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28.07.11

Wissensplattform: Google+ und der Quora-Moment

Google+ präsentiert sich als echtes Multitalent mit vielen möglichen Einsatzgebieten. Ein aktueller Beitrag erinnert stark an die Frage-Antwort-Community Quora und hebt die Tauglichkeit des Google-Dienstes als Wissensplattform hervor.

 

Dass Google+ für den ein oder anderen existierenden Onlinedienst eine Konkurrenz darstellt, sollte mittlerweile allen bewusst sein. Facebook und Twitter sind hierfür die offensichtlichsten Beispiele. Der integrierte Videochat "Hangouts" könnte beispielsweise auch Skype sowie andere Videokonferenzlösungen in Bedrängnis bringen. Und mit Huddle beinhaltet die mobile App von Google+ einen Chatdienst, der offensichtliche Parallelen zu einschlägigen Smartphone-Chatclients und Group-Messaging-Services à la WhatsApp, Kik oder Beluga aufweist.

Je tiefer man in die Google+-Materie einsteigt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, weitere Anwendungsszenarien zu entdecken, die das Google-Produkt schlagartig in die Nähe anderer Onlineservices rücken und zumindest einen oberflächlichen Vergleich erlauben. Als ich am Dienstag dieses Google+-Posting samt dazugehörigen Kommentaren entdecke, hatte ich ein derartiges Erlebnis. Kurzzeitig war mir, als befände ich mich bei Quora.

Ihr erinnert euch: Quora ist die von zwei ehemaligen Facebook-Mitarbeitern gegründete Frage-Antwort-Plattform, die zum Jahreswechsel für erhebliche Begeisterungsstürme in der internationalen Tech-Sphäre sorgte. In letzter Zeit ist es deutlich ruhiger um den US-Dienst geworden, was gemäß des Hype-Zyklus eine natürliche Entwicklung darstellt. Nach wie vor eignet sich Quora ausgezeichnet für Recherchen und dafür, Einblicke und Expertenansichten zu erhalten, die es in dieser geballten Form an anderer Stelle im Netz nicht gibt.

Auf die Tauglichkeit von Google+ als Debattenplattform bin ich schon vor einigen Tagen eingegangen. Dabei ging es mir aber primär um die Tatsache, wie Personen dort mit unterschiedlichen Ansichten ihre Standpunkte darlegen und diskutieren können. Der von mir oben erwähnte Beitrag jedoch zeichnet sich vor allem durch die Kompetenz und Erfahrungsberichte aus, die sich in den Kommentaren zu der von Tobias Jordans aufgeworfenen Frage nach der Bedeutung von User Experience Designern für Startups ansammeln.

Zahlreiche Personen antworteten auf Jordans Beitrag und brachten ihre Eindrücke, Erlebnisse und Perspektiven zum Thema ein. Konstruktiv, sachlich und fokussiert - genau wie man es von Quora kennt. Zwar fehlt bei Google+ eine Voting-Funktion im Quora-Stil zur Qualitätsbewertung einzelner Kommentar, aber immerhin lassen sich diese mit einem +1 bewerten.

Vermutlich haben einige von euch schon andere Google+-Threads zu Gesicht bekommen, die einer Wissensansammlung ähnlicher sind als einem schlichten Meinungsaustausch (auf entsprechende Links könnt ihr gerne in den Kommentaren hinweisen). Für mich ist besagter Fall eine Premiere und ein Beispiel für eine weitere mögliche Ausrichtung des Neulings in der Google-Familie.

Natürlich kann Google+ von der konzeptionellen Umsetzung her Quora, das auf der Site verfügbares Know-how auf verschiedensten Wegen kategorisiert sowie filter- und auffinbar macht, nicht das Wasser reichen. Und das Fehlen einer integrierten Suchefunktion für öffentliche Inhalte stellt das momentan größte Manko beim Einsatz von Google+ als Wissensplattform dar.

Eine Gefahr ist das Google-Netzwerk für Quora und andere Frage-Antwort-Dienste daher nicht. Für derartig spezialisierte Dienste wird es immer eine Nische geben. Doch das genannte Beispiel verdeutlicht, wie Google mit seine neuen Hoffnungsträger nicht nur Social Networking neu definieren, sondern nebenbei auch als Wissensplattform auftrumpfen könnte - ein bisher von sozialen Netzwerken mit ihrer zumeist auf die private Kommunikation ausgerichteten Auslegung sträflichst vernachlässigter Aspekt.

Falls ihr noch Bedarf habt: Eine Einladung zu Google+ könnt ihr euch hier sichern.

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