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22.08.12

Yones: Drei Studenten entwickeln eine intelligente Nachrichtenanwendung

Nur die Nachrichten, die Nutzer tatsächlich interessieren - das versprechen die Macher von Yones. Das Startup aus Darmstadt bietet eine Webversion sowie Apps für iPhone und Android.

Es existieren gefühlt eine Million Onlinedienste, die Nutzern versichern, ihnen für ihren individuellen Geschmack besonders relevante Nachrichten und Artikel vorzuschlagen - wie zuletzt Cliqz. So wirklich ohne jeden Zweifel die breite Masse überzeugt hat jedoch noch kein Anbieter. Drei Wirtschaftsinformatikstudenten der Technischen Universität Darmstadt wagen nun ihrerseits einen entsprechenden Versuch. Yones nennt sich der intelligente Newsreader von Christian Kulas, Waldemar Ankudin und Marek Walasek, der mit einem einfachen wie ambitionierten Versprechen aufwartet: Yones soll die Nachrichten liefern, die Nutzer tatsächlich interessieren.

Vorweg: Dieser Artikel wird nicht die Frage beantworten, ob das Trio sein Versprechen hält. Denn zum einen würde die Antwort einen Langzeittest erfordern, zum anderen prangt auf der Yones-Website deutlich der Hinweis "Beta" - und dieser ist angemessen. Denn noch wartet Yones auf seinen letzten Feinschliff.Verfügbar im Browser sowie als App für iPhone und AndroidDer Service wird sowohl als Browserversion als auch als native mobile App für iPhone und Android angeboten. Zudem befindet sich eine Tablet-Fassung in der Entwicklung. Die Registrierung erfolgt entweder über eine E-Mail-Adresse oder das persönliche Facebook-Konto. Nach dem erstmaligen Betreten von Yones werden Anwender gebeten, in der deutschen Version aus einer von knapp 60 Quellen ihre favorisierte Nachrichtenseite auszuwählen - auch netzwertig.com ist dabei, und FAZ.net sowie sueddeutsche.de, was bekanntlich gefährlich werden kann. In den Einstellungen können weitere Sites als bevorzugte Medien markiert werden. Von diesem oberflächlichen Interessenprofil ausgehend empfiehlt Yones die ersten Beiträge, die für den Nutzer interessant sein könnten. Jeder der aus den knapp 60 indexierten Quellen stammende Artikel kann per Daumen-hoch- oder Daumen-runter-Geste bewertet werden.

Yones lernt die Präferenzen der Anwender

Je häufiger Anwender eine derartige Bewertung vornehmen, desto genauer lernt Yones, welche Präferenzen sie haben, und schlägt entsprechend dazu passende Texte vor. Wer möchte, kann auch direkt einzelne Ressorts ansteuern - von Netzwelt bis Kultur und von Politik bis Reise - oder er kann die Liste der meistgeladenen Beiträge abrufen. Eine weitere Navigationsmöglichkeit besteht darin, auf Profilseiten der einzelnen indexierten Medien zuzugreifen. Dort findet sich eine Liste aktueller und relevanter Texte von der jeweiligen Quelle. Jeder indexierte Text wird mit zwei bis drei Zeilen angerissen, ein Klick auf "Mehr lesen" führt zur Originalquelle.

Was mir an Yones gefällt, ist die professionelle Aufmachung, die glasklare Vermittlung des Produktnutzens und die Tatsache, dass die drei Studenten aus eigenen Mitteln einen Service auf die Beine gestellt haben, der zum Debüt native Apps für die zwei wichtigsten mobilen Betriebssysteme vorweisen kann. Darin versagen sogar viele mit reichlich Risikokapital ausgestattete Startups. Allerdings ist die mobile Yones-App in ihrer bisherigen Form noch nicht gerade ein Meisterwerk an Usability und Eleganz. Als Nutzer wird einem spätestens hier klar, dass der Beta-Stempel nicht nur zum Spaß auf der Website erscheint.

Auch die Webversion von Yones stottert an einigen Stellen noch, und man merkt, dass die Macher bei der optischen Gestaltung nicht die Liebe zum Detail mitbringen, wie man sie von manch anderen in höchstem Maße durchgestylten Services her kennt. Das ist für Yones jedoch kein K.O.-Kriterium - denn oberste Priorität muss die Leistungsfähigkeit der entwickelten Technologie zum maschinellen Lernen haben, welche die zu empfehlenden Artikel auswählt. Und da sollte sich der Informatik-Hintergrund der Yones-Initiatoren auszahlen.

Trotz des noch leicht unfertigen Zustands von Yones bekomme ich beim Ausprobieren den Eindruck, dass aus dem Dienst eines Tages tatsächlich ein ernstzunehmender Akteur im Markt der personalisierten News-Applikationen werden könnte - "eine Mischung aus Google News und Pandora", wie es Mitgründer Christian Kulas ausdrückt.

Was ihm und seinen Mitstreitern noch fehlt, ist die notwendige Serverpower, um auch eine steigende Anzahl an Nutzern bedienen zu können. Eine Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter soll die notwendigen Mittel dafür zusammenbringen. 20.000 Dollar sind angestrebt. Dafür versprechen die Yones-Macher, fünf Jahre lang die Serverkosten zu decken. Sollte sie Yones danach nicht weiterführen können, wollen sie das gesamte Projekt als Open Source verfügbar machen. Ein für die Kampagne produziertes Video vermittelt zudem einen visuellen Eindruck von den drei jungen Gründern (unten eingebettet).

Es gibt Gründe dafür, skeptisch zu sein, wenn nun jedes unterfinanzierte Webprojekte versucht, Kapital von der Community einzusammeln. Doch im Falle von Yones steht das Beta-Produkt bereits, und die ausführlichen Darlegungen des Teams auf der Kickstarter-Seite zeugen von einer ernsthaften Motivation, die gesetzten Ziele zu erreichen.

Link: Yones

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