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05.08.09

Yahoo: Delicious wird zum Twitter-Mashup

Der soziale Bookmarking-Dienst Delicious möchte sich in das Echtzeit-Zeitalter retten, orientiert sich an Twitter und verliert dabei den eigenen Kurs.

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass Delicious die neue Version veröffentlicht hat. Als eines der Urgesteine unter den Web 2.0-Diensten blieb das 2003 gestartete Tool bis dahin weitestgehend unverändert, auch nach dem Verkauf an Yahoo 2005 wurde nicht verschlimmbessert, und auch die damals neue Version wartete primär mit kosmetischen Verbesserungen auf.

Es wirkt alles etwas professioneller und aufgeräumter, aber es ist tatsächlich eher eine Evolution und die grundsätzliche Struktur blieb weitgehend erhalten.

Die gestern vorgestellten Änderungen stellen den ersten echten Bruch in der Geschichte von Delicious dar.

die Startseite von Delicious

Die überraschendste Neuerung ist wohl die Startseite. Dort werden nun nicht mehr die aktuell auf Delicious gebookmarkten Links angezeigt, sondern Links, die sich gerade auf Twitter besonderer Beliebtheit erfreuen. Unter jedem Link gibt es eine Liste mit korrespondierenden Tweets.

Das ist zwar nicht völlig aus der Luft gegriffen – immerhin ist Twitter das zentrale Nervensystem für den Austausch von Links und deshalb ein gutes Barometer für Trends -, ob es jedoch besonders schlau ist, diesen Ort primär mit den Daten und Profilen eines anderen Dienstes zu befüllen, sei einmal dahingestellt.

Links versenden

Auch neu ist die Aufforderung beim Speichern eines Bookmarks, dieses doch auch gleich einigen Freunden zu mailen oder es zu twittern. Auch das ist nicht unvernünftig. Dass man zum Twittern jedoch seinen Benutzernamen und Passwort angeben muss, ist unverständlich. Yahoo ist keine kleine Klitsche, bei der es kein Wissen um die Möglichkeiten von OAuth gibt. Im Gegenteil, sie promoten regelmässig die Verwendung von offenen Standards.

Suche bei Delicious

Sehr gut hingegen ist die neue Suche. Es gibt Filter für Tags und Zeiträume, mit denen sich die Anfragen verfeinern lassen. Die Trends von Links oder Begriffen werden nett visualisiert.

Fazit

Nach dem Ausstieg von Delicious-Gründer Joshua Schachter fehlt Delicious der Steuermann, der es auf Kurs hält. Schachter hat immer genau gewusst, bei welchen Features und Trends er nein sagen muss, damit das Gesamtsystem am wertvollsten bleibt, auch wenn sich dann nicht jeder vom Dienst angesprochen fühlt. Delicious war in seiner Nische perfekt.

Die neue Richtung orientiert sich eher am Echtzeitstrom von Twitter, in dem man seine Felle davonschwimmen sieht. Ob das eigene Schiff dafür geeignet ist, wird nicht hinterfragt.

Seltsam jedenfalls ist, dass Yahoo die Aufmerksamkeitsdaten von Delicious nicht nur nicht dafür verwendet hat, die eigene Suche zu verbessern, sondern diese sogar mit den Aufmerksamkeitsdaten von Twitter ersetzt. Dadurch machen sie sich selbst ersetzbar, weil es dutzende andere Dienste gibt, die das gleiche machen.

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