahlender Nutzer hat uns Zattoo-COO Niklas Brambring folgende Ergänzung geschickt:

Genaue Pay-Nutzer-Zahlen geben wir nicht heraus. Die "ca. 5%" sind eine Schätzung und zudem ein Schnitt über Deutschland und die Schweiz und nicht auf alle registrierten Nutzer bezogen. Eine Hochrechnung ist also auf Basis der Angabe nicht möglich. Ihre Schätzung ist nachvollziehbar, jedoch zu optimistisch.

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