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23.08.11

"Zahle, so viel du willst": Zootool gibt Einblicke in sein Freemium-Experiment

Der deutsche Social-Bookmarking-Dienst Zootool hat kürzlich eine kostenpflichtige Pro-Funktion veröffentlicht. Über den Preis können Nutzer selbst entscheiden. Jetzt berichten die Zootool-Macher über den Verlauf des Experiments.

 

Die Mehrzahl aller von uns bei netzwertig.com vorgestellten Webdienste muss irgendwann darüber entscheiden, wie sie ihre operativen Kosten decken und Geld verdienen wollen. Mögliche Ansätze gibt es unzählige - doch nicht jedes Geschäftsmodell passt zu jedem Startup oder Onlineservice. Und wer beim Versuch der Monetarisierung zu kräftig hinlangt, stößt leicht treue Anwender vor den Kopf.

Der deutsche Social-Bookmarking-Dienst Zootool (unser Review) hat Anfang August ein Experiment gestartet: Nach einigen Jahren mit Einnahmen einzig aus einer Mini-Werbevermarktung sahen die Zootool-Gründer Bastian Allgeier und Hartmut Wöhlbier die Zeit gekommen, um eine mit Zusatzfunktionen ausgestattete, kostenpflichtige Premium-Variante des 2008 gestarteten Angebots zu veröffentlichen. Doch weil sie sich über die angemessene Höhe der Jahrespauschale im Unklaren waren, entschlossen sie sich, über diese ganz einfach die User selbst bestimmen zu lassen. Zootool Pro mit einer frei wählbaren jährlichen Gebühr zwischen einem und 100 Dollar war geboren .

Am Montag gaben die Zootool-Macher in einem Blogbeitrag Einblick in die Zahlen der Bestellungen des neuen Pro-Accounts sowie in die Verteilung der von Anwendern gewählten Jahrespauschale und befriedigten damit auch unsere Neugier über den Ausgang des Versuches:

60.000 registrierte Mitglieder hat der von der OpenWe GmbH als eine Mischung aus Neben- und Liebhaberprojekt betriebene Service, 6.000 bookmarken mit Zootool aktiv Websites, Fotos, Videos und Dokumente.

270 zahlende Mitglieder und 3.000 Dollar Umsatz nach einem Tag

Erhofft hatte sich das Zootool-Team, innerhalb eines Monats 100 zahlende Nutzer gewinnen zu können - doch diese Marke wurde bereits nach zwei Stunden erreicht. Nach dem Ende des ersten Tages hatten 270 Zootool-Anwender einen Pro-Account gebucht und etwa 3.000 Dollar in die Kassen des Webdienstes gespült.

Mittlerweile gibt es 456 Pro-Nutzer, die insgesamt 4140 Dollar per PayPal überwiesen haben. Im Durchschnitt zahlt somit jedes Pro-Mitglied neun Dollar pro Jahr. 126 Benutzer wählten den Minimalbetrag von einem Dollar, um die Extra-Funktionen freizuschalten. 145 zahlten zwischen zwei und fünf Dollar. Die verbliebenen 184 Nutzer (oder 41 Prozent) sorgten mit zusammen 3329 Dollar für den Löwenanteil des Umsatzes aus dem Pro-Angebot. Ihr Durchschnitt liegt bei 18 Dollar/Jahr.

Einnahmen werden in die Weiterentwicklung von Zootool investiert

Die Betreiber zeigen sich im Blogbeitrag zufrieden mit diesem Resultat. Da sie neben Zootool an diversen anderen ertragreichen Projekten arbeiten, müssen sie mit den Erlösen aus dem Pro-Konto nicht etwa ihren Lebensunterhalt bestreiten und können sich ein derartiges Experiment daher leisten. Alle Einnahmen werden nach ihrer Aussage in die Weiterentwicklung von Zootool investiert.

Hätten sie für den Zusatzservice 20 Dollar oder mehr verlangt, wären viele derjenigen, die jetzt den Betrieb von Zootool mit fünf oder weniger Dollar unterstützen, Gratisnutzer geblieben, so der Gedankengang von Bastian Allgeier und Hartmut Wöhlbier.

Die Zwei haben Zootool von Beginn an in einer Nische positioniert und scheinen - so zumindest lässt es der Blogbeitrag verlauten - eine kleine, aber loyale und dankbare Nutzerschaft einem XXL-Mitgliederwachstum mit damit verbundenen Nebenwirkungen vorzuziehen. Das Freemium-Modell mit Zahl-was-du-willst-Konditionen passt sicherlich nicht für jeden Webanbieter. Für eine sich am Herzblut und Idealismus seiner Entwickler nährende Anwendung wie Zootool allerdings erscheint sie sehr konsequent. Und durch den positiven PR-Effekt des ungewöhnlichen Verfahrens lässt sich mit Sicherheit auch das ein oder andere zusätzliche Pro-Mitglied gewinnen.

Link: Zootool

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