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05.01.12

wifis.org: Online-Kontaktseite für das eigene WLAN

Mit dem Berliner Dienst wifis.org können Besitzer von Drahtlosnetzwerken ihrem jeweiligen WLAN eine Onlineprofilseite einrichten und so Nachbarn die Möglichkeit geben, mit ihnen in Kontakt zu treten. Eine simple, aber nützliche Idee.

 

Wege, um mit den Menschen in der Umgebung zu kommunizieren, gibt es zahlreiche. Der Berliner Software-Entwickler Mathias Nitzsche will mit wifis.org erreichen, dass auch WLANs dazu verwenden werden können, um mit der Nachbarschaft in Kontakt zu kommen. Das von ihm dazu gewählte Verfahren ist extrem einfach, aber deshalb nicht minder interessant:

Bei wifis.org können sich Nutzer eine Kontaktseite für ihren WLAN-Router zulegen, nicht unähnlich dem Prinzip von persönlichen Online-Visitenkartenservices wie About.me, dooid oder Flavors.me. Anschließend ändern sie in ihren Router-Einstellungen den Name des WLANs (SSID) zu ihrer jeweiligen wifis.org-Kurz-URL. Die Folge: Jeder, der künftig in der Nähe nach verfügbaren Drahtlosnetzen sucht, wird als eine Option das mit der wifis.org-Adresse betitelte WLAN aufgelistet bekommen. Besucht man dann die URL im Browser, kann man dem Besitzer des WLANs über das Kontaktformular eine Nachricht zukommen lassen, die bei diesem im E-Mail-Postfach landet.

wifis.org-Initiator Mathias Nitzsche sieht primär zwei Szenarien, in denen diese Möglichkeit sinnvoll sein könnte: Für Anfragen, ob man (eventuell gegen Bezahlung) ein fremdes WLAN mitbenutzen darf, oder um sich als kontaktfreudiger Neuling in einem Haus anderen Anwohnern vorzustellen und sich eventuell auf ein Bierchen zu verabreden.

Das Problem, nach einem Umzug für eine begrenzte Zeit keinen festen Internetanschluss zu haben, kennen garantiert viele. Die Idee zu wifis.org entstand genau in einer solchen Lage, so Nitzsche: "Ich hatte Mitte des Jahres nach meinem Umzug kein Internet, war mir aber sicher bei gut 20 WLANs in meiner Umgebung, ohne Probleme schnell jemanden zu finden, der mich mitmachen lässt. Das Herumfragen im Haus erschien mir jedoch sehr ineffizient."

Damit sich in Zukunft aber tatsächlich viele Personen mittels fremder WLANs miteinander bekannt machen und Internetverbindungen oder andere Dinge teilen können, benötigt der Dienst erst einmal eine massive Reichweite und muss möglichst viele WLAN-Besitzer dazu bewegen, ihre SSIDs umzubenennen. Nitzsche kann aber bereits auf eine ganze Reihe von internationalen Presseberichten verweisen, die für ihn als Indiz gelten, dass sein bisher experimentelles Projekt eine grundsätzliche Nachfrabe bedient.

Ob aus wifis.org ein "richtiges" Startup wird, darauf will er sich noch nicht festlegen. Kosten fielen abgesehen von seiner Zeit bisher lediglich für die als Short-URL genutzte, relativ teure isländische Top-Level-Domain wif.is an. Vorerst will sich der Berliner auf weiteres Wachstum sowie die Einführung neuer Features wie individualisierbare Kontaktseiten konzentrieren. Als künftige Erlösquellen hält er kostenpflichtige Premiumfunktionen, Werbung, Flattr oder Spenden für möglich.

Die Hürde für Nachahmer der Idee ist denkbar gering, weshalb das Erreichen einer maximalen Geschwindigkeit bei der Akquisition von "Teilnehmern" höchste Priorität haben sollte. Zu Gute kommt Nitzsche dabei, dass sämtliche bisher automatisch mit einem WLAN verbundenen Anwender wie Familienmitglieder oder Freunde sich nach dem Namenswechsel der SSID einmalig manuell bei dem dann den Namen der wifis.org-URL tragenden Netzwerk anmelden müssen. Sie werden somit gezwungen, sich mit dem Service auseinanderzusetzen. "Jedes einzelne umbenannte WLAN weltweit ist 24 Stunden am Tag als Werbung für unsere Website auf Sendung", so Nitzsche.

Link: wifis.org

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