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03.08.10

Xing: Fehlende Drittanbieter-Verknüpfungen werden zum Handicap

Xing steht eine herausfordernde Zukunft bevor. Doch während sich der Hamburger Dienst verstärkt auf seine Kernmärkte fokussiert, sollte er einen Aspekt nicht vergessen: Die Integration in externe Dienste. LinkedIn ist da Meilen voraus.

 

In der vergangenen Woche stieß ich auf diesen Artikel mit dem Titel "Kippt Xing?", in dem Blogger Enno Park die Frage aufwirft, ob sich die Marktsituation für das im deutschsprachigen Raum und einigen europäischen Ländern führende soziale Netzwerk für Geschäftskontakte zunehmend verschlechtert.

Enno Park führt als Gründe für seine (rhetorische) Frage nicht nur die steigende Zahl von Kontaktanfragen an, die er beim Wettbewerber LinkedIn (von Personen aus dem deutschen Sprachraum) erhält, sondern argumentiert auch mit einem (nur bedingt aussagekräftigen) Alexa-Graph, der den globalen Aufstieg von LinkedIn visualisiert - was angesichts von über 70 Millionen LinkedIn-Mitgliedern und etwas über neun Millionen Xing-Usern auch nicht verwunderlich ist.

Auch die Facebook-Dominanz sieht Park als potenzielle Gefahr, nicht nur für die Zukunft von Xing, sondern für das Fortbestehen von speziell für den professionellen Bereich gedachten Netzwerken generell.

Ich teile Parks Argumentation, dass die kommenden Monate und Jahre für Xing zu einer Herausforderung werden, auch wenn ich der Überzeugung bin, dass der Lock-In-Effekt in den Kernmärkten groß genug ist, um auch länger gegen die direkte US-Konkurrenz sowie gegen eventuelle Vorstöße von Facebook in den Business-Bereich zu bestehen.

International ist der Zug ohnehin abgefahren, viele Wahlmöglichkeiten bezüglich seiner Strategie bleiben dem Hamburger Unternehmen somit ohnehin nicht. Es muss ganz einfach alles daran setzen, die bestehenden (sowie neuen) Mitglieder in den Kernmärkten bei Laune zu halten und ihnen das Gefühl zu geben, bei Xing gut aufgehoben zu sein.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass dies in vielerlei Hinsicht auch gut klappt. In einem Punkt jedoch verspüre ich immer öfter eine Frustration und eine große Unzufriedenheit mit Xing: Die fehlende Integration des Netzwerks bei Drittanbietern.

Heute wollte ich beispielsweise Silentale ausprobieren, einen französischen Service, um Kontakte von verschiedenen Social-Web-Diensten unter einem virtuellen Dach zu vereinen. Das Erstellen einer Verbindung mit LinkedIn war natürlich möglich, mit Xing leider nicht.

Gleiches gilt für den virtuellen Visitenkartendienst flavors.me, den beliebten Miniblog-Service Posterous, den Profilaggregator chi.mp , den Onlinespeicher- und Kollaborationsdienst Box.net sowie für die führenden Twitter-Clients Seesmic und TweetDeck: Alle erlauben die Integration von LinkedIn-Funktionen oder den Import von LinkedIn-Kontakten, lassen Xing-Mitglieder jedoch enttäuscht zurück. Und das waren nur einige Beispiele, es ließen sich mit Sicherheit Dutzende weitere finden.

Nun ist die Tatsache, dass für internationale Startups eine Unterstützung von LinkedIn höhere Priorität hat als die des deutlich kleineren Konkurrenten Xing, keine Überraschung. Und Lichtblicke gibt es mit der Xing-Implementierung in das großartige Outlook-Plugin Xobni (wobei LinkedIn früher mit an Bord war) oder direkt in den Outlook Social Connector ja.

Dennoch frage ich mich, wieso Xing sich nicht stärker ins Zeug legt, um bei möglichst vielen, auch außerhalb der Kernmärkte aktiven Applikationen eingebunden zu werden - die Xobni-Funktion inklusive OAuth-Autorisierung zeigt ja, dass die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind.

Womöglich sind die strengen deutschen Datenschutzgesetze ein Grund. Andererseits: Was mit Xobni geht, sollte auch an anderer Stelle machbar sein.

Für mich sieht der Fall so aus: Mit jedem Dienst, der mir den Zugriff auf LinkedIn erlaubt, aber Xing nicht einmal kennt, werde ich ein Stück näher zu dem US-Netzwerk gezogen, obwohl mein Herz eigentlich für den Hamburger Konkurrenten schlägt.

Doch das Internet ist nun einmal global und viele Xing-Mitglieder werden auch die ein oder andere Webanwendung einsetzen, die nicht aus einem der Xing-Länder stammt. Sehen sie dort stets nur den Button von LinkedIn aber keinen von Xing, ist dies der beste Weg, um sie dem US-Anbieter direkt in die Hände zu spielen.

Xing wäre gut beraten, dafür zu sorgen, bei möglichst vielen beliebten Social-Web-Services einen Integrationspunkt zu schaffen. Sonst besteht tatsächlich die Gefahr, dass Xing kippt. Nämlich dann, wenn es die Bedürfnisse seiner Mitglieder aus den Augen verliert, sobald diese bei Xing auf "Ausloggen" klicken.

Update:

Xing hat uns prompt folgende Stellungnahme geschickt:

Wir sind uns darüber im Klaren, dass es wichtig ist, das Business-Netzwerk dort anzubieten, wo der Nutzer sich in seinem geschäftlichen Alltag aufhält. Zum Beispiel im Outlook (das XING-Outlook-Plugin gibt es schon lange, das Plugin für den Social Connector kommt bald, Xobni-Integration seit Mai) oder auch mit neuen respektive überarbeiten Versionen für mobile Endgeräte. Diesen Kurs werden wir auch weiter fortsetzen.

Wir wissen, dass für unsere Nutzer XING als sicheres Netzwerk von höchster Bedeutung ist und wir nehmen das Thema Sicherheit & Datenschutz daher sehr ernst.  Nicht zuletzt deswegen haben wir einen anderen Weg gewählt, als unsere API-Dokumentation einfach offenzulegen. Sinnvolle Anfragen an die entsprechende E-Mail-Adresse bearbeiten wir natürlich grundsätzlich, Teil jeder Kooperation ist aber auch immer ein ausführliches Review im XING Sicherheitsrat, wo u.a. Operations, QA und auch der Datenschutzbeauftragte des Unternehmens vertreten sind.

Das heißt aber nicht, dass wir nicht systematisch eine Öffnung der Plattform an bestimmten Punkten in Angriff nehmen. Der kürzlich gestartete Share-on-XING-Button wäre dafür ein Beispiel; es folgen demnächst weitere.

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