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12.08.08

Web 2.0 in Unternehmen: Sinn oder Unsinn?

Web 2.0 in Unternehmen. Je mehr, umso besser? Ist die Zeit überhaupt schon reif dafür?

Frank Hamm befasst sich auf seinem Blog seit geraumer Zeit mit den Möglichkeiten des Einsatzes von Web 2.0 in Unternehmen - auch bekannt als Enterprise 2.0 -. In einem aktuellen Artikel fasst er die Beweggründe für den Einsatz dieser neuen Werkzeuge in Unternehmen so zusammen:

In den Neunzigern wurde versucht die Effizienz in Unternehmen [..] mit flachen Hierarchien zu erhöhen. Doch ab einer gewissen Unternehmensgröße ist das m.E. illusorisch.

Web 2.0 oder im fortgeschrittenen Sinne Enterprise 2.0 setzt das fort, was unter den Schlagworten "Prozessoptimierung" und "Flache Hierarchien" in den Neunzigern begonnen wurde.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Einsatz von Web2.0-Werkzeugen im Unternehmensbereich immer Sinn ergibt. Selbst im wesentlich flexibleren Konsumentenbereich befinden wir uns immer noch in einer Lernphase, was die Nutzung der neuen Webapplikationen angeht. Im komplexeren Hierarchie-Kontext dürfte ein erfolgreicher Einsatz oft weitaus schwieriger zu realisieren sein.

Ganz davon abgesehen, dass nicht wenige Unternehmenskulturen mehr oder weniger inkompatibel mit den Voraussetzungen sind:

# das Überschreiten von Hierarchien (vertikal) und

# das Überqueren der Grenzen von Organisationseinheiten (horizontal, "Silos")

Trotzdem ist der interne Einsatz neuartiger Webwerkzeuge, wie man sie unter Web 2.0 zusammenfasst, für viele Unternehmen wichtig, beziehungsweise wird wichtig werden. Nicht nur weil bei erfolgreicher Umsetzung und Nutzung das tatsächlich zu einer Verbesserung der internen Informationsflüsse beitragen kann. Sondern auch, weil nur das einigen Unternehmen die Bullshit-Denkweise austreiben kann, die ihnen im Google-Zeitalter vermehrt Kunden kosten wird. zuvorderst für Unternehmen im Konsumentenbereich kann das also wichtig werden. Fraglich allerdings, ob dieser indirekte Zusammenhang von den betroffenen Entscheidern überhaupt erkannt werden kann.

Auch habe ich ab und an den Eindruck - und da mag ich mich täuschen -, dass es eine Menge Unternehmensberater gibt, die Land auf, Land ab den Einsatz von Web 2.0 in Unternehmen predigen. Das aber nicht machen, weil es wirklich sinnvoll ist, sondern weil es 'ihr Ding' ist. Weil es das ist, was sie von anderen absetzt. In Gesprächen habe ich manchmal den Eindruck, dass man etwas umsetzen will oder sich zumindest dafür einsetzt, weil das die in gewissen Kreisen anerkannte Zukunft ist (oder weil es einfach gut klingt). Der neue Weg, mit dem alles besser wird.

Dabei kann die Sinnhaftigkeit von Situation zu Situation (logischerweise) stark divergieren. Und in einer Welt, in der Unternehmen, die nicht primär im Web agieren, immer noch mehrheitlich Internet Explorer einsetzen, kann der mit der Brechstange durchgesetzte Einsatz von Web2.0-Elementen leicht schief gehen.

Wir setzen hier bei Blogwerk recht viele dieser Webwerkzeuge zur Zusammenarbeit ein. Das liegt zu einem Großteil daran, dass wir durch unsere geografische Entfernung voneinander keine andere Wahl haben (und es liegt zum anderen an der Tatsache, dass wir hier schneidende Kante sind). In unserem Extremfall verläuft aus meiner Sicht vieles (aber natürlich nicht alles) einfacher und flexibler als im Vergleich zum herkömmlichen Bürobetrieb. Aber auch wir lernen noch im laufenden Betrieb dazu, wie man die Werkzeuge effizient einsetzt. Kein Wunder, wenn außer Telefon und Email keines der eingesetzten Werkzeuge älter als zehn Jahre ist.

Fazit

Das Enterprise2.0-Thema wird in Zukunft immer wichtiger werden. Allerdings ist der Einsatz nicht so schwarz-weiss, wie manche glauben mögen. Die Umsetzung kann je nach Ausrichtung ausgesprochen schwierig sein.

Anders ausgedrückt: Die Zeit für Enterprise 2.0 mag kommen, aber noch nicht da sein. Erst wenn Werkzeuge wie Wikis, Blogs, Social Bookmarking und Co. den Konsumenten-Mainstream erreicht und durchdrungen haben, können diese auch auf die Unternehmen überspringen. Denn ein tatsächlicher Einsatz (und nicht nur ein von oben verordneter Scheineinsatz) in Unternehmen jenseits der Internetwirtschaft wird in meinen Augen in den meisten Fällen nur mittels Bottom Up umgesetzt werden. Und das wiederrum wird nur geschehen, wenn die Arbeitnehmer das alles bereits zur Genüge kennen und zumindest teilweise in ihrer Freizeit nutzen.

Ist die Zeit reif einen breiten Einsatz von Web2.0-Applikationen in Unternehmen? Meinungen und Erfahrungsberichte bitte in die Kommentare.

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