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01.09.14

Was fehlt: Ein mitdenkender Reise-Assistent für das Smartphone

Es gibt unzählige Apps, die Reisenden gute Dienste erweisen. Doch DER universelle, smarte Reise-Assistent für Smartphones fehlt. Ein Multimillionen-Markt wartet darauf, erschlossen zuwerfen.

Screenshot: Travel Butler

Wie ich jüngst mit dieser Liste zu illustrieren versuchte, kommen moderne Reisende heute kaum noch um den Einsatz mobiler Apps zur Reiseplanung und -durchführung herum. Auf diese Möglichkeiten zu verzichten, wäre auch nicht klug, denn viele Apps sorgen für entspanntere, besser informierte und erlebnisreichere Reisen. Doch während eine Vielzahl von Aspekten des Reisens jeweils von einzelnen Anbietern ins Visier genommen wird, fehlt DIE eine übergeordnete Reise-App. Eine Art Reise-Butler sozusagen. Eine smarte App, die verschiedene Teilbereiche des Reisens in einer komfortablen, intuitiven Oberfläche vereint und auf durchdachte, nützliche Weise zugänglich macht. Eine App also, die man regelmäßig sowohl im Vorfeld eines Trips als auch während der Durchführung konsultiert, und die sich nicht nur auf einzelne Felder beschränkt, wie etwa Tripit auf die Verwaltung von Buchungen.

Der Berliner Entwickler Sebastian Oehlschläger hat am Wochenende eine iOS-Anwendung veröffentlicht, dessen konzeptioneller Ansatz in die beschriebene Richtung geht. Die bezeichnenderweise Travel Butler getaufte kostenfreie App verspricht, Reisevorbereitungen “kinderleicht” zu machen. Oehlschläger zapft für den Dienst drei öffentlich zugängliche Quellen an, nämlich OpenWeatherMap, Foursquare und Google Maps, und kombiniert die Informationen daraus mit einer Packliste. Das Ergebnis stellt ein kleines Tool dar, das Usern erlaubt, sich vor einem Trip mit minimalem Aufwand einen Überblick über Wetterlage, Packnotwendigkeiten, Restaurants und Sehenswürdigkeiten zu verschaffen.

In der aktuellen Form ist der selbstbewusste Name der Anwendung noch etwas hoch gegriffen, wobei Oehlschläger, der sich als unabhängiger App-Entwickler betätigt, auch gar nicht vor hat, das nächste große Ding im digitalen Reise-Segment zu erschaffen. Aber vielleicht sollte er darüber nachdenken, genau dies in Angriff zu nehmen. Denn ein digitaler Reise-Assistent, der sich als Universal-Werkzeug für alle Reisenden etablieren kann, hat das Potenzial zum Multimillionen-Euro-Geschäft. Wenn nicht mehr. Reisen sind grundsätzlich mit erheblichen Geldausgaben verbunden. Die Monetarisierungs-Optionen werden daher lediglich von der eigenen Fantasie begrenzt.

Balance-Akt zwischen Fokus und All-in-one-Lösung

Die große Herausforderung eines virtuellen Reise-Assistenten liegt darin, eine Überlastung mit Features und für individuelle User irrelevanten Informationen zu vermeiden, gleichzeitig aber all das zu bieten, damit bei Reisenden Vertrauen entsteht. Vertrauen, dass ihnen nicht essentielle Tipps, attraktive Deals und unbedingt Wissenswertes entgehen. Einen klaren Fokus beizubehalten, sich gleichzeitig aber die Eigenschaft als zentraler Dreh- und Angelpunkt für Reisende anzueignen, ist ein komplizierter Balance-Akt.

Der Schlüsse. zum Erfolg liegt in einer intelligenten Personalisierung, die durch einige kritische Abfragen während des Onboardings, durch die Integration und Verknüpfung mit Konten bei für Reisen essentiellen Services wie Foursquare, Yelp, Tripadvisor, Tripit und Airbnb, sowie durch einen stetigen Lernprozess im Laufe der Nutzung erreicht wird. Die App müsste in der Lage sein, in der jeweiligen Phase einer Reise User mit den Informationen und Instrumenten zu versorgen, die zu diesem Zeitpunkt benötigt werden. Den individuellen Bedürfnissen der unterschiedlichen Reisetypen, von Geschäftsreisende und Pauschaltouristen bis hin zu Backpackern und Digitalnomaden, müsste Rechnung getragen werden.

Personen, die beruflich unterwegs sind, interessieren sich etwa für Infos zu empfehlenswerten Flughafen-Lounges, Hotels mit schnellem WLAN, Restaurants mit Eignung für Geschäftsessen sowie ein kompaktes touristisches Fünf-Stunden-Programm, welches sie an ihrem einzigen freien Vormittag absolvieren können. Für Rucksackreisende sind dagegen günstige Unterkünfte, Cafés und Nachtleben, öffentliche WLAN-Hotspots, Visums-Bestimmungen sowie Optionen für die Fortsetzung ihres Trips viel relevanter.

Ein universaler Reise-Assistent in App-Form würde die Vielseitigkeit der Ansprüche und Bedürfnisse von Reisenden berücksichtigen und mittels einer durchdachten Oberfläche, Sprachsteuerung sowie einer Optimierung auch für schwache, instabile Internetverbindungen ein Werkzeug bieten, welches für Reisende ähnlich elementar ist wie ihr Reisepass.

Wer macht's? Buchungsportale? Google? Airbnb?

Die große Frage lautet: Wer erobert dieses auf Eroberung wartende Territorium? Für Einzelkämpfer wie Sebastian Oehlschläger dürften die zu lösenden Probleme einfach zu umfangreich und komplex sein. Buchungs- und Bewertungsportale kämen in Frage, wobei eine große Bereitschaft in Investitionen mit langfristigem ROI existieren müsste. Google wäre sicher ein Kandidat, und mit Google Now existiert eine Blaupause für persönliche Assistenten. Allerdings beweist der Konzern regelmäßig, wie wenig er menschliche Emotionen versteht. Reisen aber sind häufig sehr emotionale Ereignisse. Womöglich die besten Chancen hätte Airbnb. Das rasant wachsende Unternehmen aus San Francisco hat das erklärte Ziel, die gesamte Wertschöpfungskette des Gastgewerbes abzudecken. Eine eigenständige Travel-Butler-App würde das Profil des Dienstes als erste Adresse für alle Reisenden schärfen. Sicherlich müsste man auch Tripit-Betreiberin Concur erwähnen. Und vielleicht gelingt es ja auch einem noch gar nicht existierenden Startup, sich zu positionieren.

Einen wirklich funktionierenden, personalisierten und mitdenkenden Reise-Butler auf die Beine zu stellen, ist keine kleine Herausforderung. Wer sie meistert, der hat aber Chance, einen enormen Markt zu erschließen. /mw

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