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17.03.11

Webdienste aus D-A-CH: Wer bietet offene Schnittstellen?

Ein erfolgreicher, ambitionierter Webservice kommt kaum noch ohne eine offene Schnittstelle aus - zumindest in den USA. Im deutschsprachigen Raum hingegen sind APIs deutlich weniger präsent.

 

"Sind APIs das neue Nonplusultra" fragte das stets lesenswerte US-Blog GigaOm gestern ("Are APIs the New Black?") und analysierte in dem dazugehörigen Artikel die stetig zunehmende Bedeutung offener Schnittstellen für die US-amerikanische Startup- und Internetwelt.

In der Tat haben sich APIs (Application programming interface - eine pädagogische Erklärung gibt's hier) in den letzten Jahren zu einem der wesentlichen Charakterzüge von und Erfolgsmerkmale für viele junge Webfirmen sowie nicht kommerzielle Projekte und Websites entwickelt.Es sind offene Schnittstellen, die Scharen von Twitter-Applikationen hervorbrachten und damit die Basis für den Aufstieg des Microbloggingdienstes legten (auch wenn Twitter nun stärker selbst die Kontrolle übernehmen will und sich damit Kritik einhandelt) und die Facebook-Nutzern auf hunderttausenden von Websites den Login mit den Benutzerdaten des Social Networks ermöglichen.

Auch sind es offene Schnittstellen, die Location-Dienste wie Gowalla , friendticker , Qype und Facebook Places miteinander kommunizieren und Geodaten synchronisieren lassen oder Mashups ermöglichen, bei denen zum Beispiel beliebige Daten aus dem Netz auf Google-Karten dargestellt werden. Selbst einige international ausgerichtete journalistische Organisationen bieten mittlerweile APIs an, um Teile ihres Datenbestands und Wissens zur Verwendung in den Anwendungen Dritter zugänglich zu machen.

APIs sind die Gelenke oder das Schmierfett des Webs - je nach dem, welche Analogie man bevorzugt. Doch während kaum noch ein US-Webservice, der etwas auf sich hält, ohne offene Schnittstelle auskommt, sind Startups und Internetdienste aus dem deutschsprachigen Raum zurückhaltender (speziell die aus Deutschland). Ich habe gestern zuerst bei Twitter und anschließend bei Quora in die Runde gefragt, welche Anbieter aus Deutschland eine offene API anbieten - und immerhin einige wenige Nennungen erhalten (siehe Liste unten).

Statt eine offene Schnittstelle bereitzustellen, über die beliebige Entwickler Zugriff auf vom API-Anbieter definierte Daten und Funktionen erhalten und dadurch Applikationen und neue Anwendungen erstellen können, neigen hiesige Onlinedienste eher dazu, formelle Kooperationen mit ausgesuchten Anbietern einzugehen (eine Google-Suche nach dem Wort "kooperiert" bei deutsche-startups.de ergibt immerhin 1240 Treffer).

Führende hiesige Services wie Xing besitzen zwar eine API, lassen jedoch nur ausgewählte Entwickler im Rahmen einer geschäftlichen Partnerschaft auf diese zugreifen (und verschaffen sich so gegenüber der US-Konkurrenz einen Wettbewerbsnachteil).

Die möglichen Gründe für die vergleichsweise geringe Begeisterung lokaler Webentrepreneure für offene Schnittstellen dürften einerseits auf datenschutzrechtliche und urheberrechtliche Bedenken zurückzuführen sein, deuten andererseits aber auch auf eine in der hiesigen Geschäftswelt tief verankerte Mentalität der Abschottung und des Nicht-Teilens hin. Offene APIs sind eine langfristige Investition, bei der kurzfristig eigenes Know-how kostenfrei abgegeben, langfristig dadurch jedoch eine Erhöhung von Reichweite, Bekanntheit und Konsumenten- sowie Entwickler-Goodwill erreicht wird. Nicht jedes Unternehmen scheint die Vorzüge darin zu sehen.

Welche langfristig orientierten, kommerziellen Webfirmen sind nun die Ausnahmen von der Regel und stellen externen Programmierern eine offene API bereit? Hier kommt die vorläufige, nicht vollständige Liste (zuletzt aktualisiert 26.04. 11:00 Uhr):

Webdienste mit offener API aus Deutschland:

Die Event-Management-Plattform amiando (zur API)

Das Online-Rechnungstool Billomat (zur API)

Das Tool zum Verwalten von Coworking-Fläche cobot (zur API)

Der Marktplatz für Handgefertigtes DaWanda (zur API)

Das Preisvergleichs-Netzwerk Ecato (zur API)

Das Tool zum Verwalten von Garantieunterlagen garanbo (zur API)

Die vor allem in Süddeutschland starke Community KWICK! (zur API)

Das Online-Tool zur Erfassung und Auswertung von Arbeitszeit mite (zur API)

Der Onlineguide für Mittagstische in der Umgebung menümix (zur API)

Das Filmempfehlungsportal moviepilot ( zur API )

Das Tool zum Erstellen von Wireframes pidoco (zur API)

Das Podcast-Verzeichnis podcast.de (zur API)

Das Städte- und Empfehlungsportal Qype ( zur API )

Das Online-Rechnungstool Salesking ( zur API )

Der VoIP-Dienstleister sipgate (zur API)

Die Berliner Musik- und Audioplattform SoundCloud (zur API)

Das Tool zur Gestaltung eigener T-Shirts Spreadshirt (zur API)

Die Shopping-Suchmaschine STYLIGHT.de ( zur API )

Die semantische Suchmaschine TrustYou ( zur API )

Die Erklärmaschine Twick.it (zur API)

Auch die Deutsche Telekom bietet diverse offene APIs an.

Webdienste mit offener API aus der Schweiz:

Der Online-Terminplaner Doodle (zur API)

Das mobile Social Game Gbanga (zur API)

Das digitale Notizbuch Memonic (zur API)

Die Community thats-me.ch (zur API)

Der Online-Speicherdienst Wuala (zur API)

Webdienste mit offener API aus Österreich:

Der GPS-Tracker Breadcrumbs ( zur API )

Die Plattform für DJ-Mixe play.fm (zur API)

Die Plattform zum Speichern der eigenen Musiksammlung tunesBag (zur API)

Die Plattform zum Sammeln und Teilen von Konzert-Setlists setlist.fm (zur API)

Sofern ihr einen Dienst kennt, den wir bisher nicht auflisten (Voraussetzung: kommerzieller Webservice), freuen wir uns über einen entsprechenden Kommentar!

Ein Dank geht an @Hagenburger, @dennishorn, @jensbest, @mite

(Foto: Flickr/avrene, CC-Lizenz)

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