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17.11.08

Werbefinanziertes Filmportal: Microsoft Deutschland tanzt den Hulu

Microsoft Deutschland bringt mit MSN Movies ein kostenloses, werbefinanziertes Portal für Kinofilme (und TV-Serien) an den Start. Hat das neue Angebot das Zeug, im deutschen Raum zu dem zu werden, was Hulu mittlerweile in den USA ist?

Während von den Nutzern hochgeladene Videoclips im Netz nach wie vor hoch im Kurs stehen, blicken Werbetreibende weiter skeptisch auf YouTube und anderen Portale, die User Generated Content eine Plattform bieten. Das Risiko, ihre Anzeigen im Zusammenhang mit unpassenden, amateurhaften Filmchen eingeblendet zu sehen, ist vielen Unternehmen auch nach rund vier Web-2.0-Jahren noch immer zu hoch.

Professionelle Inhalte erscheinen Marketern dagegen wie ein sicherer Hafen. Videowerbung als Begleitung von Streams bekannter Serien und Blockbuster - das klingt für viele nach der perfekten Kombination aus einem qualitativen, kontrollierten Umfeld und der Ausnutzung von Vorteilen der bewegten Onlinewerbung (u.a. hohe Messbarkeit und Möglichkeit zielgruppengenauer Steuerung).

Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis neben den kostenpflichtigen deutschen Video-on-Demand-Diensten auch ein echtes, werbefinanziertes Gratis-Portal für Kinofilme an den Start gehen würde. Diese Rolle übernimmt seit heute MSN Deutschland. Der als MSN Movies bezeichnete und unter movies.msn.de aus Deutschland, der Schweiz und Österreich erreichbare Dienst bietet derzeit rund 100 deutschsprachige Filme unterschiedlicher Genres zum kostenlosen Streaming ohne Notwendigkeit zur Registrierung. Auch diverse Dokus sowie einige wenige TV-Serien und Cartoons werden angeboten.

MSN bestückt die Streams, die in Adobes Flash-Format und nicht mit Microsofts Silverlight-Technik übertragen werden, mit einzelnen Werbespots: vor dem Beginn, zwischendurch (alle zehn Minuten) sowie beim Kapitelwechsel. Pro Streaming-Stunde sollen Zuschauer maximal zwölf Minuten Werbung zu sehen bekommen.

Informierten Internetfreunden dürfte nicht entgangen sein, dass MSN mit seinem neuen, auf das Wesentliche konzentrierten Videoportal versucht, das Erfolgskonzept der NBC-Fox-Kooperation Hulu in den deutschsprachigen Raum zu übertragen. Bei Hulu, das derzeit lediglich aus den USA erreichbar ist, haben User Zugriff auf rund 1000 TV-Serien und -Shows sowie auf über 400 Kinofilme. Die klar strukturierte, ansprechende Site hat sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten zu einem großen Erfolg entwickelt und erfreut sich auch bei werbenden Unternehmen steigender Beliebtheit.

Glaubt man den Experten von Screen Digest, könnte Hulu bereits im nächsten Jahr mit der Vermarktung einen ähnlich hohen Umsatz erzielen wie das wirtschaftlich bisher wenig überzeugende YouTube - und das bei nur einem Bruchteil der Benutzer von Googles weltweit erreichbarem Videoportal. Hollywood-Streifen und Top-TV-Serien als werbefinanzierte Videostreams sind die neue Hoffnung der Webanbieter (und Filmverleiher) auf das große Geld im Netz. Auch Google hat das mittlerweile erkannt und mit dem Filmstudio MGM vor kurzem eine Vereinbarung getroffen, in den USA komplette Filme des Unternehmens bei YouTube zum kostenlosen Streaming anzubieten.

First Mover im deutschsprachigen Raum zu sein, dürfte sich für MSN auszahlen. Wenn es dem Microsoft-Portal gelingt, schnell die Zahl verfügbarer (und attraktiver) Titel zu erhöhen und dem Angebot einige soziale Features zu spendieren, um seine Viralität zu steigern, könnte sich MSN Movies hierzulande zu einem populären und bei werbenden Unternehmen angesagten Videoangebot entwickeln. Letztlich hängt das zu 95 Prozent vom Content ab. Für den Anfang ist das Angebot nicht schlecht. Hoffen wir, das MSN regelmäßig nachlegt.

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