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15.03.13

Wunderlist: Die Zeiten als reiner Aufgabenmanager sind vorbei

Das Berliner Startup 6Wunderkinder hat eine Browser-Erweiterung für Wunderlist veröffentlicht. Sie zeigt, dass die Zeiten des Dienstes als reiner Aufgabenmanager vorbei sind.

Ich verwende seit längerem den Berliner Taskmanager Wunderlist, um To-Dos nicht permanent im Hinterkopf aufbewahren zu müssen. Unter anderem sammle ich in einer speziellen Liste Namen von Filme und Serien, die ich irgendwann einmal anschauen möchte. Als ich eben über das erfolgreiche Crowdfunding eines Films zu der mir bisher unbekannten Serie "Veronica Mars" las, war die offensichtliche Loyalität der Fans Grund genug für mich, besagte Serie in meiner Wunderlist für späteres Anschauen vorzumerken. Ich war schon dabei, mein Wunderlist-Bookmark zu betätigen, als mir einfiel, dass ich vor zwei Tagen die neue Browser-Erweiterung der Berliner installiert, aber noch nicht ausprobiert hatte. Die Gelegenheit war ideal, dies nachzuholen.

"Wunderlist becomes much more than a To-Do List", "Wunderlist wird weit mehr als eine To-Do-Liste", so der Titel des Blogbeitrags, der die für Chrome, Firefox und Safari angebotene Neuerung vorstellt. In der Tat erweitern die Hauptstädter, die sich nach der schmerzhaften, aber lehrreichen Einstellung ihrer ambitionierten Produktivitätssuite Wunderkit nun vollständig auf das ursprünglich nur als Teaser gestartete Wunderlist konzentrieren, mit dem Schritt die Palette der Anwendungsszenarien. Und sie stoßen in Gefilde vor, in denen bisher vor allem das US-Onlinenotizbuch Evernote, aber auch Social-Bookmarking-Dienste agieren. Die Erweiterung besitzt zwei Kernfeatures. Zum einen dient sie als eine Art "Bookmarking"-Tool der aktuell besuchten Website. Um beim obigen Beispiel zu bleiben: Durch das Betätigen des Wunderlist-Icons im Browser öffnet sich ein Popup-Layer mit einem Textanriss oder einem zuvor markierten Contentabschnitt der Seite sowie einem Link zur Quelle. Hat man eine der zuvor angelegten Listen gewählt, speichert Wunderlist das Objekt dort zum späteren Auffinden, so wie auch "klassische" To-Dos dort abgelegt werden.

Wunderlist-Erweiterung

Die zweite Komponente der Extension ist ein Wunderlist-Button, der auf Seiten bei YouTube, Amazon, Asos, eBay, Etsy, Hacker News, IMDb, Twitter, Wikipedia, Yahoo! Mail, Outlook.com und Gmail erscheint. Von dort werden bei einem Klick die jeweils entscheidenden Informationen und Links übernommen und ebenfalls mit dem beschriebenen Verfahren in der persönlichen Wunderlist abgelegt. Das Wunderlist-Team hebt insbesondere die Möglichkeit hervor, Inhalte aus E-Mails auf diese Weise in wenigen Schritten in Aufgaben zu verwandeln, sowie für einen Kauf anvisierte Produkte zu sammeln. Weitere unterstützte Websites sollen folgen, Seitenbetreiber können diese Option auch selbst implementieren .

Für Evernote-User wird dies relativ uninteressant klingen, immerhin beherrscht ihr Dienst das "Clipping" von Content von Websites schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Gleiches gilt etwa für den deutschen Service Keeeb. Entscheidend ist, wie die Wunderlist-Macher 6Wunderlist die Funktionalität ihres Tools erweitern, ohne vom optischen Grundkonzept eines schlanken, nicht überladenen Aufgabenmanagers abzurücken. Mir persönlich ist beispielsweise Evernote zu überladen und schwerfällig, weshalb ich mich trotz mehrmaliger Versuche nie richtig für den von über 30 Millionen Menschen genutzten Dienst begeistern konnte. Wunderlist hingegen entspricht in Form und Performance eher meinen Ansprüchen. Wie aktiv ich die Neuerung nutzen werde, um Onlinecontent für später zu speichern, kann ich heute noch nicht prognostizieren, mir gefällt jedoch die Marschrichtung der Berliner.

Man merkt, dass die 6Wunderkinder ihre Aufmerksamkeit und Ressourcen nicht mehr auf zwei Projekte parallel richten müssen. Erst vor wenigen Tagen wurde die iPad-App von Wunderlist 2 lanciert, außerdem wird derzeit an einem kostenpflichtigen Pro-Account gewerkelt, der dann endlich auch eine erste Erlösquelle für das Startup darstellt. Eine weitere theoretische Monetarisierungsmöglichkeit wären offensichtlich Affiliate-Links. Bei einem Test wurde eine auf eine Amazon-Profilseite verweisende URL aber nicht durch einen Wunderlist-Affiliatecode modifiziert. Vielleicht ist es besser so, könnte dies bei Nutzern doch für Verstimmung sorgen. Es wäre aber eine Option zur Differenzierung des Pro-Accounts von der Gratisversion.

Kritiker des jungen Unternehmens störten sich bisher vor allem am fehlenden Geschäftsmodell der Berliner und an der Tatsache, dass es sich lediglich um einen gehypten Aufgabenmanager handeln würde. Auch die aktuelle Schritten werden derartige Töne noch nicht verstummen lassen. Sie geben aber Grund zur Hoffnung auf ein auch künftig schnelles Entwicklungstempo, was die Grundlage dafür legt, dass das Startup auf den öffentlichen Hype auch einen wirtschaftlichen Erfolg folgen lassen kann. /mw

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