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30.04.12

xycall: App-Startup will mobile Telefonflatrates intelligenter nutzen

Das Berliner Startup xymatic hat mit xycall eine Android-Applikation entwickelt, die durch die intelligente Nutzung von Telefonflatrates die Gesprächskosten für alle Anwender reduzieren soll. Im Sommer folgt eine App für das iPhone.

Viele Mobilfunkverträge und Prepaid-Angebote beinhalten Telefonflatrates oder erlauben das kostengünstige Hinzubuchen entsprechender Optionen, um sich bei ausführlichen Gesprächen mit Freunden und Bekannten nicht den Kopf über die Kosten zerbrechen zu müssen. Oft sind die Angebote auf Telefonate zu speziellen Providern begrenzt, weshalb Mobilfunkkunden nie genau wissen, ob sie von einer angepriesenen Flatrate-Komponente letztlich tatsächlich hinreichend profitieren können.

Andreas Wilhelm, Frederik Maucksch, Matthias Wolff, Uwe Grossmann und Matthias Jung, die Macher des 2010 gegründeten Berliner Startups xymatic und Herausgeber des mobilen Augmented-Reality-Spiels reflow, haben sich die Frage gestellt, auf welche Weise Konsumenten mehr aus ihren Voice-Flatrates herausholen könnten. Das Resultat ihrer gedanklichen und programmiertechnischen Anstrengungen heißt xycall und ist eine seit wenigen Tagen verfügbare Applikation für Android-Smartphones.

Bei xycall handelt es sich nicht um eine VoIP-Anwendung wie Skype oder Tango, weshalb sie mit jedem mit dem Internet verbundenen Android-Gerät funktioniert, selbst wenn die Netzabdeckung zu wünschen übrig lässt und die Onlineverbindung zu langsam für Datentelefonie wäre (oder vom Provider sogar gesperrt wird). Stattdessen läuft xycall darauf hinaus, dass Nutzer sich von ihren Kontakten mit Flatrate anrufen lassen, statt eigenmächtig ein kostenpflichtiges Gespräch zu ihnen einzuleiten.

Auch wenn die Funktionsweise bei einem flüchtigen Blick auf die xycall-Website nicht unbedingt sofort klar wird, stellt sie sich bei näherer Auseinandersetzung als gar nicht so kompliziert dar: Nutzer der xycall-App tragen ihren Telefonanbieter und Informationen zu Providern ein, zu deren Kunden sie im Rahmen ihrer jeweiligen Flatrate kostenfrei anrufen dürfen. Nach der Freigabe des Smartphone-Adressbuchs zeigt die Anwendung an, welche persönlichen Kontakten, die ebenfalls xycall verwenden, kostenlos angerufen werden können und wer von den Kontakten aufgrund einer Flatrate-Option nichts für ein Gespräch zu einem selbst bezahlen muss.

Für xycall-Nutzer interessant sind die Personen aus dem Adressbuch, zu denen ein Anruf Geld kosten würde, die aber dank eines vorteilhaften Mobilfunkvertrags gratis durchklingeln können. Statt ein herkömmliches, gebührenpflichtiges Gespräch zu initiieren, lassen sich diese per xycall über den Gesprächswunsch benachrichtigen. Auf ihrem Smartphone meldet sich die xycall-App und informiert über die Anfrage. Mit einem Tastendruck können sie dann ein tatsächliches Gespräch einleiten, wofür sie aufgrund ihrer Flatrate nichts bezahlen müssen.

Die Idee von xycall ist trotz ihres einmaligen Erklärungsbedarfs sehr clever: Millionen Mobilfunkkunden beginnen täglich gebührenpflichtige Telefonate, obwohl das Gespräch für beide Parteien gratis wäre, wenn der über eine passende Flatrate verfügende Gesprächspartner den Anruf tätigen würde. Doch ein Mangel an Informationen verhindert bisher eine derartig effiziente Steuerung der Handygespräche. xycall soll diesen Missstand für Konsumenten beheben.

Doch dazu benötigt es eine maximale Marktdurchdringung. Und genau diese fehlt dem Dienst angesichts des frühen Stadiums natürlich noch. Wer momentan xycall ausprobiert und sich Kontakte aus dem Adressbuch anzeigen lässt, welche die App ebenfalls installiert und ihre Flatrate-Details aufgeführt haben, wird sich dabei noch nicht oft über Treffer freuen können. Der für den Sommer geplante Launch einer iPhone-Applikation soll bei einer schnellen Verbreitung von xycall helfen. Ein wichtiges Instrument, um die Zahl der App-Installationen zu steigern, ist auch das integrierte Empfehlungsfeature.

Denn um xycall kostenfrei verwenden zu können, müssen sich Nutzer mit einem für einen spezifischen Zeitraum limitierten Kontingent an xycall-Gesprächen zufrieden geben. Anwender, die sich von einer derartigen Einschränkung befreien möchten, können dies per In-App-Kauf von Premium-Paketen erreichen (womit xycall monetarisiert werden soll) - oder über das Einladen von Freunden und Bekannten zu dem Service. Ab einer bestimmten Zahl erfolgreicher Empfehlungen erhalten xycall-Nutzer kostenfrei das Privileg, über eine bestimmte Periode Anrufe ohne quantitative Begrenzung starten zu können.

Für xycall existieren auf Dauer nur zwei Szenarien: Entweder die App schafft es, sich zum Standard auf Android-Smartphones (und später iPhones) zu entwickeln und damit das Versprechen einzulösen, die Handyrechnung zu senken, oder sie wird ohne nennenswerte Ressonanz vor sich hindümpeln und eines Tages verschwunden sein. Ein Mittelweg existiert eigentlich nicht, da sich ohne eine signifikante Zahl an Adressbuch-Kontakten mit installierter xycall-App zu selten Gelegenheiten ergeben werden, von der Flatrate des Anzurufenden profitieren zu können. Irgendwann ist die Geduld der meisten Nutzer erschöpft. Im Idealfall aber wird xycall zum Ersatz für das native Smartphone-Adressbuch

Die Hauptstädter sollten in den nächsten Wochen und Monaten deshalb vor allem eines tun: alle Hebel in Bewegung setzen, um xycall schnell auf möglichst viele Smartphones zu bringen. Die App ist weltweit verfügbar.

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